Drohende Hinrichtung

Amnesty-Mitglieder fordern die Abschaffung der Todesstrafe in Texas

Amnesty-Mitglieder fordern die Abschaffung der Todesstrafe in Texas

Steven Woods soll bereits am 13. September in Texas hingerichtet werden. 2002 wurde er eines Doppelmordes angeklagt und versucht nun, die Todesstrafe in lebenslange Haft umwandeln zu lassen. Der Mitangeklagte in diesem Fall bekannte sich schuldig, beide Opfer getötet zu haben und erhielt eine lebenslängliche Freiheitsstrafe.

Appell an:

BEGNADIGUNGSAUSSCHUSS VON TEXAS
Clemency Section
Texas Board of Pardons and Paroles
8610 Shoal Creek Blvd., Austin, TX 78757-6814, USA
(korrekte Anrede: Dear Board members / Sehr geehrte
Mitglieder des Ausschusses)
Fax: (00 1) 512 467 0945
E-Mail: bpp-pio@tdcj.state.tx.us

GOUVERNEUR VON TEXAS
Governor Rick Perry
Office of the Governor, P.O. Box 12428, Austin
Texas 78711-2428, USA
(korrekte Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (00 1) 512 463 1849

Sende eine Kopie an:

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S.E. Herrn Philip Dunton Murphy
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle sofort, so dass sie vor dem 13. September 2011 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER E-MAILS MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bin mir der Schwere des Verbrechens bewusst, für das Steven Woods zum Tode verurteilt wurde.

  • Ich möchte Sie jedoch darauf hinweisen, dass die Theorien der Staatsanwaltschaft gegenüber den zwei Angeklagten sich widersprechen und die Unfairness einer Gerichtsverhandlung betonen, bei der ein Angeklagter zum Tode verurteilt wird und der andere, der sich der Morde schuldig bekannt hat, lebenslange Haft erhält.

  • Ich fordere Sie dringend auf, die Hinrichtung nicht zu vollstrecken und Steven Woods, Häftlingsnr. 999427, zu begnadigen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Acknowledge the seriousness of the crime for which Steven Woods was sentenced to death.

  • Expressing concern at inconsistent prosecution theories against the two defendants in this case and at the unfairness of an outcome where one defendant receives a death sentence and another who pled guilty to personally shooting the two victims receives a life sentence.

  • Call for this execution of Steven Woods, prisoner number #999427, to be stopped and clemency granted.

Sachlage

Am 2. Mai 2011 wurde die Leiche von Ronald Whitehead und die tödlich verletzte Bethena Brosz, die am Tag darauf starb, in Denton County nördlich von Dallas gefunden. Beide wurden erschossen. Zwei junge Männer in den Zwanzigern, Marcus Rhodes und Steven Woods, wurden festgenommen und der Morde beschuldigt.

Obwohl Marcus Rhodes innerhalb von drei Tagen nach den Morden und einige Monate vor Steven Woods festgenommen wurde, wurde Woods zuerst im August 2002 vor Gericht gestellt. Er wurde zum Tode verurteilt. Drei Monate später schloss Marcus Rhodes eine strafmindernde Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft, in der er sich persönlich der beiden Morde schuldig bekannte. Daraufhin wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt und nach Kalifornien verlegt, wo er wegen eines vor den in Texas begangenen Morden angeklagt war. Für diesen Mord erhielt er 25 Jahre Freiheitsentzug. Er verbüßt seine lebenslange Haft in einem Gefängnis in Texas.

Der 31-jährige Steven Woods ersucht derzeit beim texanischen Begnadigungsausschuss und dem Gouverneur um Begnadigung in Form der Umwandlung seiner Todesstrafe in lebenslange Haft. Er argumentiert damit, dass es „unvereinbar“ sei, dass er für eine Straftat hingerichtet werden soll, für die der Mitangeklagte, der „nicht weniger schuldig“ sei als er, eine lebenslängliche Freiheitsstrafe erhalten hat.

