Im Nordkaukasus verschwunden

Die 30-jährige Zalina Elhoroeva ist Augenzeugenberichten zufolge am 22. Dezember 2010 im Nordkaukasus von bewaffneten, vermummten Männern in Tarnanzügen entführt worden. Ihre Familie hat Anzeige bei den Behörden erstattet, Zalina Elhoroeva wurde seither jedoch nicht mehr gesehen, und ihr Aufenthaltsort ist unbekannt.

Appell an

INNENMINISTER DER REPUBLIK NORDOSSETIEN
Lt-Gen A. F. Akhmetkhanov
Ministry of Interior of North Ossetia
Pushkinskaya street 10V
Vladikavkaz 362004
RSO-Alania,
RUSSISCHE FÖDERATION
(korrekte Anrede: Dear Mr Minister)
Fax: (007) 8672 53 45 54
E-Mail: mvdosetia@rambler.ru

STAATSANWALT DER REPUBLIK NORDOSSETIEN
Mr Vladimir Pavlovich Vekshin

Prosecutor’s Office of RSO-Alania
Pushkinskaya street 8
Vladikavkaz 362004

Republic of North Ossetia - Alania
RUSSISCHE FÖDERATION
(korrekte Anrede: Dear Mr Prosecutor)
Fax: (007) 8672 53 23 72
E-Mail: info@procuror-osetia.ru

LEITER DER SICHERHEITSBEHÖRDEN IN NORDOSSETIEN
Maj-Gen Oleg Yatskov

Directorate of the Federal Security Service for North Ossetia
Mordovtseva street 6

Vladikavkaz 362040

RSO-Alania
RUSSISCHE FÖDERATION
(korrekte Anrede: Dear Maj-Gen Yatskov)
Fax: (007) 8672 53 41 76

Bitte beachten Sie beim Faxen: Wenn jemand abhebt, sagen Sie deutlich "Fax".

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER RUSSISCHEN FÖDERATION
S. E. Herrn Vladimir M. Grinin
Unter den Linden 63-65, 10117 Berlin
Fax: 030-2299 397
E-Mail: info@Russische-Botschaft.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Russisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 4. Februar 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bitte Sie eindringlich, den Aufenthaltsort von Zalina Elhoroeva zu ermitteln und für ihre Sicherheit zu sorgen.

  • Ich fürchte, dass sie ein Opfer des "Verschwindenlassens" geworden ist.

  • Ich fordere Sie auf, eine umfassende und unabhängige Untersuchung der Umstände ihres Verschwindens und des möglichen "Verschwindenlassens" einzuleiten und die Verantwortlichen zu finden und vor Gericht zu stellen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the authorities to establish Zalina Elhoroeva’s whereabouts and ensure her safety;

  • Expressing concern that she may have been subjected to enforced disappearance;

  • Calling for a thorough, independent and impartial investigation into the circumstances of her possible enforced disappearance, including identifying and bringing to justice those responsible for it.

Sachlage

Zalina Elhoroeva (Yelkhoroeva) war mit dem Taxi von Valdikavkaz in Nordossetien nach Nazran in Inguschetien im Nordkaukasus unterwegs. Dabei wurde sie von der Ehefrau ihres Bruders begleitet. Nach Aussagen ihrer Familie, die diese Informationen von der Ehefrau des Bruders und des Taxifahrers erhalten hat, blockierten vier Fahrzeuge vom Modell UAZ und VAZ-2114 die Straße, als das Taxi gerade durch das Dorf Chermen fuhr. Fahrzeuge dieser Modelle werden häufig von den Behörden eingesetzt.

Die bewaffneten Männer verlangten die Ausweise der Taxiinsassen. Sie sprachen in akzentfreiem Russisch. Dann zwangen die Männer Zalina Elhoroeva in einen silberfarbenen VAZ-2114 und fuhren ohne ein Wort der Erklärung davon. Dem Taxifahrer befahl man, nach Chermenskii Krug zu fahren und dort auf Zalina Elhoroeva zu warten. Chermenskii Krug ist ein Übergang an der Verwaltungsgrenze zwischen Nordossetien und Inguschetien, der von bewaffneten Sicherheitskräften bewacht wird. Zalina Elhoroeva ist jedoch nie dort aufgetaucht.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Zalina Elhoroeva war nach Vladikavkaz gefahren, um dort ihren Bruder Timur Elhoroev zu besuchen, der im Dezember 2010 von Polizeiangehörigen von einem Krankenhaus in eine Untersuchungshaftanstalt gebracht worden war. Timur Elhoroev war nach einem Vorfall am 18. November in Navraz schwer verletzt worden. Unbekannte hatten das Auto, mit dem er unterwegs war, unter Beschuss genommen.

Der Fahrer des Fahrzeugs starb bei dem Vorfall. Nach Angaben der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial befindet sich Timur Elhoroevs Vater in Unkenntnis darüber, welche Anklagen man gegen seinen Sohn erhoben hat.

Amnesty International hat zahlreiche Berichte aus den Regionen Inguschetien, Nordossetien und dem Nordkaukasus erhalten, denen zufolge maskierte Angehörige der Sicherheitsbehörden Menschen festnehmen, ohne sich auszuweisen, den Grund für die Festnahme zu nennen oder anzugeben, wohin die Betroffenen gebracht werden. Bei einer Vielzahl von Fällen wird der oder die Gefangene in Haft ohne Kontakt zur Außenwelt gehalten, und die Familienangehörigen erfahren erst später, dass gegen das Familienmitglied ermittelt wird und es von der Polizei oder einer anderen Sicherheitsbehörde in Gewahrsam gehalten wird. In manchen Fällen erfahren die Familien nie, wo sich die Betroffenen aufhalten.

Das "Verschwindenlassen" stellt einen Verstoß gegen das Völkerrecht dar und verletzt das Recht, als rechtsfähige Person anerkannt zu werden, das Recht auf Freiheit und Sicherheit, das Recht, vor Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlungen oder Strafen geschützt zu werden, und das Recht auf Leben.

Die Sicherheitslage im Nordkaukasus ist instabil und beeinträchtigt auch die Regionen Inguschetien und Nordossetien. Bewaffnete Gruppen führen immer wieder Anschläge gegen Angehörige der Sicherheitsbehörden durch. Zivilisten werden bei Selbstmordanschlägen wahllos getötet. Im September starben bei einem Autobombenanschlag Berichten zufolge mindestens 17 Menschen, und mehr als 100 wurden verletzt. Regelmäßig werden Polizeiangehörige beschuldigt, rechtswidrig gegen bewaffnete Gewalt vorzugehen und dabei Menschenrechte zu verletzen. Aus der ganzen Region des Nordkaukasus gehen immer wieder Berichte über mutmaßliches "Verschwindenlassen", Freiheitsberaubung, Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlungen oder Strafen und staatliche Morde ein.