El Salvador: Ruth López bedingungslos freilassen!
Menschenrechtsverteidigerin Ruth López aus El Salvador (undatiertes Foto)
© CRISTOSAL
Die international bekannte Anwältin Ruth López ist seit dem 18. Mai 2025 ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft. Amnesty International hat sie als gewaltlose politische Gefangene anerkannt. Ihr Fall ist das bekannteste Beispiel für die massive Verfolgung von Menschenrechtsverteidiger*innen und Regierungskritiker*innen in El Salvador.
Nun wurde bekannt, dass sie schwer erkrankt ist und erhebliche Risiken für ihre Gesundheit bestehen. Amnesty fordert ihre sofortige und bedingungslose Freilassung.
Setz dich jetzt für Ruth López und sende eine E-Mail an den Generalstaatsanwalt von El Salvador.
Fordere die Freilassung von Ruth López!
Hintergrundinformation
Die salvadorianische Anwältin und Menschenrechtsverteidigerin Ruth Eleonora López Alfaro gilt als eine der profiliertesten Kritikerinnen der Regierung von Präsident Nayib Bukele. Seit 2021 leitete sie bei der Menschenrechtsorganisation Cristosal die Abteilung für Korruptionsbekämpfung und Justiz. Dort koordinierte sie Untersuchungen zu mutmaßlicher Korruption, Machtmissbrauch und Menschenrechtsverletzungen staatlicher Stellen. Internationale Aufmerksamkeit erhielt sie unter anderem durch ihre Aufnahme in die Liste der 100 einflussreichsten Frauen der Welt der BBC im Jahr 2024.
Im Mittelpunkt ihrer Arbeit standen Korruptionsvorwürfe gegen die salvadorianische Regierung, darunter der mutmaßliche Missbrauch öffentlicher Gelder, rechtswidrige Überwachung von Journalist*innen und problematische Vergaben öffentlicher Aufträge während der Covid-19-Pandemie. Unter ihrer Leitung brachte Cristosal zahlreiche formelle Anzeigen gegen Regierungsvertreter ein.
Am 18. Mai 2025 wurde Ruth López in San Salvador festgenommen. Nach ihrer Festnahme blieb Ruth López mehr als 40 Stunden ohne Kontakt zur Außenwelt; Familie und Anwälte wussten zeitweise nicht, wo sie festgehalten wurde. Kritiker*innen werten dies als Verletzung rechtsstaatlicher Garantien.
Die Staatsanwaltschaft erhob zunächst Vorwürfe der Geldwäsche, später der unrechtmäßigen Bereicherung und Veruntreuung im Zusammenhang mit einer Tätigkeit beim Obersten Wahlgericht im Jahr 2016. Nach bisher bekannten Informationen ist dieser Vorwurf haltlos, weil sie im Rahmen dieser Tätigkeiten keinerlei Befugnisse zur Verwaltung oder Vergabe von Geldern hatte. Menschenrechtsorganisationen kritisieren, dass bislang keine überzeugenden Beweise öffentlich vorgelegt wurden.
Am 5. Juni 2025 ordnete ein Gericht sechs Monate Untersuchungshaft an, die im Dezember 2025 um weitere sechs Monate verlängert wurden. Seitdem ist ihr Zugang zu ihrer Familie und Verteidigung stark eingeschränkt. Gleichzeitig erhielt Ruth López international zahlreiche Auszeichnungen für ihr Engagement im Kampf gegen Korruption und für die Verteidigung der Menschenrechte.
Internationale Organisationen wie Amnesty International, die Interamerikanische Menschenrechtskommission und mehrere UN-Sonderberichterstatter*innen sehen in diesem Fall ein Zeichen wachsender Repression gegen Regierungskritiker*innen in El Salvador. Das Gerichtsverfahren steht unter Geheimhaltung, so dass nichts über den Stand der Ermittlungen öffentlich bekannt ist. Angesichts der bisher vorgebrachten, aber nicht bewiesenen Vorwürfe hält Amnesty International die anhaltende Inhaftierung für unverhältnismäßig. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission ordnete im September 2025 umfangreiche Schutzmaßnahmen für sie an. Es ist nicht bekannt, ob und in welcher Form die Regierung El Salvadors diese umgesetzt hat.
Im Mai 2026 berichteten Cristosal und Angehörige, dass Ruth López ohne Wissen der Familie und Rechtsanwälte zu einer Operation ins Krankenhaus gebracht und einen Tag später wieder ins Gefängnis zurückverlegt wurde. In Anbetracht der bekannt unangemessenen Zustände in salvadorianischen Gefängnissen und der unzureichenden medizinischen Versorgung von Gefangenen besteht große Gefahr für ihre Gesundheit durch mangelnde Versorgung und durch das Infektionsrisiko.
Amnesty International fordert:
- die sofortige und bedingungslose Freilassung von Ruth López
- der Verpflichtung zum Schutz der Gesundheit von Gefangenen (Nelson-Mandela-Regeln) vollständig nachzukommen
- ein faires und angemessenes öffentliches Gerichtsverfahren gemäß internationaler Rechtsprinzipien
- die Beendigung von repressiven Maßnahmen gegenüber Regierungskritiker*innen und Menschenrechtsverteidiger*innen
Weitere Informationen gibt es auf https://www.ai-el-salvador.de/politische-gefangene.html