Beim Einlegen des Rechtsmittels gaben Steven Woods’ AnwältInnen an, dass es von Grund auf unfair gewesen sei, dass die Staatsanwaltschaft sich auf unstimmige Theorien für seine und Marcus Rhodes’ Schuld stützte. Bei Woods’ Gerichtsverhandlung argumentierte die Staatsanwaltschaft, dass während Rhodes an den Morden beteiligt war und das Auto sowie die Waffen zu Verfügung stellte, Woods das Verbrechen geplant und die Schießerei begangen habe. Rhodes gab bei seiner eigenen Verhandlung im Rahmen der strafmindernden Vereinbarung vom November 2002 an, dass er beide Opfer erschossen habe. Das Berufungsgericht in Texas wies Steven Woods’ Anschuldigung der Unfairness zurück. Im Jahr 2009 entschied ein Bundesgericht, dass bei der Zurückweisung von Woods’ Anschuldigungen der unfairen Gerichtsverhandlung gegenüber dem Staatsgericht kein Widerspruch zum Bundesgesrecht vorliege. Das Bundesgericht beschloss dies aufgrund der Tatsache, dass der Oberste Gerichtshof nie die Verfassungsmäßigkeit des Geltendmachens verschiedener Theorien durch die Staaten in den einzelnen Verfahren gegen Mitangeklagte, geprüft hatte.

Die Gerichte haben außerdem die Anschuldigung zurückgewiesen, dass Steven Woods’ Strafverteidiger verfassungsrechtlich ineffektiv seien, da sie die genaue Überprüfung der mildernden Umstände bezüglich seines Missbrauchs als Kind, der Vernachlässigung und seiner psychischen Probleme nicht durchgeführt haben. Diese Punkte hätten während der Strafzumessungsphase betont werden sollen, um die Geschworenen von einer lebenslangen Freiheitsstrafe statt der Todesstrafe zu überzeugen.

[EMPFOHLENE AKTIONEN]

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER E-MAILS MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bin mir der Schwere des Verbrechens bewusst, für das Steven Woods zum Tode verurteilt wurde.

  • Ich möchte Sie jedoch darauf hinweisen, dass die Theorien der Staatsanwaltschaft gegenüber den zwei Angeklagten sich widersprechen und die Unfairness einer Gerichtsverhandlung betonen, bei der ein Angeklagter zum Tode verurteilt wird und der andere, der sich der Morde schuldig bekannt hat, lebenslange Haft erhält.

  • Ich fordere Sie dringend auf, die Hinrichtung nicht zu vollstrecken und Steven Woods, Häftlingsnr. 999427, zu begnadigen.

[APPELLE AN]

BEGNADIGUNGSAUSSCHUSS VON TEXAS
Clemency Section
Texas Board of Pardons and Paroles
8610 Shoal Creek Blvd., Austin, TX 78757-6814, USA
(korrekte Anrede: Dear Board members / Sehr geehrte
Mitglieder des Ausschusses)
Fax: (00 1) 512 467 0945
E-Mail: bpp-pio@tdcj.state.tx.us

GOUVERNEUR VON TEXAS
Governor Rick Perry
Office of the Governor, P.O. Box 12428, Austin
Texas 78711-2428, USA
(korrekte Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (00 1) 512 463 1849

KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S.E. Herrn Philip Dunton Murphy
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle sofort, so dass sie vor dem 13. September 2011 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Steven Woods war zum Zeitpunkt des Verbrechens, für das er hingerichtet werden soll, gerade 21 geworden. Während der Strafzumessungsphase 2002, riefen seine Strafverteidiger nur eine Zeugin auf, eine Sozialarbeiterin, die einige medizinische und schulische Unterlagen des Angeklagten sowie sein Jugendstrafregister kommentierte. Sie präsentierte einige mildernde Umstände wie beispielsweise, dass Steven Woods als Kind wegen Selbstverstümmelung und Selbstmordgefahr in einem Krankenhaus war, dass sein Vater gewalttätig war und dass er weder familiäre noch institutionelle Unterstützung erhalten hatte, als er mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Ein Psychologe, der ein Gutachten über Steven Woods erstellt hatte, gab an, dass die Sozialarbeiterin Steven Woods nie persönlich getroffen hatte oder ein Gutachten erstellt hatte und sie daher nur flüchtige Aussagen darüber, was sie in den Unterlagen gelesen habe, machen könne. „Darüber hinaus fehlte es in ihrer Zeugenaussage an Genauigkeit und wichtigen Details aus Stevens Leben, die den Geschworenen helfen, die Verbindungen zwischen seinem Missbrauch und der Vernachlässigung als Kind und seinen jahrelangen psychischen Problemen herzustellen. Die Prozessanwälte haben nicht genügend Informationen gesammelt, um den sozialen Hintergrund des Angeklagten angemessen darzustellen.

