Journalist in Lebensgefahr
Der freiberufliche Hörfunkjournalist Luis Galdámez arbeitet für einen unabhängigen Radiosender in Honduras. Er hat aufgrund seiner Arbeit beim Sender und unterstützender Kommentare für den des Amtes enthobenen Präsidenten Manuel Zelaya Morddrohungen erhalten.
Appell an
DE-FACTO-PRÄSIDENT
Roberto Micheletti
Casa Presidencial
Boulevard Juan Pablo Segundo
Palacio José Cecilio del Valle
Tegucigalpa, HONDURAS
(korrekte Anrede: Mr Micheletti / Sr. Micheletti)
Fax: (00 504) 239 3298
(Da diese Faxnummer nicht verlässlich ist, schreiben Sie bitte sowohl Faxe als auch Luftpostbriefe, um sicherzugehen, dass die Appelle ankommen.)
Sende eine Kopie an
ÖRTLICHE NICHTREGIERUNGSORGANISATION
Comité por la Libre Expresión (C-Libre)
Colonia Rubén Darío,
Calle Palermo, casa No. 2244B
Tegucigalpa
HONDURAS
Fax: (00 504) 239-8246
BOTSCHAFT DER REPUBLIK HONDURAS
S.E. Herr Roberto Augusto Martinez Castañeda
Cuxhavener Straße 14
10555 Berlin
Fax: (030) 397 49 712
E-Mail: informacion@embahonduras.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 28. Dezember 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE
-
Appellieren Sie an die De-facto-Behörden, unverzüglich und in Absprache mit Luis Galdámez für dessen notwendigen Schutz zu sorgen.
- Fordern Sie eine unabhängige, gründliche und unparteiische Untersuchung der Drohungen gegen Luis Galdámez sowie dass die Ergebnisse bekannt gegeben und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.
Sachlage
Luis Galdámez, Moderator des Programms "Tras La Verdad" (Hinter der Wahrheit), hat auf seinem Handy anonyme Anrufe und SMS mit Morddrohungen erhalten. Der landesweite Sender Radio Globo strahlt "Tras la verdad" täglich aus. Die Drohungen gegen Luis Galdámez und seine Familie begannen, kurz nachdem er angefangen hatte, in seiner Sendung die honduranischen De-Facto-Behörden zu kritisieren. In einer SMS hieß es: "Wir haben dich, du Hund, diesmal entkommst du uns nicht... Pass bloß auf, wir wissen, wo ihr wohnt und wo deine Kinder zur Schule gehen. Wir überwachen dich und deine Familie, du Wichser. Wenn du nicht die Schnauze hältst, bringen wir dich um, du Abschaum."
Der aus dem Amt getriebene Präsident Manuel Zelaya kehrte am 21. September nach Honduras zurück und suchte Schutz in der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa. Luis Galdámez sendete anlässlich der Rückkehr an diesem Tag direkt aus der Botschaft. Seither hat der Radiojournalist die Botschaft nicht mehr verlassen, da er aufgrund der erhaltenen Drohungen außerhalb des Gebäudes um sein Leben fürchtet. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission hat die honduranischen Behörden aufgefordert, Luis Galdámez zu schützen. Doch er hat Amnesty International berichtet, dass die Behörden bislang keine Maßnahmen zu seinem Schutz ergriffen haben.
Seit Präsident Zelaya am 28. Juni aus dem Amt getrieben wurde, ist es zu einer Reihe von Angriffen gegen Medienschaffende gekommen. Am 5. November warf man einen Sprengkörper auf das Büro des Radiosenders HRN, dabei wurden zwei Personen verletzt und die technische Ausstattung des Senders beschädigt. Am 6. November äußerte der Direktor des Fernsehsenders Canal 36 die Vermutung, dass es die Behörden gewesen seien, die ein Glasfaserkabel zerschnitten hätten, um die Ausstrahlungen des Fernsehsenders zu verhindern. Nach Kenntnis von Amnesty International ist bislang niemand für diese Angriffe zur Verantwortung gezogen worden.
Hintergrundinformation
Der demokratisch gewählte Präsident José Manuel Zelaya Rosales wurde am 28. Juni von einer vom Militär unterstützten Gruppe von PolitikerInnen gestürzt, die vom ehemaligen Vorsitzenden des Nationalkongresses, Roberto Micheletti, angeführt wurde. Seitdem kommt es überall im Land zu Unruhen mit häufigen Zusammenstößen zwischen der Polizei, dem Militär und Demonstrierenden. Örtliche Quellen berichten, dass seit dem 28. Juni mindestens sieben Menschen unter ungeklärten Umständen zu Tode gekommen sind.
Darüber hinaus stehen Medienschaffende seit der Machtübernahme durch Roberto Micheletti verstärkt unter Druck. Viele Radioprogramme wurden abgesetzt und zwei Sendestationen wurden von den De-Facto-Behörden geschlossen, darunter auch Radio Globo. Polizeikräfte durchsuchten den Radiosender am 28. Juni und beschlagnahmten dessen technische Ausrüstung. Am 26. September erließ Roberto Micheletti eine Verordnung, derzufolge Tageszeitungen und Sender geschlossen werden können, wenn sie "BeamtInnen beleidigen". Auf internationalen Druck hin wurde die Verordnung später wieder aufgehoben, doch es kommt weiter zu Drohungen und Angriffen gegen Medienschaffende und Sendeanstalten. Radio Globo darf seit dem 19. Oktober wieder senden.