Indigene Gemeinschaft in Gefahr
Die indigene Bevölkerung der Gemeinde Yanua kim in der ecuadorianischen Provinz Zamora Chinchipe fürchtet um ihre Sicherheit, nachdem einer ihrer Sprecher getötet und sein Haus von der Polizei durchsucht worden ist.
Appell an
GENERALSTAATSANWALT
Dr. Galo Alfredo Chiriboga Zambrano
Fiscalía General del Estado
Av. Patria y 12 de Octubre
Quito
ECUADOR
(Anrede: Dear Public Prosecutor / Señor Procurador General/ Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)
E-Mail: serranoam@fiscalia.gob.ec
INNENMINISTER
Sr. José Serrano Salgado
Ministro del Interior
Benalcázar N4-24 y Espejo
Quito
ECUADOR
(Anrede: Dear Minister / Estimado Ministro /
Sehr geehrter Herr Minister)
E-Mail: jose.serrano@ministeriodelinterior.gob.ec
Sende eine Kopie an
MENSCHENRECHTSORGANISATION
Fundación Regional de Asesoría en Derechos Humanos (INREDH)
E-Mail: comunicación@inredh.org
BOTSCHAFT DER REPUBLIK ECUADOR
S. E. Herrn Jorge Enrique Jurado Mosquera
Joachimstaler Straße 10-12
10719 Berlin
Fax: 030-800 969 699
E-Mail: info@ecuadorembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 28. Januar 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
E-MAILS UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Leiten Sie bitte in Absprache mit den Betroffenen unverzüglich Schutzmaßnahmen für die Familie von José Isidro Tendetza Antún sowie die Bewohner_innen von Yanua kim und die Sprecher_innen der Gemeinschaft der Shuar ein.
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Sorgen Sie bitte dafür, dass die Umstände, die zum Tod von José Isidro Tendetza Antún geführt haben, unabhängig und sorgfältig untersucht werden, und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
- Bitte leiten Sie unbedingt alle nötigen Schritte ein, um zu gewährleisten, dass Indigenensprecher_innen und sonstige Personen, die sich gegen Bergbauprojekte in Ecuador stellen, nicht umgebracht oder verletzt werden. Stellen Sie sicher, dass entsprechende Drohungen untersucht werden und die Betroffenen auf Wunsch Schutzmaßnahmen erhalten. Gewährleisten Sie darüber hinaus die Rechte indigener Gemeinschaften auf ihr angestammtes Land und auf in Kenntnis der Sachlage gegebene Zustimmung.
Sachlage
Am 2. Dezember wurde die Leiche von José Isidro Tendetza Antún, dem Sprecher der indigenen Gemeinschaft der Shuar, im Fluss Río Zamora im Südosten von Ecuador gefunden. Er war seit dem 28. November nicht mehr gesehen worden. Die Leiche wurde zunächst unidentifiziert begraben, ohne dass die Familie von José Isidro Tendetza Antún benachrichtigt wurde. Nach Beschwerden seiner Familie und anderer Bewohner_innen von Yanua kim wurde die Leiche exhumiert und eine zweite Autopsie vorgenommen. Die offiziellen Ergebnisse der Autopsie stehen noch aus, allerdings geht man davon aus, dass José Isidro Tendetza Antún erstickt wurde. Die örtliche Staatsanwaltschaft und ein Ausschuss des Innenministeriums untersuchen derzeit den Todesfall.
Der Indigenensprecher José Isidro Tendetza Antún war bekannt für seinen Einsatz gegen Bergbauprojekte in der Gegend. Er war auf dem Weg zur Konferenz der Vereinten Nationen über Klimaänderungen in der Hauptstadt Lima, um seine Vorbehalte gegen das Mirador-Minenprojekt vorzubringen, welches in der Nähe von Yanua kim geplant ist. Der ecuadorianischen Menschenrechtsorganisation INREDH (Fundación Regional de Asesoría en Derechos Humanos) zufolge war José Isidro Tendetza Antún deshalb seit 2009 regelmäßig schikaniert und eingeschüchtert worden. Im Jahr 2012 sollen sein Haus und seine Feldfrüchte in Brand gesteckt und zerstört worden sein. All dies wurde auf der örtlichen Polizeistation von Pangui in der Provinz Zamora Chinchipe angezeigt, es wurde jedoch niemand zur Rechenschaft gezogen.
