Drohende Hinrichtung am 15. November

Am 15. November soll im US-Bundesstaat Ohio der psychisch kranke Reginald Brooks durch die Giftspritze hingerichtet werden. Reginald Brooks ist der Ermordung seiner drei Söhne im Jahr 1982 schuldig befunden worden. Er sitzt seit fast 30 Jahren in der Todeszelle und leidet an paranoider Schizophrenie.

Appell an

GOUVERNEUR VON OHIO
Governor John Kasich, Riffe Center, 30th Floor, 77 South High Street, Columbus, OH 43215-6117, USA
Fax: (001) 614 466 9354
E-Mail über Webseite: http://governor.ohio.gov/Contact/ContacttheGovernor.aspx

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S.E. Herrn Philip Dunton Murphy
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle sofort, so dass sie noch vor dem 15. November 2011 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE LUFTPOSTBRIEFE, FAXE ODER E-MAILS MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Mir ist die Schwere des Reginald Brooks zur Last gelegten Verbrechens und das dadurch ausgelöste Leid durchaus bewusst.

  • Es liegen Beweise vor, die belegen, dass Reginald Brooks seit langem an einer schweren psychischen Krankheit leidet.

  • Diese Beweise lagen im Gerichtsverfahren jedoch weder den VerteidigerInnen noch den RichterInnen vor, so dass diese keine Informationen über die sich verschlechternde psychische Verfassung des Angeklagten im Vorfeld der Tat hatten.

  • Ich bitte Sie dringend, die Hinrichtung von Reginald Brooks zu stoppen und das Todesurteil umzuwandeln.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Acknowledge the seriousness of the crime and the suffering caused;

  • Note the evidence that Reginald Brooks has long suffered from serious mental illness;

  • Express concern that the defence lawyers and judges at the trial were unaware of evidence in the possession of the state of the defendant’s deteriorating mental health in the period leading up to the shooting

  • Call on the governor to stop the execution of Reginald Brooks and to commute his death sentence.

Sachlage

Der damals 37-jährige Reginald Brooks wurde in Utah festgenommen, nachdem zwei Tage zuvor seine drei Söhne, Reginald Jr. (17), Vaughn (15) und Niarchos (11) getötet worden waren. Die Jungen waren am 6. März 1982 im Haus der Familie in East Cleveland, Ohio, erschossen worden. Reginald Brooks wurde für prozessfähig erklärt. Er verzichtete auf sein Recht auf ein Verfahren mit Geschworenen, so dass er sich vor einem dreiköpfigen Richtergremium verantworten musste. Die Richter befanden ihn des Mordes an seinen drei Söhnen für schuldig; am 30. November 1983 erging das Todesurteil gegen Reginald Brooks.

Im Oktober 2011 führte ein Richter Anhörungen durch, um festzustellen, ob die psychische Verfassung des Angeklagten seine Hinrichtung zuließe, d.h. ob er geistig fähig ist, die Strafe zu begreifen. Der Richter kam zu dem Schluss, dass Reginald Brooks nach wie vor psychisch krank sei, ebenso wie zu dem Zeitpunkt, als er die Tat beging. Reginald Brooks leide an einer paranoiden Schizophrenie und er "leide gegenwärtig an Verfolgungswahn und glaube, dass man ihm fälschlicherweise ein Verbrechen zur Last legt, das begangen wurde, als er selbst gerade auf dem Weg aus der Stadt war". Der Richter entschied dennoch, dass Reginald Brooks hingerichtet werden könne. Gegen diese Entscheidung sind Rechtsmittel eingelegt worden.

Im Laufe des Berufungsverfahrens erhielten die RechtsanwältInnen von Reginald Brooks Kenntnis über Dokumente, die offenbar aus den Akten der Anklagebehörde stammten und darauf hindeuten, dass Reginald Brooks im Vorfeld der Tötungen seltsames, widersinniges und paranoides Verhalten an den Tag gelegt hatte, was auf eine Verschlechterung seiner psychischen Erkrankung hindeutete. Der Verteidiger, der Reginald Brooks im ursprünglichen Gerichtsverfahren vertreten hatte, erklärte, dass der Verteidigung keines dieser Dokumente vorgelegen hätte. Dadurch, dass ihm diese Zeugenaussagen vorenthalten wurden, sei er daran gehindert worden, seinen Mandanten angemessen und kompetent zu vertreten. Die gegenwärtigen AnwältInnen von Reginald Brooks wollen einen Hinrichtungsstopp erwirken und machen geltend, dass die Informationen der Verteidigung rechtswidrig vorenthalten wurden und dass sie relevant gewesen wären, sowohl bei der Plädierung auf nicht schuldig aufgrund von Unzurechnungsfähigkeit als auch als strafmildernde Umstände bei der Festsetzung des Strafmaßes und damit gegen die Todesstrafe.

