Sri Lanka: Öffnen Sie die Flüchtlingslager!
Kinder in der mit Stacheldraht umzäunten Menik-Farm
© Amnesty International
17. November 2009 - Auch sechs Monate nach dem Bürgerkrieg im Nordosten Sri Lankas werden noch immer etwa 150.000 Binnenflüchtlinge von der Regierung in Lagern, wie der Manik-Farm, festgehalten.
Verschlechterung der Situation in den Lagern
Überschwemmung im Lager Menik Farm, August 2009.
© Privat
In den vergangenen Wochen sind viele Gefangene freigelassen worden. Gleichzeitig hat sich die Situation in den Lagern aber dramatisch verschlechtert. Die Regenzeit überflutet die Zelte und macht eine Versorgung des Lagers mit Medizin, Nahrung und Wasser noch schwieriger. "Die Menschen stehen stundenlang für eine ärztliche Behandlung an, auch schwangere Frauen", berichtet ein Geflohener gegenüber Amnesty International.
Amnesty fordert: Rechte der Flüchtlinge respektieren!
Viele Menschen wurden ohne Ankündigung und Vorwarnung aus den Lagern entlassen. Sie wurden weder über ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt, noch über die Situation in ihren Heimatstädten informiert oder bei der Suche nach Angehörigen unterstützt. Amnesty International fordert, dass die Regierung Sri Lankas die Rechte aller Vertriebenen respektiert und sie nicht länger am Verlassen der Lager hindert. Die Flüchtlinge sollen zudem in die Pläne zur Schließung der Lager einbezogen werden. "Diese Menschen wollen die Flüchtlingslager verlassen. Die Regierung von Sri Lanka muss ihnen die Möglichkeit geben, nach Hause zurückzukehren oder sich neu niederzulassen", sagt Yolanda Foster, Expertin für Sri Lanka von Amnesty International. Außerdem müssen unabhängige BeobachterInnen und Hilfsorganisationen ungeschränkten Zugang zu den Lagern erhalten.
Hintergrund
In den Flüchtlingslagern in Sri Lanka halten sich jene Menschen auf, die zuvor in Gebieten lebten, die von der Befreiungsbewegung Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) kontrolliert wurden. Sie flüchteten während des Konflikts aus der umkämpften Vanni-Region, wo sich beide Konfliktparteien Menschenrechtsverletzungen zu Schulden kommen ließen. Nun sitzen die Flüchtlinge in insgesamt 41 Lagern fest. Sie müssen Überprüfungen durch die Sicherheitskräfte über sich ergehen lassen, weil die Regierung Sri Lankas sie den unter Generalverdacht stellt, mit den Tamil Tigers zusammengearbeitet zu haben.
Die Flüchtlinge werden daran gehindert, mit Hilfsorganisationen zu sprechen. NGOs und Uno-Hilfswerke haben nur einen sehr beschränkten Zugang. Ausländische Medienschaffende sind schon gar nicht erwünscht; die wenigen JournalistInnen können die Lager nur unter strenger militärischer Überwachung besuchen. Den inländischen Medien wurden Maulkörbe verpasst. Mit dieser Informationssperre steigt das Risiko, dass die Menschen Opfer von Entführungen, willkürlicher Haft oder sexueller Gewalt werden.
Für die unschuldigen Zivilpersonen setzt sich damit ein jahrzehntelanger Alptraum der Gewalt fort: Während der langen, blutigen Konflikte zwischen der Regierung und den Tamil Tigers mussten viele von ihnen mehrmals fliehen, verloren Familienmitglieder und Freunde.
Vielen Dank allen Teilnehmern der Online-Aktion!
Die Online-Aktion "Öffnen Sie die Flüchtlingslager in Sri Lanka" wurde beendet.
Die Regierung von Sri Lanka hat die Zehntausenden Stimmen von Menschen aus aller Welt erhört und reagiert jetzt auf die Krise.
Am 1. Dezember 2009 hat die Regierung verkündet, dass die Beschränkungen für die Flüchtlinge in den Lagern aufgehoben werden.
Amnesty International begrüßt diesen Schritt, wird aber die Entwicklungen weiter begleiten um sicherzustellen, dass die Vertriebenen vollständige Bewegungsfreiheit genießen.
Vielen Dank allen Teilnehmern für die Unterstützung!