Paramilitärs bedrohen Friedensgemeinde
Friedensgemeinde San José de Apartadó
© Amnesty International
Kolumbianische Militärangehörige und Paramilitärs haben BewohnerInnen der Friedensgemeinde San José de Apartadó und andere Zivilpersonen in der Region bedroht. Ein Kleinbauer ist verschleppt worden, und zahlreiche Menschen wurden vertrieben.
Appell an
PRÄSIDENT
Señor Presidente Juan Manuel Santos
Presidente de la República, Palacio de Nariño
Carrera 8 No. 7-26
Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Excmo. Sr. Presidente Santos / Sehr geehrter Herr Präsident / Dear President Santos)
Fax: (00 57) 1 596 0631
VERTEIDIGUNGSMINISTER
Señor Juan Carlos Pinzón
Ministerio de Defensa
Carrera 54, No. 26-29
Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Sr. Ministro Pinzón / Sehr geehrter Herr Minister / Dear Minister Pinzón)
Fax: (00 57) 1 266 1003
Sende eine Kopie an
FRIEDENSGEMEINDE SAN JOSÉ DE APARTADÓ
Comunidad de Paz de San José de Apartadó
AA 243 de Apartadó
Antioquia
KOLUMBIEN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S. E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 30. Oktober 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.
Sachlage
SoldatInnen der Mobilen Brigade 24 der kolumbianischen Armee hielten am 11. September im Weiler La Resbalosa im Departamento Antioquia einen Bewohner der Friedensgemeinde San José de Apartadó an. Sie bedrohten ihn mit vorgehaltener Waffe und erklärten ihm, die Friedensgemeinde werde – mit Paramilitärs auf der einen Seite und der Armee auf der anderen – nicht mehr lange existieren. Zudem erlaube das Militärjustizsystem diesen beiden Gruppen, alles zu tun, was sie wollten." (el fuero military les iba a permitir hacer lo que quisieran). Nach einer halben Stunde ließen die Militärangehörigen den Mann wieder frei.
In jüngster Zeit ist immer wieder über die Präsenz von Paramilitärs und Streitkräften in der Region berichtet worden. Am 31. August wurde im Weiler La Hoz des Verwaltungsbezirks Apartadó der Kleinbauer Buenaventura Hoyos Hernández von Paramilitärs festgenommen. Zuletzt wurde er am 3. September gesehen, als Paramilitärs ihn gefesselt aus La Hoz fortbrachten. Seine Familie ist aus dem Ort geflohen. Seit dem 26. August haben über 50 weitere Personen den Ort verlassen, nachdem dort Paramilitärs einen Stützpunkt errichtet haben. Örtlichen Quellen zufolge sind Militärangehörige nur 400 Meter von La Hoz entfernt gesehen worden. Die SoldatInnen griffen jedoch nicht ein, um den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten. In den vergangenen Wochen, vor allem Ende August, sind Paramilitärs in mehreren Orten der Friedensgemeinde aufgetaucht und haben anhand einer Namensliste nach Personen gefragt, die sie als Mitglieder der Guerilla bezeichneten.
[SCHREIBEN SIE BITTE ]
FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich bin sehr besorgt um die Sicherheit der BewohnerInnen der Friedensgemeinde von San José de Apartadó und weiterer Zivilpersonen in der Region, darunter Buenaventura Hoyos Hernández, der seit dem 3. September nicht mehr gesehen worden ist, nachdem Paramilitärs ihn festgenommen hatten.
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Leiten Sie bitte eine umfassende und unparteiische Untersuchung des Verschwindenlassens von Buenaventura Hoyos Hernández ein. Untersuchen Sie bitte auch die Vertreibung von BewohnerInnen der Region sowie die Drohungen der Militärs und die Drohungen und verstärkte Präsenz von Paramilitärs in der Region. Veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die für die Drohungen Verantwortlichen vor Gericht.
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Zudem möchte ich Sie daran erinnern, dass die BewohnerInnen der Friedensgemeinde San José de Apartadó wie auch die übrige Zivilbevölkerung das Recht haben, nicht in den bewaffneten Konflikt hineingezogen zu werden.
- Ich fordere Sie außerdem auf, unverzüglich von der Regierung zugesagte Maßnahmen umzusetzen, um die paramilitärischen Gruppen in der Region aufzulösen und ihre Verbindungen mit den Sicherheitskräften zu unterbinden, wie es die UN und andere zwischenstaatliche Organisationen empfohlen haben.
