Ägypten: Ahmed Douma muss willkürlich vor Gericht

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Portraitfoto von Ahmed Douma

Der ägyptische Aktivist Ahmed Douma (Archivaufnahme)

Der bekannte Aktivist und Schriftsteller Ahmed Douma ist willkürlich in Haft. Er muss sich am 29. April wegen der Verbreitung von "Falschnachrichten" vor dem Kairoer Strafgericht verantworten. Die Vorwürfe gegen ihn beziehen sich auf kritische Beiträge, die er im März in der Zeitung Al-Araby Al-Jadeed und in den Sozialen Medien veröffentlichte. Ahmed Douma war wegen seiner Rolle bei der Revolution vom 25. Januar 2011 über ein Jahrzehnt im Gefängnis. Seit seiner Freilassung im August 2023 haben die Strafverfolgungsbehörden in sieben Fällen erneut Ermittlungen gegen ihn eingeleitet. Bei einer Verurteilung drohen ihm weitere fünf Jahre Haft. Er muss sofort und bedingungslos freigelassen werden!

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt,

der bekannte Aktivist und Schriftsteller Ahmed Douma ist willkürlich in Haft. Er muss sich am 29. April wegen der Verbreitung von "Falschnachrichten" vor dem Kairoer Strafgericht verantworten. Die Vorwürfe gegen ihn beziehen sich auf kritische Beiträge, die er im März in der Zeitung Al-Araby Al-Jadeed und in den Sozialen Medien veröffentlichte. Ahmed Douma war wegen seiner Rolle bei der Revolution vom 25. Januar 2011 über ein Jahrzehnt im Gefängnis. Seit seiner Freilassung im August 2023 haben die Strafverfolgungsbehörden in sieben Fällen erneut Ermittlungen gegen ihn eingeleitet. Bei einer Verurteilung drohen ihm weitere fünf Jahre Haft. Er muss sofort und bedingungslos freigelassen werden!

Ich fordere Sie auf, Ahmed Douma unverzüglich und bedingungslos freizulassen und alle Anklagen gegen ihn fallen zu lassen, da er nur wegen der friedlichen Ausübung seiner Menschenrechte willkürlich festgehalten wird.

Stellen Sie sicher, dass er bis zu seiner Freilassung regelmäßigen Zugang zu seiner Familie und seinen Anwält*innen hat und unter Bedingungen festgehalten wird, die internationalen Standards entsprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Counsellor,

I write to express my grave concern over the arbitrary detention of writer and prominent activist Ahmed Douma. On 6 April 2026, Ahmed Douma went for questioning at the Supreme State Security Prosecution (SSSP) in response to a summons he had received a few days earlier. Several hours into the interrogation, his lawyers were informed that he was being accused of "publishing false news and statements inside and outside the country with the intent to disturb public peace and spread panic". The charges relate to an article he wrote, published in Al-Araby Al-Jadeed on 25 March 2026, under the title "From a prison within the state to a state within the prison", criticizing unjust imprisonment and its impact on state stability. The charges also stem from a social media post, published on 29 March 2026, in which he criticized detention conditions in Egyptian prisons. He has been referred to trial in Case No. 2449 of 2026, and the first hearing is scheduled for 29 April 2026 in front of the New Cairo Misdemeanour Court. He remains in pretrial detention at the 10th of Ramadan prison.

Since his release after more than a decade unjustly behind bars 18 months ago, the SSSP questioned Ahmed Douma in seven separate cases related to content posted on his social media accounts, under accusations of "spreading false news" deemed to "disturb public order, spread fear and harm public interest". In first six cases, he was released on bail, exceeding a total of 235,000 Egyptian pounds (4,500 USD), pending investigations. This forms part of a broader pattern of restrictive measures imposed on him since his release, including an arbitrary travel ban and restrictions on enrolment in postgraduate studies.

On 18 April 2026, his family were able to visit him for the first time at 10th of Ramadan Prison (Rehabilitation Facility 4), after being denied access twice on 8 and 15 April 2026. They reported waiting approximately six hours outside the prison before being granted access. They said that his health appeared stable and that he had access to food, medication and daily exercise. However, he is held in a ward with only two other detainees and is denied contact with others, with movement outside his cell subject to strict restrictions to prevent interaction with other prisoners. According to his lawyers, he was disconnected during an online hearing renewing his detention by El-Shorouk Misdemeanour Court on 21 April 2026, after he raised concerns about being continuously exposed to intense light in his cell. His family also reported that letters he had written to them were not handed over. He is allowed only one visit per month - an exceptional measure introduced during the Covid-19 pandemic that remains in force.

I urge you to immediately and unconditionally release Ahmed Douma and drop all charges against him, as he is arbitrarily detained solely for the peaceful exercise of his human rights. Pending his release, ensure he has regular access to his family and lawyers, and is held in conditions that meet international standards.

