Aktuell Sudan 09. Januar 2012

Konflikte zwischen Sudan und Südsudan eskalieren

Seit Jahren gibt es gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen den in Abyei siedelnden Dinka Ngok und den Misserya

Seit Jahren gibt es gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen den in Abyei siedelnden Dinka Ngok und den Misserya

6. Januar 2012 - Über 100.000 Menschen wurden seit Beginn der gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern Sudans und Südsudans aus der Region Abyei vertrieben. Ihre Häuser und Besitztümer wurden zerstört und niedergebrannt. Sie leben unter widrigsten Bedingungen in notdürftig aufgebauten Flüchtlingslagern im Südsudan. Es mangelt an Wasser, Nahrung, Sanitäreinrichtungen und medizinischer Versorgung.

Die Angst vor neuen Übergriffen durch die sudanesische Armee, die sich noch immer in Abyei aufhält, hält sie von einer Rückkehr in ihre Dörfer ab. Zudem haben alle humanitären Organisationen Abyei verlassen. Aufgrund von Sicherheitsbedenken bleiben auch sie außerhalb der Region. Die vertriebenen Menschen sind jedoch bei einer Rückkehr auf externe Hilfe angewiesen.

Seit Jahren Spannungen und gewaltsame Auseinandersetzungen

Die Gewalt zwischen den bewaffneten Kräften Sudans und Südsudans brach am 20. Mai aus, nachdem ein UNMIS (United Nations Mission in Sudan) Konvoi angegriffen wurde, der Angehörige der sudanesischen Armee transportierte. Die sudanesische Armee bombardierte daraufhin mehrere Stellen, an denen SPLA (Sudan’s People Liberation Army) Kämpfer vermutet wurden und übernahm die Kontrolle über die Region. Die sudanesische Regierung entließ die Verwaltung Abyeis eigenmächtig.

Seit Jahren gibt es Spannungen und gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen den in Abyei siedelnden Dinka Ngok und den nomadisch lebenden Misserya, die sich während der Trockenzeit in der Region aufhalten. Während Erstere vom Südsudan unterstützt werden, finden Letztere bei der sudanesischen Regierung Rückhalt.

Geschehnisse in Abyei wurden bislang nicht untersucht

Im Januar 2011 hätte ein Referendum über die Zugehörigkeit Abyeis zum Sudan oder Südsudan abgehalten werden sollen. Dies wurde aufgrund von Unstimmigkeiten darüber, wer wahlberechtigt ist, für unbestimmte Zeit verschoben. Im Verlauf des Jahres wurden mehrere Abkommen vereinbart, wonach Sudan und Südsudan sich verpflichteten, ihre bewaffneten Kräfte aus der Region zurückzuziehen. Bislang ist dies nicht geschehen.

Die Geschehnisse in Abyei wurden bislang nicht untersucht. Somit ist auch unklar, wie viele Tote, Verletzte und Verschwundene der Konflikt bislang nach sich zog. Während des Ausbruchs der Gewalt war die UNMIS in Abyei stationiert. Sie griff jedoch nicht ein, um die Zivilbevölkerung vor Gewalt zu schützen. Im Juli wurde sie von der UNISFA (United Nations Interim Security Force for Abyei) abgelöst.

Einhaltung von Menschenrechten muss sichergestellt werden

Die Vereinten Nationen müssen nun alles unternehmen, den Vertriebenen Sicherheit zu garantieren, um ihnen eine Rückkehr zu ermöglichen. Zudem muss sichergestellt werden, dass das Mandat zur Kontrolle der Einhaltung von Menschenrechten von UNISFA umgesetzt werden kann.

Parallel dazu dauern auch die Spannungen in den anderen beiden Grenzregionen, Blue Nile und Südkordofan, an, die im vergangenen Jahr ausbrachen. Über 120.000 Menschen sind auch aus diesen Regionen über die Grenze nach Südsudan und Äthiopien geflohen.

Lesen Sie hier den Bericht "Sudan-South Sudan: Destruction and desolation in Abyei" auf Englisch

Weitere Informationen zum Thema im Livewire-Blog auf www.amnesty.org (Englisch):

Refugees tell of bombing in Sudan’s Blue Nile State: Part 1

Refugees tell of bombing in Sudan’s Blue Nile State: Part 2

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