Am 10. Dezember führte die Polizei eine Razzia im Haus von José Isidro Tendetza Antún in Yanua kim durch. Dies stand mit den Ermittlungen zu seiner Ermordung in Zusammenhang. Die Bewohner_innen von Yanua kim fühlten sich eigenen Angaben zufolge durch das Verhalten der Sicherheitskräfte bedroht. Sie und auch andere Indigenensprecher_innen, die gegen Bergbauprojekte auf ihrem Land kämpfen, fürchten um ihre Sicherheit.
Hintergrundinformation
José Isidro Tendetza Antún war Sprecher der indigenen Gemeinschaft der Shuar, der zweitgrößten indigenen Gemeinschaft in Ecuador. Er war zudem stellvertretender Präsident des Indigenenverbands Federación Shuar de Zamora Chinchipe und kämpfte gegen das Mirador-Minenprojekt, ein geplantes Tagebaubergwerk zum Abbau von Gold und Kupfer in der Provinz Zamora Chinchipe.
Der Tod von José Isidro Tendetza Antún wird von der örtlichen Staatsanwaltschaft und einem Ausschuss des Innenministeriums untersucht. Das Ministerium hat darüber hinaus am 9. Dezember angekündigt, für zielführende Informationen bezüglich seiner Ermordung umgerechnet etwa 81.000 EUR zu bezahlen. Der Tod von José Isidro Tendetza Antún sowie die Drohungen gegen die Bewohner_innen von Yanua kim zeigen einmal mehr, dass Menschenrechtler_innen, die sich gegen Bergbauprojekte in Ecuador stellen, Gewalttaten und Drangsalierung ausgesetzt sind.
Ecuador hat das Übereinkommen über eingeborene und in Stämmen lebende Völker ratifiziert. Zudem unterstützt das Land die Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker, was voraussetzt, dass die Rechte der indigenen Völker auf ihr angestammtes Land und die dort befindlichen Ressourcen anerkannt werden, und ihre Rechte auf Konsultation und in Kenntnis der Sachlage gegebene Zustimmung geachtet werden.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN – FORTSETZUNG (AUF ENGLISCH)
According to media reports, the Mirador project is operated by the company Ecuacorriente, which is owned by a group of Chinese firms. A contract was signed in March 2012 for a mining project that, according to the Confederation of Indigenous Nationalities of Ecuador, will damage around 450,000 acres of forest.
José Tendetza worked for Ecuacorriente until 2006, when he witnessed a family being violently attacked and their crops and house burnt down, in an attempt to evict them from territories that the company claimed as theirs. Since then he had become a leader of the movement opposing the mining project and had complained to the police that he had been threatened by the company’s workers and security guards.
The Yanua kim community claim the land where they live, and where José Tendetza lived, as part of their ancestral territory, and they began a formal request for legal title to the land in 2012. However, Ecuacorriente claim that they have rights over this part of territory since it was assigned to them for the Mirador Project.
In January 2013, together with other Shuar community representatives, José Tendetza signed a letter to the Chinese bank that was offering financial support to the Chinese firms that own Ecuacorriente. In the letter the Indigenous leaders highlighted the negative consequences of the Mirador project on the ecosystem and the possible violations of Indigenous peoples’ rights, Ecuadorian law and international law. The letter, a copy of which Amnesty International has received, also highlighted the fact that the Mirador project would have a direct impact on eight indigenous communities and 170 families, who had not been consulted or given their consent to the project.
That month, José Tendetza was among a group of Indigenous leaders that presented a complaint (tutela) against Ecuacorriente before national courts, in order to protect the rights of nature, guaranteed in Ecuador’s constitution, which was denied. A second complaint against the Ecuadorian State was presented to the Inter-American Commission of Human Rights (IACHR) in March 2014.