[APPELLE AN]
PRÄSIDENT
Señor Presidente Juan Manuel Santos
Presidente de la República, Palacio de Nariño
Carrera 8 No. 7-26
Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Excmo. Sr. Presidente Santos / Sehr geehrter Herr Präsident / Dear President Santos)
Fax: (00 57) 1 596 0631
VERTEIDIGUNGSMINISTER
Señor Juan Carlos Pinzón
Ministerio de Defensa
Carrera 54, No. 26-29
Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Sr. Ministro Pinzón / Sehr geehrter Herr Minister / Dear Minister Pinzón)
Fax: (00 57) 1 266 1003
KOPIEN AN
FRIEDENSGEMEINDE SAN JOSÉ DE APARTADÓ
Comunidad de Paz de San José de Apartadó
AA 243 de Apartadó
Antioquia
KOLUMBIEN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S. E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 30. Oktober 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.
Hintergrundinformation
Die "Friedensgemeinde" San José de Apartadó setzt sich aus BewohnerInnen mehrerer Weiler und Dörfer zusammen, die in der Gemeinde Apartadó des nordwestlich gelegenen Departamento Antioquia liegen. Die BewohnerInnen der Region verteidigen sowohl gegenüber den Sicherheitskräften als auch den Guerillaeinheiten ihr Recht, nicht in den bewaffneten Konflikt Kolumbiens hineingezogen zu werden, und wehren sich dagegen, für eine der Seiten Partei ergreifen zu müssen. Dementsprechend verweigern die BewohnerInnen auch das Tragen von Waffen und liefern keiner der beiden Seiten Informationen oder logistische Unterstützung. Als Gegenleistung verlangt die Friedensgemeinde, dass die an dem bewaffneten Konflikt beteiligten Parteien sich von ihrem Land fernhalten und ihre neutrale Position respektieren.
Die Friedensgemeinde San José de Apartadó wurde am 23. März 1997 gegründet. Seitdem sind über 170 BewohnerInnen der Friedensgemeinde und ihrer Umgebung getötet worden oder dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen, weitere Personen wurden bedroht oder sexuell missbraucht. Die BewohnerInnen der Friedensgemeinde befinden sich daher in ständiger Gefahr. Die Mehrzahl der Tötungen wurde von Paramilitärs mit Billigung und Unterstützung der Streitkräfte in der Region begangen. In anderen Fällen wurden die Tötungen von Guerillagruppen verübt. In den vergangenen zehn Jahren wurden neben BewohnerInnen der Friedensgemeinde auch Menschen getötet, die lediglich nahe des von der Friedensgemeinde besiedelten Gebietes lebten oder enge Verbindungen zu den BewohnerInnen unterhielten. Oftmals gingen den Tötungen Phasen massiver Drohungen gegen BewohnerInnen der Friedensgemeinde voraus. Allem Anschein nach sollen die Menschen durch solche Maßnahmen eingeschüchtert werden.
Personen, die ihre Teilnahme an dem bewaffneten Konflikt verweigern und für keine der Seiten Partei ergreifen, sehen sich Verdächtigungen und Feindseligkeiten vonseiten der Paramilitärs, der Armee und der Guerillagruppierungen gegenüber. Die paramilitärischen Gruppen in Kolumbien sind angeblich im Rahmen des von der Regierung unterstützten Demobilisierungsprozesses, der im Jahr 2003 begann, aufgelöst worden. Dass diese Gruppen dennoch weiterhin existieren und operieren, belegen die von ihnen in verschiedenen Teilen des Landes verübten Tötungen und ihre Drohungen gegen MenschenrechtsverteidigerInnen und andere Mitglieder der Zivilgesellschaft.
Im Dezember 2012 wurde eine Verfassungsreform verabschiedet, die die Befugnisse der Militärjustiz erweiterte. Im Juni 2013 verabschiedete der kolumbianische Kongress ein Gesetz zur Umsetzung dieser Reform. Es wird befürchtet, dass diese Reform die Straffreiheit bei Verstößen gegen Menschenrechtsabkommen und das humanitäre Völkerrecht, die von kolumbianischen Sicherheitskräften begangen werden, erhöhen wird. Weitere Informationen dazu finden Sie in der englischen Presseerklärung: http://www.amnesty.org/en/for-media/press-releases/colombia-congress-should-reject-law-reforming-military-justice-system-2013-