Pressemitteilung 22. November 2018

Briefmarathon 2018: Start der weltweiten Aktion für Menschenrechtsverteidigerinnen

Am weltweiten Amnesty-Briefmarathon vom 29.11. - 23.12.2018 nehmen rund 180 Länder teil. Im Mittelpunkt stehen dieses Jahr acht Menschenrechtsverteidigerinnen und eine Vertreterin einer indigenen Gruppe aus neun Ländern. Auch in Deutschland ruft Amnesty auf, sich an der Solidaritätsaktion zu beteiligen. 2017 wurden allein in Deutschland 250.000 Briefe geschrieben. Auch Schulen sind wieder zur Teilnahme aufgerufen.

BERLIN, 22.11.2018 – Mit dem Briefmarathon ruft Amnesty International Menschen jedes Jahr weltweit dazu auf, sich für Menschen einzusetzen, die willkürlicher staatlicher Gewalt ausgesetzt sind, weil sie ihre Stimme gegen Menschenrechtsverletzungen erhoben haben. Dieses Jahr gilt die Solidaritätsaktion neun Menschenrechtsverteidigerinnen: Pavitri Manjhi (Indien), Atena Daemi (Iran), Gulzar Duishenova (Kirgisistan), Nawal Benaissa (Marokko), Nonhle Mbuthuma (Südafrika), Vitalina Koval (Ukraine), Geraldine Chacón (Venezuela) sowie einer Vertreterin der Sengwer, einer indigenen Volksgruppe in Kenia. Auch nach Brasilien werden Briefe geschickt. Der Briefmarathon hat hier das Ziel, die Täter der ermordeten Stadträtin Marielle Franco aus Rio de Janeiro zur Rechenschaft zu ziehen. Sie musste für ihren unermüdlichen Einsatz für die Menschenrechte in diesem Jahr mit dem Leben bezahlen. Noch immer sind die Täter nicht gefasst.

„Nichts ist wirksamer als internationale Aufmerksamkeit. Je mehr Menschen beim Briefmarathon mitmachen, desto größer ist der Druck auf die für Menschenrechts-verletzungen verantwortlichen Regierungen. Ein einzelner Brief kann vielleicht ignoriert werden, aber nicht Tausende“, sagt der Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland, Markus N. Beeko. „Der Briefmarathon ist eine einfache Möglichkeit für jeden Menschen in Deutschland, sich für bedrohte Menschen und die Menschenrechte einzusetzen.“

Im vergangenen Jahr wurden allein in Deutschland 250.000 Briefe verschickt. Sie richten sich an die jeweils Verantwortlichen. Die Aktionsseite www.briefmarathon.de enthält Informationen zu allen Menschenrechtsaktivistinnen. Über die Online-Seite ist es auch möglich, Appellbriefe zu verschicken. Gewünscht sind auch Solidaritätsbekundungen via Social Media.

 

Briefmarathon an Schulen

Auch dieses Jahr werden wieder bundesweit Schulen am Briefmarathon teilnehmen. Schülerinnen und Schüler können sich über den Briefmarathon im Unterricht mit dem Thema „Menschenrechte“ nicht nur theoretisch und historisch auseinandersetzen, sondern auch konkret für einzelne Menschen in Not aktiv werden. 450 Schulen beteiligten sich im vergangenen Jahr. Schulen, die mitmachen möchten, können sich anmelden unter www.amnesty.de/briefmarathon-schule.

Briefe schreiben hilft: Erfolgsbeispiele

Auch im Zeitalter der sozialen Medien bleibt Briefeschreiben wirkungsvoll. Jedes Jahr führt die weltweite Schreibaktion zu verbesserten Haftbedingungen, Entlassungen aus dem Gefängnis und dem Einstellen von Gerichtsverfahren. Zwei Beispiele dafür unter vielen: Der Blogger Mahadine war im Tschad mehr als 18 Monate in Haft, ihm drohte sogar eine lebenslängliche Inhaftierung, weil er die Regierung seines Landes kritisiert hatte. Mehr als 69.000 Appelle wurden beim Briefmarathon 2017 verschickt – mit Erfolg. Im April 2018 durfte er das Gefängnis verlassen. Der chinesischen Rechtsanwältin Ni Yulan konnte ebenfalls geholfen werden. Sie kam ins Visier der Behörden, weil sie sich gegen rechtswidrige Zwangsräumungen engagierte. Die Solidaritätsbriefe haben ihre Situation verbessert. Beleidigungen, Übergriffe und Verletzungen durch die Polizei haben durch die internationale Aufmerksamkeit abgenommen.

 

Veranstaltungen im Dezember in Berlin im Kontext des Schreibmarathons

4. Dezember 2018, 10 – 13 Uhr: „Das Mädchen Hirut“ - Filmvorführung für 450 Schüler aus 15 Schulklassen in der Kulturbrauerei. Begrüßung durch den Generalsekretär Markus N. Beeko und die ehrenamtliche Jugendvertreterin Lea Josepha Fried. Nach der Filmvorführung werden Briefe geschrieben, außerdem ist Katja Müller-Fahlbusch, Äthiopien-Expertin bei Amnesty International in Deutschland, vor Ort.

7./8. Dezember: Veranstaltung vom Amnesty Bezirk Berlin-Brandenburg im aquarium (Südblock): Zum Auftakt gibt es ein Videogespräch mit Vitalina Koval, der Menschenrechtsverteidigerin aus der Ukraine, außerdem Filmvorführungen, Konzerte und natürlich den Schreibmarathon. Detaillierte Informationen zum Programm: http://www.amnesty-bb.de/joomla/index.php/engagement/gruppen.

 

 

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