Yours sincerely,

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Bitte abschicken bis: 27.10.2026

Appell an

Mohamed Shawky Ayyad
Office of the Public Prosecutor
Madinat al-Rehab
Cairo
GYPTEN 

Sende eine Kopie an

Botschaft der Arabischen Republik Ägypten
S. E. Herrn 
Dr. Mohamed Abdelsattar Mohamed Elbadri
Stauffenbergstraße 6–7
10785 Berlin
Fax: 030-477 1049
E-Mail: embassy@egyptian-embassy.de

Amnesty fordert:

  • Ich fordere Sie auf, Ahmed Douma unverzüglich und bedingungslos freizulassen und alle Anklagen gegen ihn fallen zu lassen, da er nur wegen der friedlichen Ausübung seiner Menschenrechte willkürlich festgehalten wird.
  • Stellen Sie sicher, dass er bis zu seiner Freilassung regelmäßigen Zugang zu seiner Familie und seinen Anwält*innen hat und unter Bedingungen festgehalten wird, die internationalen Standards entsprechen.

Sachlage

Am 6. April 2026 wurde Ahmed Douma auf eine Vorladung hin, die er einige Tage zuvor erhalten hatte, von der Staatsanwaltschaft der Staatssicherheit SSSP verhört. Nach einigen Stunden Verhör wurde seinen Anwält*innen mitgeteilt, dass ihm vorgeworfen wird, "falsche Nachrichten und Erklärungen im In- und Ausland in der Absicht veröffentlicht zu haben, den öffentlichen Frieden zu stören und Panik zu verbreiten". Die Anklage bezieht sich auf einen Artikel, den er in der Zeitung Al-Araby Al-Jadeed am 25. März 2026 unter dem Titel "Vom Gefängnis im Staat zum Staat im Gefängnis" veröffentlicht hat und in dem er ungerechtfertigte Inhaftierungen und deren Auswirkungen auf die Stabilität des Staates kritisiert. Die Anklage bezieht sich auch auf einen am 29. März 2026 veröffentlichten Beitrag in den Sozialen Medien, in dem er die Haftbedingungen in ägyptischen Gefängnissen kritisierte. Er wird in der Rechtssache Nr. 2449 von 2026 vor Gericht gestellt. Die erste Anhörung ist für den 29. April 2026 vor dem Gericht für Ordnungswidrigkeiten in Neu-Kairo angesetzt. Er befindet sich im Gefängnis in der Stadt Al-Ashir min Ramadān in Untersuchungshaft.

Er wurde früher schon mehr als zehn Jahre in Haft gehalten. Seit seiner Freilassung hat die SSSP Ahmed Douma in sieben verschiedenen Fällen zu Inhalten verhört, die er auf seinen Konten in den Sozialen Medien gepostet hatte. Ihm wird "Verbreitung von Falschnachrichten", die als "Störung der öffentlichen Ordnung, Verbreitung von Angst und Schädigung des öffentlichen Interesses" gelten, vorgeworfen. In den ersten sechs Fällen wurde er gegen eine Kaution von insgesamt 235.000 ägyptischen Pfund (über 4.000 Euro) freigelassen, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind. Dies ist Teil eines größeren Musters einschränkender Maßnahmen durch die ägyptischen Behörden, die ihm seit seiner Freilassung auferlegt wurden. Dazu zählen auch ein willkürliches Reiseverbot und Einschränkungen bei der Einschreibung an einer Universität.

Erst am 18. April 2026 konnte seine Familie ihn zum ersten Mal im Gefängnis in der Stadt Al-Ashir min Ramadān (Rehabilitationseinrichtung 4) besuchen. Am 8. und 15. April 2026 wurde ihnen der Zugang zweimal verweigert. Sie berichteten, dass sie etwa sechs Stunden vor dem Gefängnis warten mussten, bevor sie Zugang erhielten. Sie berichteten auch, dass sein Gesundheitszustand stabil sei und dass er Zugang zu Nahrung, Medikamenten und täglicher Bewegung habe. Er ist jedoch in einer Abteilung mit nur zwei weiteren Gefangenen untergebracht und darf keinen Kontakt zu anderen Gefangenen haben, und die Bewegung außerhalb seiner Zelle unterliegt strengen Beschränkungen, um den Kontakt mit anderen Gefangenen zu verhindern. Seinen Anwält*innen zufolge wurde während einer Online-Anhörung zur Verlängerung seiner Haft durch das El-Shorouk-Gericht am 21. April 2026 sein Online-Zugang abgeschaltet, nachdem er darauf hingewiesen hatte, dass er in seiner Zelle ständig intensivem Licht ausgesetzt ist. Seine Familie berichtete auch, dass Briefe, die er an sie geschrieben hatte, nicht ausgehändigt wurden. Ihm ist nur ein Besuch pro Monat gestattet – eine Ausnahmeregelung, die während der Coronapandemie eingeführt wurde und nach wie vor in Kraft ist.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Ahmed Douma ist ein ägyptischer Dichter, Autor und Aktivist, der wegen seines politischen Engagements und seiner führenden Rolle bei der Revolution vom 25. Januar 2011 sowie wegen seiner lautstarken Kritik an den aufeinanderfolgenden ägyptischen Regierungen zur Zielscheibe wurde. Die Sicherheitskräfte nahmen den damals 25 Jahre alten Ahmed Douma am 12. Januar 2012 im Zusammenhang mit seiner Teilnahme an der Sitzblockade in den "Kabinettsbüros" fest. Er wurde nach drei Monaten freigelassen, aber am 3. Dezember 2013 inmitten einer Festnahmewelle nach der Verabschiedung eines drakonischen Protestgesetzes (Gesetz Nr. 107/2013) wieder in Haft genommen. Dieses Gesetz schränkt das Recht auf friedliche Versammlung ein. Während seiner gesamten Inhaftierung wurde er gefoltert und anderen Misshandlungen ausgesetzt, darunter die Verweigerung des Zugangs zu medizinischer Versorgung. Und er wurde zwischen Dezember 2013 und Januar 2020 insgesamt vier Jahre und acht Monate lang über längere Zeiträume in Einzelhaft gehalten. Ahmed Douma litt unter starken Schmerzen an verschiedenen Körperteilen, da er unter schlechten Haftbedingungen mehr als 22 Stunden am Tag in seiner Zelle eingesperrt war. Er hatte Knie- und Rückenschmerzen, die auf den Bewegungsmangel und die Tatsache zurückzuführen sind, dass ihm in seiner Einzelhaft kein Bett und manchmal nicht einmal eine Matratze zur Verfügung gestellt wurde. Außerdem litt er unter Bluthochdruck, Schlaflosigkeit, ständigen Kopfschmerzen, schweren Depressionen und Panikattacken. 

