Aktivist und Anwalt in Militärhaft

Diese Urgent Action ist beendet.

Jean-Marie Kalonji, Aktivist der Jugendorganisation Quatrieme voie/ il est temps, und sein Kollege und Rechtsanwalt Sylva Mbikayi sind am 17. Juli ohne Anklage freigelassen worden. Sie waren seit dem 23. Juni von Angehörigen des Militärgeheimdienstes ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft gehalten worden.

Demokratische Republik Kongo

Demokratische Republik Kongo

Jean-Marie Kalonji ist Aktivist der Jugendorganisation Quatrieme voie/ il est temps. Am 23. Juni wurde er in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo), von militärischen Sicherheitskräften festgenommen. Sein Kollege und Rechtsanwalt Sylva Mbikayi wurde nur wenige Stunden später festgenommen, als er Jean-Marie Kalonji an dessen Haftort aufsuchen wollte.

Appell an:

Mrs. Marie-Ange Mushobekwa
Ministère des droits humain
Place Royal
Kinshasa-Gombe
DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO

Sende eine Kopie an:

Botschaft der demokratischen Republik Kongo
I. E. Frau Kamanga Clementine Shakembo
Ulmenallee 42a
14050 Berlin

Amnesty fordert:

  • Bitte lassen Jean-Marie Kalonji und Sylva Mbikayi umgehend und bedingungslos frei.
  • Ich fordere Sie höflich auf, dafür zu sorgen, dass Jean-Marie Kalonji und Sylva Biskaya sofort vollständigen Zugang zu Rechtsbeiständen ihrer Wahl, ihren Familien und medizinischer Versorgung erhalten.
  • Bitte stellen Sie sicher, dass Jean-Marie Kalonji und Sylva Mbikayi nicht Opfer von Folter und anderen Misshandlungen werden.

Sachlage

Jean-Marie Kalonji ist Aktivist der Jugendorganisation Quatrieme voie/ il est temps. Am 23. Juni wurde er in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo), von militärischen Sicherheitskräften festgenommen. Sein Kollege und Rechtsanwalt Sylva Mbikayi wurde nur wenige Stunden später festgenommen, als er Jean-Marie Kalonji an dessen Haftort aufsuchen wollte.

Gegen Nachmittag des 23. Juni wurde Jean-Marie Kalonji vor einem Kontrollpunkt des Militärlagers in Salongo in der Gemeinde Lemba (Hauptstadtdistrikt Kinshasa) von Soldat_innen angehalten, als er gerade die Wohnung seines Bruders verließ. Er erklärte, dass er sich nicht ausweisen könne, weil sein Reisepass sich derzeit bei einer Botschaft befinde, da er ein Visum beantragt habe. Die Soldat_innen begannen daraufhin, Fragen zu seiner Nationalität zu stellen und durchsuchten seine Tasche, in der sich Broschüren zum "Lumumba-Stipendium" befanden, welches die Jugendorganisation Quatrieme voie/ il est temps (Der Vierte Weg / Es ist an der Zeit) ins Leben gerufen hat. Jean-Marie Kalonji ist der Koordinator dieser Organisation, welche sich für die Rechte der kongolesischen Jugend und für Frieden und Demokratie in der DR Kongo einsetzt.

Zum Zeitpunkt seiner Festnahme telefonierte Jean-Marie Kalonji gerade mit einer Kollegin, die dadurch Teile der Unterhaltung mit den Soldat_innen hörte. Sie benachrichtigte daraufhin Sylva Mbikayi, einen Rechtsanwalt, der Quatrieme voie/ il est temps unterstützt. Als Sylva Mbikayi bei der Militäranlage ankam, in der Jean-Marie Kalonji inhaftiert war, wurde auch er festgenommen.

Gegen 23 Uhr wurden Jean-Marie Kalonji und Sylva Mbikayi zur Zentrale des Militärgeheimdienstes gebracht. Laut Quellen vor Ort wurden die beiden vor ihrem Abtransport von den Soldat_innen misshandelt. Bis heute werden sie dort ohne Zugang zu ihren Familien oder Rechtsbeiständen festgehalten. Es wurde bisher keine Anklage gegen sie erhoben.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Jean-Marie Kalonji ist kongolesischer Staatsbürger. Die DR Kongo hat in den vergangenen 20 Jahren keine Personalausweise für ihre Staatsangehörigen ausgestellt, weshalb diese entweder ihren Wahlschein oder einen Reisepass als Ausweisdokument nutzen.

Jean-Marie Kalonji war zuvor bereits im Dezember 2015 festgenommen worden. Vom Nationalen Geheimdienst (National Intelligence Service – ANR) wurde er über einen Zeitraum von viereinhalb Monaten ohne Kontakt zur Außenwelt gefangen gehalten. Nachdem sich die Zivilgesellschaft monatelang für ihn eingesetzt hatte, wurde er schließlich ins Makala-Gefängnis in Kinshasa verlegt, wo er bis zum 27. August 2016 inhaftiert blieb. Er wurde im Rahmen vertrauensbildender Maßnahmen im Vorfeld des Nationalen Dialogs unter Vorsitz der Afrikanischen Union über die politische Zukunft der DR Kongo zusammen mit anderen politischen Gefangenen freigelassen.

Seit seiner Freilassung ist Jean-Marie Kalonji aktives Mitglied von Quatrieme voie/ il est temps. Die Organisation verteidigt die Rechte der kongolesischen Jugend, befürwortet die Bildung der Bürger_innen und motiviert Jugendliche, sich an Projekten für den sozialen Wandel zu beteiligen. Congo love ist eine Organisation, die sich für kulturelle Projekte einsetzt, um der Bevölkerung der DR Kongo zu Autonomie und Bildung zu verhelfen. Gemeinsam veranstalten die beiden Organisationen beispielsweise Fußballturniere in Kinshasa oder Seminare zum Thema Gleichberechtigung der Geschlechter. Ihre neueste Initiative, das "Lumumba-Stipendium", soll durch finanzielle Hilfe im Gegenzug zu einer Mitarbeit in einem der sozialen Projekte von Quatrieme voie/ il est temps zehn ausgewählten Stipendiat_innen ein Studium oder eine Ausbildung an ihren zehn Partnerinstitutionen in Kinshasa ermöglichen.