Saharaui entführt
Ahmed Mahmoud Haddi, der zur Volksgruppe der Saharaui in der Westsahara gehört, wurde am 28. Oktober verschleppt. Bei den Entführern handelt es sich wahrscheinlich um Angehörige der marokkanischen Sicherheitskräfte. Möglicherweise ist Ahmed Mahmoud Haddi dem "Verschwindenlassen" zum Opfer gefallen. Ihm drohen Folter und andere Misshandlungen.
Appell an
JUSTIZMINISTER
His Excellency Abdelwahed Radi
Ministry of Justice
Place Mamounia, Rabat
MAROKKO
(korrekte Anrede: Your Excellency)
Fax: (00 212) 5377 2 37 10 bzw. 3 07 72 bzw. 3 47 25
INNENMINISTER
His Excellency Chakib Benmoussa
Ministry of Interior
Quartier Administratif, Rabat
MAROKKO
(korrekte Anrede: Your Excellency)
Fax: (00 212) 537 76 20 56
Sende eine Kopie an
VORSITZENDER DES BEIRATS FÜR MENSCHENRECHTE
Ahmed Herzenni
Place Ach-chouhada,
B.P. 1341, 10000 Rabat
MAROKKO
Fax: (00 212) 537 72 68 56
E-Mail: ccdh@ccdh.org.m
BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS MAROKKO
S. E. Herrn Mohammed Rachad Bouhlal
Niederwallstraße 39
10117 Berlin
Fax: 030-2061 2420
E-Mail: kontakt@botschaft-marokko.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Französisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 5. Januar 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE
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Bringen Sie Ihre Sorge darüber zum Ausdruck, dass Ahmed Mahmoud Haddi seit dem 28. Oktober offenbar in geheimer Haft ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten wird und die Umstände seiner Festnahme einem "Verschwindenlassen" gleichkommen.
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Appellieren Sie an die Behörden, unverzüglich den Aufenthaltsort von Ahmed Mahmoud Haddi bekannt zu geben und zu gewährleisten, dass er Zugang zu seiner Familie, rechtlicher Vertretung und jeder notwendigen medizinischen Versorgung erhält.
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Fordern Sie die Behörden auf, sicherzustellen, dass er nicht gefoltert oder anderweitig misshandelt wird, wie es den Selbstverpflichtungen der marokkanischen Regierung nach dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte sowie dem UN-Übereinkommen gegen Folter entspricht.
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Bestehen Sie darauf, dass die Behörden Ahmed Mahmoud Haddi unverzüglich freilassen oder ihn einer als Straftat erkennbaren Handlung anklagen.
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Fordern Sie die Behörden auf, ihn im Falle einer Anklage unverzüglich vor Gericht zu stellen und ihm Zugang zu einer anwaltlichen Vertretung seiner Wahl zu gewähren, wie es nationale und internationale Menschenrechtsabkommen verlangen.
- Rufen Sie die Behörden auf, El-Houssine El-Mahmoudi seine konfiszierten Besitztümer zurückzugeben.
Sachlage
Ahmed Mahmoud Haddi und sein Freund El-Houssine El-Mahmoudi wurden am 28. Oktober in der marokkanischen Hauptstadt Rabat auf offener Straße verschleppt. Einige Tage zuvor waren sie gemeinsam von Laayoune in der Westsahara nach Casablanca und Rabat gereist. Wie es heißt, waren die beiden Männer auf Geschäftsreise. Mehrere Männer in Zivil drängten Ahmed Mahmoud Haddi und El-Houssine El-Mahmoudi in zwei Fahrzeuge und brachten sie an einen unbekannten Ort.
El-Houssine El-Mahmoudi kam am 3. November frei. Er geht davon aus, dass er von Angehörigen der Abteilung für die Überwachung des Staatsgebiets, dem marokkanischen Staatssicherheitsdienst, in einer inoffiziellen Hafteinrichtung festgehalten wurde, möglicherweise im Témara-Zentrum bei Rabat. Amnesty International liegen Berichte vor, wonach Personen, insbesondere Terrorverdächtige, dort gefoltert worden sein sollen.
Wie El-Houssine El-Mahmoudi sagte, befragte man ihn mehrmals zum Zweck ihrer Reise und zu Ahmed Mahmoud Haddis Engagement für die Selbstbestimmung der Westsahara. El-Houssine El-Mahmoudi wurde ohne offizielle Anklage freigelassen. Sein Auto, einige geschäftliche Unterlagen, Fahrzeugpapiere und Geld wurden beschlagnahmt. Als El-Houssine El-Mahmoudi einen der am Verhör Beteiligten fragte, was mit Ahmed Mahmoud Haddi passiert sei, erhielt er zur Antwort, dass dieser in Haft bleiben werde, solange die Ermittlungen gegen ihn andauern.
Familienangehörige von Ahmed Mahmoud Haddi haben sich an die örtlichen Behörden in Laayoune gewandt sowie Polizeidienststellen in Rabat und ein Gefängnis in Casablanca aufgesucht, um seinen Aufenthaltsort in Erfahrung zu bringen. Unterstützt werden sie dabei von einem Anwalt, der sich auch an die Generalstaatsanwaltschaft in Rabat gewandt hat. Die Behörden behaupten, dass Ahmed Mahmoud Haddi sich nicht in ihrem Gewahrsam befindet.
Hintergrundinformation
Ahmed Mahmoud Haddi engagiert sich für die Selbstbestimmung der Westsahara. Bis Juni 2009 verbüßte er eine dreijährige Haftstrafe, weil er sich seiner Festnahme widersetzt und dabei einen Polizisten angegriffen haben soll. Man hatte ihn am 17. Juni 2006 zusammen mit seinem Bruder und zwei bekannten saharauischen MenschenrechtsverteidigerInnen an einem Polizeikontrollpunkt an der Grenze zur Provinz Laayoune festgenommen.
Die marokkanischen Behörden reagieren oft scharf auf Äußerungen, die das Recht der Westsahara auf Selbstbestimmung betreffen. Personen, die sich für die saharauische Unabhängigkeit engagieren, sehen sich zunehmend Schikanen, Einschüchterungen und sogar Verfolgung ausgesetzt.
Am 2. November 2009 meldete die offizielle marokkanische Nachrichtenagentur, dass die Behörden eine kriminelle Bande zerschlagen hätten, die in Drogenhandel und Autodiebstahl verwickelt gewesen sei. Nach Angaben der Nachrichtenagentur gehörte zu der Bande auch ein Mitglied der "Frente Polisario", die die Unabhängigkeit der Westsahara fordert und in Flüchtlingslagern im Südwesten Algeriens eine selbsternannte Exil-Regierung gebildet hat.
MenschenrechtsverteidigerInnen in der Westsahara vermuten, dass damit Ahmed Mahmoud Haddi gemeint sein könnte.