Im Februar 2015 wurde er im Zusammenhang mit seiner Teilnahme an Demonstrationen gegen die Regierung nach einem grob unfairen und politisch motivierten Prozess verurteilt, um ihn für seinen Aktivismus zu bestrafen. Im Juli 2020 bestätigte das Kassationsgericht, das höchste Gericht Ägyptens, seinen Schuldspruch und das Strafmaß. Am 19. August 2023 wurde Ahmed Douma nach einer Begnadigung durch den Präsidenten endlich freigelassen, nachdem er rund 10 Jahre im Gefängnis verbracht hatte.

Seit seiner Freilassung im Jahr 2023 wurde Ahmed Douma in sieben verschiedenen Fällen von der SSSP verhört und musste eine Reihe restriktiver Maßnahmen erdulden, darunter ein willkürliches Reiseverbot und Beschränkungen bei der Immatrikulation in Postgraduiertenstudiengängen. Die Behörden nehmen ihn ausschließlich wegen seiner Online-Inhalte ins Visier, die sich unter anderem kritisch mit den Haftbedingungen in ägyptischen Gefängnissen und den Einschränkungen für ehemalige politische Gefangene auseinandersetzen.

Am 9. April 2026 ordnete eine beratende Kammer die Verlängerung seiner Untersuchungshaft um 15 Tage an, nachdem die Staatsanwaltschaft geltend gemacht hatte, dass bei ihm die Gefahr der Flucht, der Manipulation von Beweismitteln oder der Störung der öffentlichen Ordnung bestehe. Seine Anwält*innen argumentierten, dass Ahmed Douma über bekannte Aufenthaltsorte verfügt und in der Vergangenheit bei Vorladungen freiwillig erschienen ist. Sie argumentierten auch, dass die ägyptische Verfassung die Inhaftierung in Fällen, die mit Veröffentlichungen zusammenhängen, einschränkt. Ägypten ist Vertragsstaat des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte, der das Recht auf freie Meinungsäußerung garantiert.

Die ägyptischen Behörden haben immer wieder gezeigt, dass sie tatsächliche oder vermeintliche andere Meinungen nicht tolerieren und Journalist*innen, Aktivist*innen, Rechtsanwält*innen, Oppositionspolitiker*innen und andere Personen, die die Regierungspolitik kritisieren oder die weit verbreiteten Menschenrechtsverletzungen der Behörden anprangern, ins Visier nehmen. Amnesty International hat wiederholt Wellen von Festnahmen und strafrechtlichen Verfolgungen von Menschen dokumentiert, die lediglich ihre Rechte auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungsfreiheit und friedliche Versammlung wahrgenommen haben. Personen, die in politisch motivierten Fällen inhaftiert sind, werden häufig willkürlich über einen längeren Zeitraum inhaftiert, einschließlich einer verlängerten Untersuchungshaft, die von Staatsanwält*innen und Richter*innen automatisch ohne sinnvolle gerichtliche Überprüfung verlängert wird. Amnesty International hat auch wiederholt Kritik an systematischen Verletzungen des Rechts auf ein faires Verfahren in Ägypten geäußert, insbesondere in Fällen politischer Natur, einschließlich des Rechts auf einen Rechtsbeistand eigener Wahl, vor allem während der ersten Befragung durch die Polizei, des Rechts auf eine angemessene Verteidigung, des Rechts, sich nicht selbst zu belasten und der Unschuldsvermutung, des Rechts auf eine faire und öffentliche Anhörung vor einem zuständigen, unparteiischen und unabhängigen Gericht und des Rechts auf Schutz vor Folter und anderen Misshandlungen.