Kein Kontakt zur Außenwelt
Yassin Ziadeh
© privat
Yassin Ziadeh, Bruder des im Exil lebenden syrischen Menschenrechtsverteidigers Radwan Ziadeh, ist am 30. August 2011 in Daraya, einer Ortschaft in der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus, festgenommen worden. Seitdem wird er ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft gehalten und ist in Gefahr, Folterungen und anderweitige Misshandlungen zu erleiden. Es handelt sich bei ihm wahrscheinlich um einen gewaltlosen politischen Gefangenen.
Appell an
STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
Presidential Palace
al-Rashid Street
Damascus
SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency/Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 332 3410
AUSSENMINISTER
Walid al-Mu’allim
Minister of Foreign Affairs
Al-Rashid Street
Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency/Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 214 6251 oder -6252 oder -6253
VERTEIDIGUNGSMINISTER
General Dawood Rajiha
Ministry of Defence
Omayyad Square
Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency/Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 311 0554
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN
S.E. Herrn Radwan Loutfi
Rauchstr. 25
10787 Berlin
Fax: 030-5017 7311
E-Mail: info@syrianembassy.de oder
press@syrianembassy.de oder secretary@syrianembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 14. Oktober 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Ich möchte meine Sorge darüber zum Ausdruck bringen, dass Yassin Ziadeh offenbar nur deshalb in Haft gehalten wird, weil sich sein im Exil lebender Bruder Radwan Ziadeh für die Menschenrechte engagiert. In diesem Fall würde Amnesty International ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen betrachten und seine sofortige und bedingungslose Freilassung fordern.
- Ich bin außerdem sehr besorgt darüber, dass Yassin Ziadeh ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft gehalten wird und deshalb in erhöhtem Maße von Folter und Misshandlung bedroht ist. Stellen Sie bitte sicher, dass Yassin Ziadeh wirksam vor Folter und Misshandlung geschützt wird, dass er unverzüglich zu seiner Familie und einem Rechtsbeistand seines Vertrauens Kontakt aufnehmen kann sowie Zugang zu notwendiger medizinischer Versorgung erhält.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Expressing concern that Yassin Ziadeh appears to be detained solely for the human rights activities of his exiled brother Radwan Ziadeh, in which case he would be a prisoner of conscience and should be released immediately and unconditionally.
- Expressing concern that Yassin Ziadeh is being held in incommunicado detention and therefore at increased risk of torture and calling on the authorities to ensure that he is protected from torture and other ill-treatment and granted immediate access to his family, legal council of his own choosing, and any medical attention he may require.
Sachlage
Yassin Ziadeh, ein 37-jähriger Geschäftsmann, wurde am 30. August 2011 in Daraya in der Nähe der dortigen al-Mustafa-Moschee von drei in Zivil gekleideten Männern, vermutlich Mitarbeitern des Nachrichtendienstes der syrischen Luftwaffe (Air Force Intelligence – AFI), festgenommen. Daraya liegt im Regierungsbezirk Rif Damashq, welcher die syrische Hauptstadt Damaskus umgibt. Der AFI soll in der Ortschaft Daraya der am stärksten präsente Sicherheitsdienst sein und dort ein großes Haft- und Verhörzentrum unterhalten. Ein aus der Einrichtung entlassener Gefangener teilte der Familie von Yassin Ziadeh mit, er habe diesen dort gesehen. Und ein Funktionär der regierenden Baath-Partei bestätigte gegenüber der Familie von Yassin Ziadeh, dass der 37-Jährige sich in Haft befindet. Anklage soll bisher nicht gegen ihn erhoben worden sein.
Nach Angaben der Familie hat sich Yassin Ziadeh nicht an den in Syrien nach wie vor anhaltenden Demonstrationen für die Einleitung eines Reformprozesses beteiligt. Auslöser für seine Festnahme dürfte vielmehr das gewaltfreie Engagement seines Bruders Radwan Ziadeh gewesen sein, Präsident des in Damaskus beheimateten Zentrums für Menschenrechtsstudien. Radwan Ziadeh hat Syrien im Oktober 2007 verlassen und lebt derzeit in den USA im Exil. Seine Familie darf allem Anschein nach wegen seiner Menschenrechtsaktivitäten seit Februar 2008 nicht aus Syrien ausreisen. In den zurückliegenden Monaten sind in Syrien noch eine Reihe weiterer Menschen offenbar nur deshalb in Haft genommen worden, weil sich Personen aus ihrem familiären Umfeld für Reformen im Land einsetzen. Bei solchen Maßnahmen handelt es sich wohl um eine Art Bestrafung der Familien oder um ein Druckmittel, um die Festnahme der gesuchten Person herbeizuführen.
Es besteht große Sorge um die Sicherheit von Yassin Ziadeh. So haben mehrere während der anhaltenden Unruhen in Syrien festgenommene Menschen nach ihrer Freilassung berichtet, in den Hafteinrichtungen seien Folterungen und anderweitige Misshandlungen an der Tagesordnung. Sie dienten dem Zweck, "Geständnisse" zu erzwingen und Menschen zu bestrafen, um auf diese Weise andere Personen von der Teilnahme an etwaigen zukünftigen Protesten abzuhalten.
Hintergrundinformation
Nachdem Mitte März Proteste mit der Forderung nach dem Rücktritt von Bashir al-Assad als Staatspräsident laut geworden waren, setzte eine Festnahmewelle durch die syrischen Sicherheitskräfte ein. Sie richtete sich gezielt gegen Menschen, die im Verdacht standen, die Proteste organisiert oder auf öffentlichen Veranstaltungen, in den Medien, im Internet oder auf andere Weise unterstützt zu haben. Festgenommen wurden unter anderem JournalistInnen, politisch engagierte Personen, MenschenrechtsverteidigerInnen und Imame. Die Verhaftungswelle zwang eine Reihe von AktivistInnen und JournalistInnen, unterzutauchen. Zum Kreis derjenigen Personen, die aufgrund vermeintlicher Aktivitäten von Familienmitgliedern festgenommen wurden, zählen 'Abd al-Rahman Hammada, Schwager des untergetauchten Menschenrechtsanwalts Razan Zaitouneh, sowie der 18-jährige Mu’ayad al-Bunni. Er ist der Sohn des bekannten politischen Aktivisten Walid al-Bunni, der bereits früher als gewaltloser politischer Gefangener inhaftiert gewesen war und sich auch jetzt wieder in Haft befindet.
Aus Syrien werden weithin Meldungen über Folter und anderweitige Misshandlungen bekannt. Amnesty International hat die Namen und weitere Informationen über 88 Menschen veröffentlicht, die im Zeitraum zwischen dem 1. April und Mitte August 2011 in der Haft zu Tode gekommen sein sollen (siehe den englischen Bericht: Deadly Detention: Details in custody amid popular protest in Syria (MDE 24/035/2011).