Hingerichtet
Am Abend des 5. November wurde im US-Bundesstaat Texas der Gefangene Khristian Oliver hingerichtet. Er war im Jahr 1999 des Raubmordes an Joe Collins für schuldig befunden und zum Tode verurteilt worden.
Sachlage
Als der 64-jährige Joe Collins am 17. März 1998 in seine Wohnung im Bezirk Nacogdoches im Osten von Texas zurückkehrte, überraschte er dort zwei männliche Personen bei einem Einbruchsversuch. Die beiden versuchten zu fliehen, woraufhin Joe Collins seine Waffe zog und einen der Einbrecher, einen 15-jährigen Jungen, durch einen Schuss am Bein verletzte. Im Prozess gegen Khristian Oliver sagte dessen Mittäter im April 1999 aus, der Angeklagte habe auf Joe Collins gefeuert und ihm anschließend mit einem Gewehrkolben gegen den Kopf geschlagen.
Nach dem Prozess kristallisierte sich heraus, dass die Geschworenen während ihrer Beratungen über das Strafmaß die Bibel zu Rate gezogen hatten, unter anderem eine Passage mit folgendem Wortlaut: ""Wer jemand mit einem Eisen schlägt, dass er stirbt, der ist ein Mörder und soll des Todes sterben." Das für den 5. Bezirk zuständige US-Bundesberufungsgericht vertrat in einem Urteil aus dem Jahr 2008 die Auffassung, die an dem Verfahren beteiligten Geschworenen hätten durch ihre Bezugnahme auf Bibeltexte, welche mit dem fraglichen Fall korrespondieren, "eine wesentliche Grenze überschritten". Dessen ungeachtet hielt das Gericht das Todesurteil aufrecht. Im April 2009 lehnte es der Oberste Gerichtshof ab, sich mit dem Fall zu befassen.
Der Begnadigungsausschuss von Texas wies am 4. November das Gnadengesuch von Khristian Oliver zurück. Rick Perry, der Gouverneur des Bundesstaates, lehnte es seinerseits ab, einen Vollstreckungsaufschub zu gewähren. Nachdem bereits am 3. November das Berufungsgericht des 5. Bezirks eine weitere Befassung mit dem Fall abgelehnt hatte und der Oberste Gerichtshof am 5. November gegen einen Hinrichtungsaufschub votierte, standen Khristian Oliver keine weiteren Rechtsmittel mehr zur Verfügung.
Im laufenden Jahr sind in den USA bereits 43 Menschen hingerichtet worden, davon 20 in Texas. Seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen im Jahr 1977 ist landesweit an 1179 Menschen die Todesstrafe vollstreckt worden. Auf Texas entfallen 443 dieser Hinrichtungen. Seit der Amtsführung von Gouverneur Perry im Jahr 2001 sind in dem Bundesstaat 204 Menschen exekutiert worden. Weitere Informationen finden Sie auf Englisch unter USA: Too much cruelty, too little clemency: Texas nears 200th execution under current governor, April 2009, http://www.amnesty.org/en/library/info/AMR51/057/2009/en).
Weitere Aktionen des Eilaktionsnetzes sind nicht erforderlich. Vielen Dank an alle, die versucht haben, die Hinrichtung zu verhindern.