Journalistinnen bedroht

Frederica Jansz und Munza Mushataq, Redakteurinnen einer sri-lankischen Zeitung, haben Morddrohungen erhalten. Im Januar war der Gründer und ehemalige Chefredakteur der Zeitung, Lasantha Wickrematunge, getötet worden, nachdem er eine ähnliche Drohung erhalten hatte.

Appell an

PRÄSIDENT
His Excellency the President Mahinda Rajapaksa
Presidential Secretariat
Colombo 1
SRI LANKA
(korrekte Anrede: Your Excellency)
Fax: (00 94) 11 244 6657

POLIZEICHEF
Jayantha Wickramaratne
Inspector General of Police
Sri Lanka Police Headquarters
101/1 Kew Road
Colombo 2
SRI LANKA
(korrekte Anrede: Dear Inspector General)
Fax: (00 94) 11 244 6174

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER DEMOKRATISCHEN SOZIALISTISCHEN REPUBLIK SRI LANKA
S.E. Herrn Tikiribandara Maduwegedera
Niklasstr. 19
14163 Berlin
Fax: 030-8090 9757
E-Mail: info@srilanka-botschaft.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Singhalesisch, Tamilisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 8. Dezember 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE.

  • Fordern Sie die Behörden auf, in Absprache mit Frederica Jansz und Munza Mushataq ihre Sicherheit zu gewährleisten.

  • Rufen Sie die Behörden auf, eine Untersuchung der Morddrohungen vom 22. Oktober sowie der Angriffe auf andere JournalistInnen und Medienschaffende einzuleiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

  • Appellieren Sie an die Regierung, Gesetze, die die freie Meinungsäußerung einschränken, abzuschaffen oder zu reformieren, und gegen das Klima der Straffreiheit vorzugehen, das die zahlreichen Akte der Einschüchterung und Gewalt von Sicherheitskräften und paramilitärischen Gruppierungen gegen unabhängige JournalistInnen ermöglicht.

Sachlage

Am 22. Oktober erhielten die Chefredakteurin der Zeitung Sunday Leader, Frederica Jansz, und die Nachrichtenredakteurin Munza Mushataq mit der Post die gleiche, handgeschriebene Morddrohung in roter Tinte. Auch Lasantha Wickrematunge, der ehemalige Sunday Leader-Chefredakteur, hatte drei Wochen vor seiner Ermordung eine ähnliche Drohung erhalten, ebenfalls mit roter Tinte geschrieben.

Die Drohungen beziehen sich auf einen Bericht des Sunday Leader über ein Video, das im August vom britischen Fernsehsender Channel Four ausgestrahlt worden war. Das Video soll sri-lankische Soldaten zeigen, die tamilische Gefangene hinrichten. Die sri-lankische Regierung hat das Video als Fälschung bezeichnet. Am 18. Oktober jedoch druckte der Sunday Leader auf der Titelseite einen Artikel über einen Bericht, wonach eine Analyse des Videos ergeben habe, dass das Material nicht manipuliert oder verändert worden war.

Die Drohbriefe trugen den Poststempel vom 21. Oktober, nur drei Tage nach Veröffentlichung des kontroversen Artikels. Beide Briefe enthielten die Äußerung "Wenn du weiter schreibst, bringen wir dich um, [und] schneiden dich in Stücke". Die Journalistinnen erstatteten Anzeige beim sri-lankischen Polizeichef und bei der zuständigen Polizei in der Hauptstadt Colombo. Bis jetzt haben die Behörden aber noch nichts unternommen.

Im September wurde die Journalistin Dileesha Abeysundera, die für die singhalesischsprachige Ausgabe des Sunday Leader arbeitet und für mehr Pressefreiheit in Sri Lanka eintritt, ebenfalls bedroht (siehe UA-269/2009). Es hat mehrere Angriffe auf MitarbeiterInnen und HerausgeberInnen des Sunday Leader gegeben. Auf die Redaktionsräume der Zeitung wurden Brand- und Bombenanschläge verübt, und sie wurden mehrfach versiegelt.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Unablässige Einschüchterungen und Angriffe auf JournalistInnen sowie die Einschränkung der Berichterstattung durch die Regierung bedrohen das Recht auf freie Meinungsäußerung in Sri Lanka. Auch das nie da gewesene Ausmaß der Gewalt gegen Medienschaffende, die kritisch berichten, hat zu einem Klima der Angst und Selbstzensur geführt. Die Informationsfreiheit wird dadurch massiv eingeschränkt.

Am 31. August 2009 wurde der Journalist Jayaprakash Sittampalam Tissainayagam zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, da seine Berichterstattung über Menschenrechtsfragen angeblich den Terrorismus fördere.

Zahlreiche JournalistInnen wurden inhaftiert, andere haben nach Morddrohungen das Land verlassen. Seit 2006 wurden mindestens 14 Medienschaffende getötet. Trotz der Untersuchungen dieser Morde wurde in keinem Fall Anklage erhoben.