Hinrichtung verschoben

Ergebnis dieser Urgent Action

Ein US-Bundesrichter hat die den Hinrichtungsaufschub von Romell Broom um zwei Monate verlängert. Der schwarze US-Bürger Romell Broom musste am 15. September eine missglückte Hinrichtung durch die Giftspritze über sich ergehen lassen.

Romell Broom

Romell Broom

Ein US-Bundesrichter hat die den Hinrichtungsaufschub von Romell Broom um zwei Monate verlängert. Der schwarze US-Bürger Romell Broom musste am 15. September eine missglückte Hinrichtung durch die Giftspritze über sich ergehen lassen.

Sachlage

Richter Gregory Frost vom US-Bundesbezirksgericht für den südlichen Bezirk Ohio (Southern District of Ohio) stellte am 18. September eine einstweilige Verfügung aus, in der er die Hinrichtung vom Romell Broom bis zum 28. September aussetzte. In einem Beschluss vom 22. September verlängerte er diese Verfügung um zwei Monate. Nach jetzigem Stand läuft die Verfügung am 30. November 2009 um 23:59 Uhr aus.

Am 18. September reichten die AnwältInnen von Romell Broom eine Klage beim Bezirksgericht ein, mit der sie erreichen wollten, dass der Bundesstaat Ohio nicht mehr versuchen darf, ihn hinzurichten, oder zumindest nicht, "ihn mit denselben fehlerhaften und verfassungswidrigen Methoden und Protokollen, die am 15. September angewandt wurden" hinzurichten. Die AnwältInnen erklärten, der gescheiterte Hinrichtungsversuch, bei dem das Personal, das die Hinrichtung durchführen sollte, wiederholt vergeblich versuchte, eine passende Vene für die tödliche Injektion zu finden, "war eine Art von Folter, bei der Broom einen langsamen und qualvollen Tod vor sich hatte." Unter anderem erklärten die AnwältInnen in der Klage, dass Romell Broom vor dem Hinrichtungsversuch "das Recht verweigert wurde, sich mit seinem Rechtsbeistand privat zu beraten", und dass, als es offensichtlich war, dass bei der Hinrichtung etwas sehr schief lief, seiner Anwältin der Zugang zu ihrem Klienten verweigert wurde ebenso wie ihm der Zugang zu ihr. Romell Broom hat eine eidesstattliche Erklärung unterschrieben, in der er den Versuch des Bundesstaates beschreibt, ihn hinzurichten (siehe Hintergrundinformationen).

Romell Broom sitzt bereits seit knapp 25 Jahren in der Todeszelle. Im Jahr 1985 wurde er wegen Vergewaltigung und Mordes an der 14-jährigen Tryna Middleton im September 1984 zum Tode verurteilt. Nachdem das Todesurteil im Berufungsverfahren bestätigt worden war, wollte Romell Broom sich einer laufenden Klage anschließen, welche die Verfassungsmäßigkeit der Hinrichtung durch die Giftspritze in Ohio in Frage stellte. Die Gerichte verwehrten ihm jedoch diese Möglichkeit mit der Begründung, die zulässige Frist sei abgelaufen und das Rechtsmittel hätte früher eingereicht werden sollen.

[HINTERGRUNDINFORMATIONEN ]

In einer eidesstattlichen Erklärung vom 17. September beschreibt Romell Broom, wie es ihm zwei Tage zuvor erging, als der Bundesstaat Ohio versuchte, ihn zu töten. Er erklärt, dass nach seinem letzten gescheiterten Rechtsmittel, der Gefängnisdirektor zu seiner Zelle kam und "mir den Hinrichtungsbefehl vorlas." Danach hätten zwei Justizangestellte damit begonnen, passende Venen zu suchen: "Die Justizangestellte hat drei Mal versucht, Venen in meinem linken Arm zu treffen. Ein zweiter Justizangestellter hat drei Mal versucht, Venen in meinem rechten Arm zu treffen. Nach diesen sechs Versuchen sagten die Justizangestellten mir, wir würden eine Pause machen."

