psychisch Kranker hingerichtet
Hinrichtungsraum
© Robert Priseman
Am 15. November wurde Reginald Brooks, der an paranoider Schizophrenie litt, in Ohio hingerichtet, nachdem er fast 30 Jahre in der Todeszelle gesessen hatte. Er war der Ermordung seiner drei Söhne im März 1982 für schuldig befunden und im November 1983 zum Tode verurteilt worden.
Sachlage
John Kasich, der Gouverneur des Bundesstaates Ohio, erklärte am 10. November, dass Reginald Brooks nicht begnadigt wird. Seine Rechtsbeistände bemühten sich aber weiterhin, einen Hinrichtungsaufschub zu erwirken. Am 14. November verkündete das US-Bundesberufungsgericht für den sechsten Gerichtsbezirk, dass es keinen Hinrichtungsaufschub geben werde. Dieser war gefordert worden, um feststellen zu können, ob die psychische Verfassung des Angeklagten seine Hinrichtung zuließe, d.h. ob er geistig fähig sei, die Strafe zu begreifen und um die Vorwürfe bezüglich der Vorenthaltung von Beweismitteln hinsichtlich der psychischen Krankheit des Angeklagten gegenüber der Strafverteidigung zum Zeitpunkt des Verbrechens aufzuklären. Das Bundesgericht entschied, dass die Zurückweisung dieser Vorwürfe durch die bundesstaatlichen Gerichte nicht unbegründet sei.
Das Bundesberufungsgericht nahm außerdem die eidesstattliche Erklärung einer der Richter zur Kenntnis, die Reginald Brooks im Jahre 1983 zum Tode verurteilt hatten. Der Richter gab an, dass er den Angeklagten nicht zum Tode verurteilt hätte, wenn er damals dieselben Informationen über seine psychische Krankheit gehabt hätte, die ihm heute bekannt sind. Das Bundesberufungsgericht äußerte sich über die Aussage des Richters folgendermaßen: "So etwas sieht man nicht alle Tage", aber "es ändert nichts und wenn es das doch täte, wäre dies ein gefährlicher Präzedenzfall."
In einer Stellungnahme vom 14. November erklärte der Staatsanwalt von Cuyahoga County in Cleveland im Bundesstaat Ohio, wo Reginald Brooks angeklagt wurde: "Es ist ein Hohn, dass Reginald Brooks nach der grauenvollen Ermordung seiner drei Söhne so lange Zeit in der Todeszelle weitergelebt hat. Die Gerechtigkeit fordert, dass seine Hinrichtung morgen vollstreckt wird."
Am Morgen des 15. November lehnte der Oberste Gerichtshof der USA (US Supreme Court) es ab, einen Hinrichtungsaufschub zu gewähren. Auf ein weiteres Gesuch der Rechtsbeistände des Angeklagten hin verweigerte auch das Bundesberufungsgericht die Gewährung eines Hinrichtungsaufschubes und der Oberste Gerichtshof weigerte sich daraufhin nochmals, einzugreifen. Die Hinrichtung durch die Giftspritze wurde von 10:00 Uhr auf etwa 13:40 Uhr Ortszeit verschoben, da man auf die letzten Gerichtsbeschlüsse wartete. Reginald Brooks sagte nichts, bevor er hingerichtet wurde. Um 14.04 Uhr Ortszeit wurde er für tot erklärt.
Amnesty International wendet sich ungeachtet der Art des Verbrechens, der Person des Täters oder der Hinrichtungsmethode bedingungslos gegen die Todesstrafe. Seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen im Jahr 1977 sind in den USA 1275 Menschen exekutiert worden, 41 von ihnen im laufenden Jahr. Im US-Bundesstaat Ohio sind seit der dortigen Wiederaufnahme von Hinrichtungen im Jahr 1999 insgesamt 46 Personen hingerichtet worden, fünf davon in diesem Jahr.
Vielen Dank allen, die versucht haben, die Hinrichtung zu verhindern.