Angola: Aktivist ohne medizinische Versorgung inhaftiert
Der Aktivist Serrote José de Oliveira wurde am 28. Juli 2025 in Angola von unbekannten Männern angeschossen (undatiertes Foto).
© Privat
Der Aktivist Serrote José de Oliveira wird nach wie vor willkürlich in Haft gehalten und nicht angemessen medizinisch versorgt. Er war am 28. Juli von Männern, die mit der Kriminalpolizei (SIC) in Verbindung stehen sollen, durch Schüsse ins Bein verletzt worden. Die Tat geschah am ersten Tag eines Streiks in Luanda, als Serrote José de Oliveira für einen Livestream filmte. Der Aktivist wurde daraufhin festgenommen, und erst am 1. August erfuhr seine Familie, dass er sich in einer Hafteinrichtung der Kriminalpolizei in Luanda befand. Noch am selben Tag wurde er einem Gericht vorgeführt, aber nicht angeklagt. Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich, dennoch ist seine Schussverletzung noch nicht angemessen medizinisch versorgt worden. Auch seine Familie hat noch keinen Zugang zu ihm erhalten.
Bitte setzt euch für Serrote José de Oliveira ein!
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
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Achtung: Bitte prüfe bei der Deutschen Post ob die Briefzustellung in das Zielland ungehindert möglich ist.
Appell an
Justiz- und Menschenrechtsminister
Minister of Justice and Human Rights
Marcy Cláudio Lopes
Casarão da Justiça
Rua 17 de Setembro
Gombota, Luanda, LU
ANGOLA
Sende eine Kopie an
Botschaft der Republik Angola
I.E. Frau
Maria Isabel G. Godinho De Resende Encoge
Werderscher Markt 10
10117 Berlin
Fax: 030-2408 9712
E-Mail: botschaft@botschaftangola.de
Sachlage
Serrote José de Oliveira, auch bekannt als General Nila, ist ein Sprecher der UNTRA-Bewegung (Unidade Nacional para Total Revolução de Angola). Am 28. Juli filmte er in der Hauptstadt Luanda gemeinsam mit anderen Aktivist*innen den ersten Tag einer Protestveranstaltung gegen die steigenden Kraftstoffpreise. Männer, die laut Augenzeug*innen mit der Kriminalpolizei (SIC) in Verbindung stehen, näherten sich ihm und der Gruppe, in der er sich befand, und begannen auf sie zu schießen. Serrote José de Oliveira wurde am linken Bein verletzt.
Die Behörden gaben an, Serrote José de Oliveira werde in ein Allgemeinkrankenhaus verlegt, doch stattdessen brachte man ihn in eine Kommandozentrale in der Stadt Talatona, wo er von mehreren Polizeikräften verhört wurde. Er wurde bis zum 1. August willkürlich in Haft gehalten. Erst dann erfuhr seine Familie, dass er in der Hafteinrichtung der Kriminalpolizei festgehalten wurde. Am 6. August wurde er ohne Wissen seiner Rechtsbeistände in das Zentralgefängnis von Comarca verlegt, wo er einige Stunden verbrachte, bevor er in die Zelle der SIC zurückgebracht wurde. Serrote José de Oliveira hat seit seiner Festnahme am 28. Juli trotz seines sich verschlechternden Gesundheitszustands keinen Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung seiner Schusswunde. Auch seine Familie hat bislang keinen Kontakt zu ihm. Sein Anwalt hat ihn zwischen dem 28. Juli und dem 1. August zweimal gesehen, kann ihn aber seither nicht mehr erreichen. Obwohl er am 1. August einem Gericht vorgeführt wurde, ist Serrote José de Oliveira noch immer nicht wegen einer Straftat angeklagt worden, so dass die Rechtsgrundlage für seine fortgesetzte willkürliche Inhaftierung nach wie vor nicht bekannt ist.
Die Schüsse auf Serrote José de Oliveira, während er einen Protest über Soziale Medien live übertrug, seine willkürliche Inhaftierung, die anschließende unzureichende medizinische Versorgung seiner Verletzungen und die Verweigerung des Zugangs zu seiner Familie sind allesamt äußerst schwerwiegende Verstöße gegen Angolas nationale Gesetze und Verpflichtungen des Landes nach regionalen und internationalen Menschenrechtsstandards.
Hintergrundinformation
Nachdem die angolanische Regierung angekündigt hatte, den Preis für Dieselkraftstoff um mehr als 30% anzuheben, riefen zivilgesellschaftliche Organisationen ab dem 12. Juli 2025 zu landesweiten Protesten auf. Die Menschen protestierten gegen die steigenden Lebenshaltungskosten und die zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten, denen sie sich ausgesetzt sehen. Am 12. Juli, dem ersten Tag der Proteste, ging die Polizei mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen Demonstrierende vor und nahm in Luanda mindestens zwölf Personen fest.
Am 19. Juli wurde der 36-jährige Aktivist Osvaldo Kaholol wenige Stunden vor einer geplanten Protestveranstaltung in Luanda festgenommen. Man warf ihm vor, zu Gewalt angestiftet zu haben, weil er in einem Livestream-Video zu Protesten aufgerufen haben soll. Er wurde mehr als 24 Stunden ohne Kontakt zu seinem Rechtsbeistand oder seiner Familie festgehalten. Seine Verwandten berichteten später, dass er in das Calomboloca-Gefängnis verlegt worden sei, ohne dass die Familie oder Rechtsbeistände offiziell benachrichtigt wurden. Erst fünf Tage nach der Verlegung erfuhr die Familie davon. Osvaldo Kaholol musste acht Tage lang dieselbe Kleidung tragen. Seit dem 22. Juli befindet er sich im Hungerstreik, um dagegen zu protestieren, dass seine Familie ihm keine Nahrungsmittel bringen darf.
Im Anschluss an die Protestveranstaltungen rief der Verband der Taxifahrer*innen ab dem 28. Juli zu einem dreitägigen Streik auf, der sich ebenfalls gegen die steigenden Dieselpreise richtete. Die Preissteigerung hatte zu einem Anstieg der Fahrpreise für Minibustaxis um 50% geführt, was für Pendler*innen, die auf diese Art des Transports angewiesen sind, schwerwiegende Folgen hatte. Während des Streiks gab es Berichte über gewaltsame Zusammenstöße mit der Polizei sowie Vandalismus und Plünderungen in verschiedenen Teilen Luandas. Am 31. Juli gab Innenminister Manuel Homem bekannt, dass 1.214 Personen festgenommen worden seien und es 22 Tote und 197 Verletzte gegeben habe.
Die angolanische Regierung ist nicht öffentlich auf die Forderungen der Zivilgesellschaft und der Oppositionsparteien eingegangen, sich zu einem Dialog bzw. einer Überprüfung der Kraftstoffpreise zusammenzusetzen. Es ist nicht das erste Mal, dass eine Steigerung der Kraftstoffpreise in Angola zu Protesten geführt hat, bei denen Menschen gestorben sind. Ein 2024 veröffentlichter Amnesty-Bericht über die Lage in Angola dokumentierte die sogenannten "Huambo-Proteste" am 5. Juni 2023, bei denen Angehörige der Polizei fünf Personen töteten, darunter einen zwölfjährigen Jungen, der auf dem Heimweg von der Schule war.