Während des Rechtsbehelfsverfahrens wurden weitere Untersuchungen bezüglich der mildernden Umstände durchgeführt und es wurden Informationen ans Licht gebracht, die den Geschworenen nicht präsentiert wurden. Darunter waren beispielsweise Beweise für einen möglichen sexuellen Missbrauch durch Steven Woods’ Vater, der die Familie verließ, als Steven sechs Jahre alt war, physischem und emotionalem Missbrauch durch seinen Stiefvater, Drogenmissbrauch in der Familie sowie Steven Woods’ eigener Konsum von Drogen wie LSD, Kokain, Heroin, Methamphetaminen, Kodein und Marihuana. Steven war im Alter von 17 bis 19 obdachlos und lebte in Detroit, Chicago und New York. Während dieser Zeit prostituierte er sich, um sich Geld für Drogen zu beschaffen. Außerdem wurden bei Steven Woods schwere Depressionen sowie weitere psychische Probleme diagnostiziert und es gibt Beweise dafür, dass psychische Erkrankungen in seiner Familie schon häufig vorgekommen sind.

Im Jahr 2009 befand das Bundesbezirksgericht, dass Steven Woods’ Prozessanwälte zumindest hätten versuchen sollen, Woods’ Geschwister während der Vorbereitung für die Strafzumessungsphase zu befragen. Der Bundesrichter entschied, dass es unzumutbar gewesen sei, dass das Berufungsgericht es nicht für unzureichend befunden hätte, dass die VerteidigerInnen keine noch gründlichere Untersuchung von Steven Woods’ familiärem Hintergrund angestellt hatten. Der Richter gab jedoch an, dass er nicht glaube, dass das Ergebnis anders ausgefallen wäre, wenn die AnwältInnen eine gründlichere Untersuchung durchgeführt hätten. Er hielt am Todesurteil fest und dies wurde 2010 durch das Bundesberufungsgericht für den Fünften Bezirk (US Court of Appeals for the Fifth Circuit) bestätigt.

Amnesty International lehnt die Todesstrafe in allen Fällen und Ländern bedingungslos ab. Die grundlegende Fehlbarkeit der Todesstrafe führte dazu, dass dieser einst permanente Teil der Gesetzeslandschaft in vielen Ländern abgeschafft wurde, wobei 139 Länder heutzutage die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft haben. Die US Regierung hat die Aufrufe dieser Länder zur Abschaffung der Todesstrafe abgewiesen mit der Bemerkung, dass sie die kontinuierlichen, verschieden Grundsätze widerspiegeln, aber keinen wirklichen Unterschied im Bezug auf das, was die internationale Menschenrechtsbestimmungen fordern. Es stimmt, dass die internationalen Menschenrechtsbestimmungen und Artikel 6 des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (IPbpR) anerkennen, dass einige Länder die Todesstrafe beibehalten, aber diese Zurkenntnisnahme der aktuellen Lage sollte nicht dazu aufrufen, „die Abschaffung der Todesstrafe zu verzögern oder zu verhindern“ wie es in Artikel 6.6 des IPbpR steht. Die USA ratifizierten den IPbpR vor ungefähr 20 Jahren. Der UN-Menschenrechtsausschuss, die im Rahmen des IPbpR eingeführte Fachkommission zur Überwachung der Umsetzung des Paktes, gab an, dass sich Artikel 6 allgemein auf „die Abschaffung bezieht und die Abschaffung der Todesstrafe dringend empfohlen wird. Die Kommission schließt daraus, dass alle Schritte zur Abschaffung als Fortschritt bezüglich des Genusses des Rechts auf Leben betrachtet werden sollen“.

In den USA gab es 1.266 Hinrichtungen seit der Wiederaufnahme von Exekutionen im Jahr 1977. Davon fanden 473 in Bundesstaat Texas statt. Dieses Jahr fanden in den USA 32 Hinrichtungen statt und neun davon wurden in Texas ausgeführt. Seit Ende des Jahres 2000 gab es unter Gouverneur Rick Perry 273 Hinrichtungen (siehe „USA: Too much cruelty, to little clemecy“, http://www.amnesty.org/en/library/info/AMR51/057/2009/en).