Am 21. Oktober 2011 fand eine Anhörung des Gnadengesuchs vor dem Begnadigungsausschuss von Ohio statt. Unter den ZeugInnnen war einer der Richter des Verfahrens von 1983. Richter Harry Hanna erklärte, er habe nicht für die Todesstrafe gestimmt, wenn er die Informationen über das Verhalten von Reginald Brooks im Vorfeld der Tötungen gehabt hätte. In einer eidesstattlichen Erklärung sagt der Richter: "Die neuen Informationen aus den Akten der Staatsanwaltschaft zeichnen ein ganz anderes Bild als das, was mir und den anderen beiden Richtern vorgelegt wurde. Meine Überprüfung der Polizeiberichte und der Aussagen zeigt überzeugend, dass Reginald Brooks an einer paranoiden Schizophrenie litt, die in unmittelbarem Bezug zur Ermordung seiner drei Kinder steht". Der Begnadigungsausschuss räumte zwar ein, dass Reginald Brooks an einer psychischen Krankheit leidet, empfahl Gouverneur John Kasich jedoch, die Begnadigung von Reginald Brooks abzulehnen. Der Gouverneur muss sich an diese Empfehlung jedoch nicht halten.

[EMPFOHLENE AKTIONEN]

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  • Mir ist die Schwere des Reginald Brooks zur Last gelegten Verbrechens und das dadurch ausgelöste Leid durchaus bewusst.

  • Es liegen Beweise vor, die belegen, dass Reginald Brooks seit langem an einer schweren psychischen Krankheit leidet.

  • Diese Beweise lagen im Gerichtsverfahren jedoch weder den VerteidigerInnen noch den RichterInnen vor, so dass diese keine Informationen über die sich verschlechternde psychische Verfassung des Angeklagten im Vorfeld der Tat hatten.

  • Ich bitte Sie dringend, die Hinrichtung von Reginald Brooks zu stoppen und das Todesurteil umzuwandeln.

[APPELLE AN]

GOUVERNEUR VON OHIO
Governor John Kasich, Riffe Center, 30th Floor, 77 South High Street, Columbus, OH 43215-6117, USA
Fax: (001) 614 466 9354
E-Mail über Webseite: http://governor.ohio.gov/Contact/ContacttheGovernor.aspx

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BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S.E. Herrn Philip Dunton Murphy
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle sofort, so dass sie noch vor dem 15. November 2011 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen in den USA im Jahr 1977 sind dort zahlreiche Menschen mit psychischen Erkrankungen hingerichtet worden (s. USA: Execution of mentally ill offenders, http://www.amnesty.org/en/library/info/AMR51/003/2006/en).

Bei einer Anhörung vor dem Begnadigungsausschuss im Oktober 2011 erklärte ein Psychiater, er habe bei Reginald Brooks eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert, eine schwere Hirnschädigung, die auf die Fähigkeit der Person einwirke, klar zu denken und zwischen Realität und Fantasie zu unterscheiden, Gefühle zu steuern, Entscheidungen zu treffen und in Beziehung zu anderen Menschen zu treten. In einer schriftlichen Erklärung hielt Dr. Rahn Bailey fest: "Als forensischer Psychiater kann ich mit angemessener psychologischer und psychiatrischer Überzeugung sagen, dass die Beweise aus den Akten der Staatsanwaltschaft die Verteidigung in ihren Argumenten unterstützt hätten, auf nicht schuldig aufgrund von Unzurechnungsfähigkeit zu plädieren. Dies wird durch die Diagnose Schizophrenie, paranoide Ausprägung, unterstützt durch die Beschreibung von Vorfällen zum Zeitpunkt der Tötungen belegt. Diese Beweise belegen, dass Mr. Brooks an einer aktiven Psychose litt, als er seine Kinder tötete".

