Aktuell Vereinigte Staaten von Amerika 07. Oktober 2010

Gegen den weltweiten Trend: USA halten an Todesstrafe fest

8. Oktober 2010 - Troy Anthony Davis aus dem US-Bundesstaat Georgia wurde 1991 zum Tode verurteilt. Das Gericht befand ihn schuldig, am 19. August 1989 einen Polizisten erschossen zu haben. Bis heute konnten die Behörden keine Beweise dafür vorlegen, dass Davis den Mord begangen hat. Sieben der neun Hauptzeugen haben ihre belastenden Aussagen inzwischen widerrufen. Troy Davis droht jedoch noch immer die Hinrichtung.

Die USA sind eine der wenigen Industrienationen, die weiterhin an der Todesstrafe festhalten. Mehr als 1.200 Menschen wurden von 1977 bis heute dort hingerichtet. In diesem Jahr wurden bereits mehr als 40 Todesurteile vollstreckt, zumeist durch die Giftspritze. "In den USA entscheiden viele Faktoren, die oft nichts mit dem Verbrechen zu tun haben, ob ein Angeklagter zum Tode verurteilt wird oder eine andere Strafe bekommt", sagt Sumit Bhattacharyya, USA-Experte von Amnesty International in Deutschland, anlässlich des Internationalen Tages gegen die Todesstrafe am 10. Oktober. "Viel hängt von der Verteidigung ab. Oftmals sind die Pflichtverteidiger schlicht überfordert."

Die Todesstrafe in den USA wird weiterhin rassistisch und diskriminierend angewendet. "Das zeigt sich besonders, wenn Weiße Opfer von Verbrechen sind. In diesen Fällen wird der Angeklagte deutlich häufiger – und zwar drei Mal so oft – zum Tode verurteilt, als in Fällen, in denen ein Afroamerikaner ermordet wird", sagt Sumit Bhattacharyya.

Seit der Wiederzulassung der Todesstrafe in den USA im Jahr 1977 mussten 138 zum Tode verurteilte Menschen wegen erwiesener Unschuld oder erheblicher Zweifel an ihrer Schuld freigelassen werden. Die USA richten mit China, Iran, Irak und Saudi-Arabien die meisten Menschen hin. Dabei hat sich das "Nein" zur Todesstrafe längst zu einem weltweiten Trend entwickelt: Eine Mehrheit von 139 Staaten wendet diese Strafe nicht mehr an. 58 Staaten halten weiter an der Todesstrafe fest. 2009 wurde lediglich in 18 dieser Staaten hingerichtet.

"Immer mehr Staaten erkennen, dass die Todesstrafe eine zutiefst ungerechte Strafe ist, die die Menschenrechte auf brutale Weise missachtet. Sie ist überdies ein ungeeignetes Mittel zur Verbrechensbekämpfung", sagt Sumit Bhattacharyya. "Es ist höchste Zeit, dass auch die USA staatliches Töten ächten."

Weitere Artikel