Gemeindesprecher ermordet

Lage Kolumbiens

Lage Kolumbiens

Im Nordwesten Kolumbiens wurde ein Gemeindesprecher getötet, der seine Rückkehr in die Gemeinde Ituango plante. Von dort sind hunderte GegnerInnen eines Staudammprojekts vertrieben worden.

Appell an

PRÄSIDENT
Señor Presidente Juan Manuel Santos
Presidente de la República, Palacio de Nariño
Carrera 8 No. 7-26
Bogotá, KOLUMBIEN
(Anrede: Excmo. Sr. Presidente Santos / Sehr geehrter Herr Präsident / Dear President Santos)
Fax: (00 57) 1 596 0631

MINISTER FÜR MINEN UND ENERGIE
Amylkar Acosta
Ministerio de Minas y Energía
Calle 43 No 57 – 31, CAN
Apartado 80319
Bogotá, KOLUMBIEN
(Anrede: Dear Minister Acosta / Estimado Sr. Ministro
Acosta / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 57) 1 324 5208

Sende eine Kopie an

NICHTREGIERUNGSORGANISATION
Corporación Jurídica Libertad
Carrera 47 No 53-45, Piso 10
Medellín
KOLUMBIEN

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S. E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 7. November 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bin sehr besorgt um die Sicherheit der Bergarbeiter der Ríos Vivo Antioquia-Bewegung und ihrer Familien.

  • Ich fordere Sie auf, den gefährdeten GemeindebewohnerInnen unverzüglich in Absprache mit ihnen Schutzmaßnahmen zur Verfügung zu stellen.

  • Leiten Sie bitte eine umfassende und unparteiische Untersuchung des Mordes an Nelson Giraldo sowie der Vertreibung der BewohnerInnen seiner Gemeinde ein. Veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.

Sachlage

Der Gemeindesprecher und Bergarbeiter Nelson Giraldo wurde am 17. September am Ufer des Flusses Cauca in der Region Sardinas der Gemeinde Ituango im Departamento Antioquia getötet. Er war ein führendes Mitglied der Ríos Vivos Antioquia-Bewegung, die die Interessen der seit März 2013 aus mehreren Gemeinden im Norden und Westen des Departmento Antioquia Vertriebenen vertritt. Nelson Giraldo wurde mit Schusswunden in Brust und Beinen und durchgeschnittener Kehle aufgefunden. Er war in die Gemeinde gereist, um zu prüfen, ob für ihn und seine Familie die Möglichkeit einer Rückkehr bestand. Am 9. September hatte ein Gericht in der Stadt Medellin die Behörden dazu aufgefordert, die von Mitgliedern der Ríos Vivos-Bewegung geforderten Schutzmaßnahmen umzusetzen.

Infolge einer Reihe von Zwischenfällen, darunter Drohungen durch Paramilitärs, Guerilla-Angriffe, Kämpfe zwischen den Streitkräften und Guerillagruppen sowie Massenfestnahmen von GegnerInnen eines Staudammprojekts am Fluss Cauca, bekannt als Hidroituango, sind rund 250 BergarbeiterInnen und weitere Gemeindeangehörige, für die der Fluss den Lebensunterhalt sichert, aus der Region geflohen. In den vergangenen Jahren wurden die GegnerInnen der Baumaßnahmen wiederholt von den Sicherheitskräften als GuerillakämpferInnen bezeichnet und daraufhin willkürlich in Haft genommen. Diejenigen, die als UnterstützerInnen von Guerillagruppen gelten, sind häufig Opfer von Menschenrechtsverletzungen geworden, darunter außergerichtliche Hinrichtungen, Drohungen, Verschwindenlassen und Vertreibung. BergarbeiterInnen und andere BewohnerInnen der zwölf Gemeinden, die von dem Bau des Damms betroffen sind, befürchten, dass sie dadurch ihre Lebensgrundlage verlieren.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die Ríos Vivos-Bewegung wird von kolumbianischen Gemeinden getragen, die von groß angelegten Energieprojekten betroffen sind. Diese umfassen überwiegend Staudämme und weitere Projekte, die laut den GemeindebewohnerInnen ihren Zugang zu Wasserressourcen einschränken. Die Organisation setzt sich zudem für den Schutz der Lebensgrundlage der BewohnerInnen der von den Energieprojekten betroffenen Gemeinden ein. Ihr Ziel ist die Verteidigung der bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und ökologischen Rechte der von den groß angelegten Projekten betroffenen Menschen. Im Fall des Departmento Antioquia sind verschiedene soziale Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen der von dem Bau des Staudamms betroffenen Gemeinden Ituango, San Andrés de Cuerquía, Toledo, Briceño, Yarumal, Sabanalarga, Liborina und Olaya, Teil der Ríos Vivos Antioquia-Bewegung.
Der Hidroituango-Staudamm wird in einem Gebiet gebaut, das vom bewaffneten Konflikt betroffen ist. Dort verübten in den 90-Jahren Paramilitärs in Absprache mit den Sicherheitskräften der Gemeinde Ituango eine Reihe von Massakern. Viele dieser Menschenrechtsverstöße wurden bislang nicht vor Gericht gebracht und diejenigen, die sich für eine Untersuchung der Verbrechen einsetzen, werden aufgrund ihres Kampfes gegen die Straffreiheit bedroht.

In dem seit langem andauernden bewaffneten Konflikt in Kolumbien bezeichnen Sicherheitskräfte und Paramilitärs Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und anderen gesellschaftlichen Organisationen häufig als KollaborateurInnen oder UnterstützerInnen von Guerillagruppen. In der Folge werden sie häufig bedroht, entführt oder getötet. Auch Guerillagruppen haben jedoch schon mehrere MenschenrechtsverteidigerInnen bedroht oder getötet, da sie der Ansicht waren, diese würden mit ihren GegnerInnen zusammenarbeiten.