Neben den Bemühungen, wegen der psychischen Erkrankung von Reginald Brooks sowie der damit verbundenen Frage, ob der Verteidigung im Verfahren Beweismittel vorenthalten worden waren, einen Hinrichtungsstopp zu erwirken, haben die AnwältInnen von Reginald Brooks einen Hinrichtungsaufschub beantragt, solange das Todesstrafensystem im US-Bundesstaat Ohio überprüft wird. Am 8. September 2011 hat die Vorsitzende Richterin des Obersten Gerichts von Ohio die Gründung einer Kommission angekündigt, die die Anwendung der Todesstrafe in Ohio überprüfen soll.

Die Richterin erklärte, damit solle sichergestellt werden, dass die Todesstrafe in Ohio in höchstem Maße fair, effizient und besonnen angewendet wird". Die Kommission solle aus RichterInnen, StaatsanwältInnen, VerteidigerInnen, Abgeordneten und AkademikerInnen bestehen und die Frage beantworten: "Ist das gegenwärtige System das Bestmögliche?". Der Richter im Ruhestand, der den Vorsitz der Kommission inne haben soll, hat erklärt, er stelle sich die Frage, ob die Todesstrafe in diesem Bundesstaat wirklich ordnungsgemäß angewendet werde, und er hoffe, dass die alle drängenden Fragen, die zu stellen seien, auch gestellt würden. Trotz dieser Stellungnahmen hat sich das Oberste Gericht von Ohio dagegen ausgesprochen, im Fall Reginald Brooks eine Aussetzung der Hinrichtung zu verfügen.

In den vergangenen vier Jahren haben mit New Jersey, New Mexico und Illinois drei Bundesstaaten der USA die Todesstrafe abgeschafft. Als die dortigen Gouverneure den entsprechenden Gesetzen mit ihrer Unterschrift Rechtskraft verliehen, hoben sie die Risiken hervor, die der Todesstrafe innewohnen. Sie verwiesen auf die Gefahr nicht wieder gut zu machender Fehlurteile und die Unfairness der Todesstrafe, auf ihre diskriminierende Anwendung und ihre Kosten zu Lasten der Verbrechungsverhütung und der Hilfe für die Opfer von Straftaten. Die Gouverneure betonten, dass eine abschreckende Wirkung der Todesstrafe niemals nachgewiesen werden konnte, dass von ihr vielmehr ein brutalisierender Effekt auf die Gesellschaft ausgeht. Im Januar 2011 hat Paul Pfeifer, ein Richter am Obersten Gericht von Ohio, der in seiner damaligen Funktion als Abgeordneter in Ohio an dem Gesetz über die Anwendung der Todesstrafe in diesem Bundesstaat mitgewirkt hatte, erklärt: "Ich habe am Gesetzentwurf mitgewirkt und damit geholfen, es in Kraft treten zu lassen. Aus meiner besonderen Perspektive bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass uns mit der fortgesetzten Anwendung der Todesstrafe nicht wirklich gedient ist ... Ich stelle deshalb die Frage: Wollen wir, dass die Regierung unseres Bundesstaates – und damit letztendlich wir alle – in diesem Geschäft des Nehmens von Leben, das fast zu einem Lotteriespiel geworden ist, mitmacht?" Ich kann mir nicht vorstellen, dass die meisten von uns sich damit wohlfühlen. Und deshalb glaube ich, dass die Zeit gekommen ist, die Todesstrafe in Ohio abzuschaffen."

Amnesty International wendet sich ungeachtet der Art des Verbrechens, der Person des Täters oder der Hinrichtungsmethode bedingungslos gegen die Todesstrafe. Seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen im Jahr 1977 sind in den USA 1273 Menschen exekutiert worden, 39 von ihnen im laufenden Jahr. Im US-Bundesstaat Ohio sind seit der dortigen Wiederaufnahme von Hinrichtungen im Jahr 1999 insgesamt 45 Personen hingerichtet worden – alle durch die Giftspritze. Ende 2009 wurde die Hinrichtungsmethode der Injektion von drei Substanzen in eine geändert. Ohio wandte damit als erster US-Bundesstaat diese Methode an (s. USA: An embarrassment of hitches, http://www.amnesty.org/en/library/info/AMR51/058/2011/en).