Nach einer Pause von etwa zweieinhalb Minuten versuchte die Justizangestellte erneut, eine Vene in Romell Brooms linkem Arm zu finden. Er beschreibt, dass "sie einen Muskel getroffen haben muss, denn ich musste vor Schmerzen laut schreien." Der Justizangestellte versuchte es danach wieder mit dem rechten Arm. Er konnte zunächst eine Vene finden und versuchte, die Injektion zu setzen, "aber dann hat er die Vene verloren und es lief mir Blut den Arm herunter." Das Personal machte eine weitere Pause und Romell Broom erklärt dazu, dass er zu diesem Zeitpunkt "große Schmerzen hatte." Nachdem Romell Brooms linker Arm massiert und heiße Handtücher darauf gelegt worden waren, versuchte der Justizangestellte, "erneut, die Vene in meiner linken Armbeuge zu treffen und versuchte es dann drei Mal in meiner linken Hand." Romell Broom berichtet weiter, die Justizangestellte habe die Bemerkung gemacht, dass "Heroinkonsum meine Venen beeinträchtigt hat." "Ich war wütend über diese Bemerkung, weil ich noch nie Heroin oder andere intravenöse Drogen konsumiert habe."

Weiter berichtet Romell Broom in seiner eidesstattlichen Erklärung, dass er versucht hatte, dem Justizpersonal zu helfen, "indem ich dabei half, meinen eigenen Arm abzubinden", und "ein Justizvollzugsbeamter kam herein, klopfte auf meine Hand, um zu zeigen, dass er die Vene auch sah und versuchte dem Justizangestellten zu helfen, die Vene zu treffen." In seiner Erklärung erklärt Romell Broom, dass "der Leiter der Hinrichtung sagte, wir würden noch eine Pause machen und er sagte mir wieder, ich solle mich entspannen." "Da geriet ich sehr außer mir. Ich fing an zu weinen, weil ich solche Schmerzen hatte und meine Arme anschwollen. Die Justizangestellten steckten Infusionsnadeln in Stellen, die schon blau und geschwollen waren." Romell Broom bat, mit seinem Rechtsbeistand sprechen zu dürfen, aber seine Bitte wurde abgelehnt.

Romell Broom erklärt, dass danach die Leiterin des medizinischen Personals hereinkam und "versuchte, Venen in meinem rechten Knöchel zu finden." Die Infusionsnadel traf offenbar einen Knochen und es "war sehr schmerzhaft." Sie versuchte daraufhin, eine Vene in Romell Brooms linkem Unterschenkel zu treffen zur gleichen Zeit als der Justizangestellte versuchte, eine Vene in seinem rechten Knöchel zu treffen. Nach diesen gescheiterten Versuchen verließ die Leiterin des medizinischen Personals den Raum und nahm die Infusionsnadel mit. Der Justizangestellte versuchte daraufhin zwei Mal, eine Vene in Romell Brooms rechter Hand zu treffen. An diesem Punkt, so Romell Broom, "schien es, als hätten sie es am linken Arm aufgegeben, weil er blau und geschwollen war." Er berichtet, dass seine Schmerzen an diesem Punkt "die Höchstgrenze erreicht hatten." "Ich wurde mindestens 18 Mal in verschiedene Stellen gestochen." Die Hinrichtung wurde daraufhin abgebrochen.

Romell Brooms Hinrichtung wurde zunächst auf den 22. September verschoben. In seiner eidesstattlichen Erklärung heißt es: "Auf meine erneute Hinrichtung zu warten ist eine Qual. Es ist furchtbar, daran zu denken, dass der Bundesstaat Ohio mir nächste Woche dieselben Schmerzen zufügen will. Ich denke permanent an die Tatsache, dass ich wieder die gleiche Folter über mich ergehen lassen muss, die mir der Bundesstaat Ohio am Dienstag, dem 15. September 2009 zugefügt hat, weil sich das Hinrichtungsprotokoll von Ohio nicht geändert hat und meine Venen auch nicht."

Zurzeit sind keine weiteren Aktionen des Eilaktionsnetzes erforderlich. Vielen Dank allen, die Appelle geschrieben haben.