ZivilistInnen bedroht

Eine paramilitärische Gruppierung bedroht im Südwesten Kolumbiens die Zivilbevölkerung eines Dorfes und hat einen Kleinbauern getötet. Sie besetzen das Dorf seit dem 28. November. Inzwischen konnten 60 BewohnerInnen fliehen, die verbliebenen Personen befinden sich jedoch in großer Gefahr, genau wie andere Kleinbauern in diesem Verwaltungsbezirk.

Appell an

PRÄSIDENT
Señor Presidente Juan Manuel Santos
Presidente de la República,
Palacio de Nariño,
Carrera 8 No.7-26, Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear President/Excmo. Sr. Presidente)
Fax: (00 57) 1 596 0631

MINISTER FÜR INNERES UND JUSTIZ
Señor Germán Vargas Lleras
Ministerio Del Interior y De Justicia
Carrera 9a. No. 14-10, Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Minister/Estimado Sr. Ministro)
Fax: (00 57) 1 599 8961

Sende eine Kopie an

MENSCHENRECHTSORGANISATION
Comisión Intereclesial de Justicia y Paz
Calle 61A, No. 17-26 (Chapinero)
Bogotá
KOLUMBIEN

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
I. E. Frau Dr. Maria Dora Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 24. Januar 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bin sehr besorgt um die Sicherheit der Zivilbevölkerung im Verwaltungsbezirk Argelia, die von einer paramilitärischen Offensive bedroht wird.

  • Leiten Sie bitte effektive Maßnahmen ein, um das Recht der Zivilbevölkerung auf Leben und ihr Recht zu gewährleisten, nicht in den Konflikt im Verwaltungsbezirk Argelia hineingezogen zu werden.

  • Führen Sie bitte eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Morde und Drohungen durch und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.

  • Fordern Sie die paramilitärischen Gruppen umgehend auf, die Waffen niederzulegen, entsprechend den von der kolumbianischen Regierung eingegangenen Verpflichtungen und den Empfehlungen der UN und anderer zwischenstaatlicher Organisationen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Expressing concern for the safety of the civilian population of Argelia Municipality, who are facing a paramilitary offensive.

  • Demanding that the authorities take decisive action to guarantee the civilian population's right to life and right not to be drawn into the conflict in Argelia municipality.

  • Demanding that the authorities order a full and impartial investigation into the threats and killings, and bring those responsible to justice.

  • Urging the authorities to take immediate action to dismantle paramilitary groups, in line with stated government commitments and recommendations made by the UN and other intergovernmental organizations.

Sachlage

Am 28. November blockierten etwa 120 schwer bewaffnete Angehörige einer paramilitärischen Gruppierung, die meisten von ihnen in Tarnbekleidung, das Dorf Las Perlas im Verwaltungsbezirk Argelias (Departement Cauca). Bekannte Paramilitärs sind bei Gesprächen und Patrouillen mit Soldaten gesehen worden. Gemeinsam haben sie an der Straße, die ins Dorf führt, Kontrollpunkte errichtet.

Am 30. November konnten etwa 60 Personen aus Las Perlas fliehen, darunter auch Kinder. Die paramilitärischen Einheiten halten den Großteil der BewohnerInnen aber noch immer eingeschlossen. Sie bedrohen die Zivilbevölkerung und drohen den Frauen mit sexuellen Übergriffen. Den verbliebenen BewohnerInnen wurde gesagt "wenn die Guerilla kämpft und einer von uns stirbt, werdet ihr auch sterben". (si la guerrilla combate y muere uno de nosotros, ustedes también se mueren).

Am 2. Dezember wurde der Kleinbauer Milton Díaz Cabezas von zwei Paramilitärs ermordet, nachdem sie ihn aus seinem Haus im nahegelegenen Dorf El Porvenir verschleppt hatten. Dort hatten in der Nacht zuvor Kämpfe zwischen Guerillaeinheiten und Paramilitärs stattgefunden.

Die Paramilitärs kündigten an, dass sie die Region kontrollieren wollen und sagten "es ist unser Ziel, die Gegend um El Plateado noch vor Ende dieses Jahres einzunehmen". (nuestro objetivo es tomarnos el Corrigimiento de El Plateado antes de que termine el año). Sie haben auch ZivilistInnen in anderen Gemeinden im Verwaltungsbezirk Argelia bedroht, in Las Cumbres, Cristales Altos, Cristales Bajos, Mirolindo, La Playa, La Primavera und Campo Alegre.

Obwohl die Gegend stark militarisiert ist, wurden offenbar keine Maßnahmen ergriffen, um den paramilitärischen Gruppierungen Einhalt zu gebieten.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die ländliche Gegend im Verwaltungsbezirk Argelia ist in den vergangenen Jahren immer stärker militarisiert worden, um die Guerillastreitkräfte in der Region aktiv zu bekämpfen. Auch paramilitärische Gruppierungen, die mit der Armee zusammenarbeiten, sind in der Gegend aktiv. Zu den Einheiten der Armee, die in der Region operieren, gehören die Bataillone José Hilario López, Boyacá, batallón de Alta Montaña 4, Grupo Cabal Mecanizado, die Anti-Guerilla-Bataillone 37 und 57 der 29. Brigade in Popayán und die mobilen Brigaden 14 und 19 der 3. Division der Armee.

Die paramilitärischen Gruppierungen in Kolumbien sind angeblich im Rahmen des von der Regierung finanzierten Demobilisierungsprozesses, der im Jahr 2003 begann, aufgelöst worden. Diese Gruppen operieren aber nach wie vor und begehen weiterhin schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen an MenschenrechtsverteidigerInnen und anderen ZivilistInnen. Manchmal geschieht dies sogar in geheimer Absprache mit den Sicherheitskräften oder mit deren Einverständnis.

In Argelia sind in den vergangenen Jahren viele Menschen von paramilitärischen Gruppierungen getötet oder bedroht worden. Am 6. Dezember nahmen Paramilitärs das Haus des Gemeindesprechers Orlando Bolaños ein. Er wurde dazu gezwungen, in eine Stadt im Departement Cauca zu fliehen, wo Paramilitärs ihn jedoch weiterhin bedrohen. Sein Haus im Dorf Cristales Altos wurde von paramilitärischen Gruppierungen schon mehrmals als Zentrale für ihre Operationen eingenommen.

Die Armee, paramilitärische Gruppierungen und Guerillastreitrkräfte begegnen ZivilistInnen mit Misstrauen und Feindseligkeit, wenn diese ihr Recht verteidigen, nicht in den bewaffneten Konflikt in Kolumbien hineingezogen zu werden, und sich weigern, sich für eine der Konfliktparteien zu entscheiden. Das Recht der Zivilbevölkerung, nicht in den Konflikt hineingezogen zu werden, wurde wiederholt verletzt: ZivilistInnen sind gezwungen worden, sich zwischen den Parteien zu entscheiden oder wurden getötet, wenn sie sich weigerten, dies zu tun.