Gefangener im Hungerstreik

Kuba

Kuba

Der kubanische Aktivist Iván Fernández Depestre wurde am 30. Juli während eines friedlichen Protests festgenommen und befindet sich seitdem im Hungerstreik. Er wurde am 2. August wegen politisch motivierter Anschuldigungen zu drei Jahren Haft verurteilt. Amnesty International betrachtet ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen, der nur aufgrund der friedlichen Ausübung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung inhaftiert ist.

Appell an

STAATS- UND REGIERUNGSCHEF
Raúl Castro Ruz
Presidente de la República de Cuba
La Habana
KUBA
(Anrede: Su Excelencia / Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 41) 22 758 9431 (über die Vertretung Kubas in Genf)
oder (00 1) 212 779 16 97 (über die ständige Vertretung Kubas bei der UN)
E-Mail: cuba@un.int (c/o ständige Vertretung Kubas bei der UN)

GENERALSTAATSANWALT
Dr. Darío Delgado Cura, Fiscal General de la República
Fiscalía General de la República
Amistad 552
e/Monte y Estrella
Centro Habana
La Habana
KUBA
(Anrede: Señor Fiscal General / Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt / Dear Attorney General)

Sende eine Kopie an

INNENMINISTER
General Abelardo Colomé Ibarra
Ministro del Interior y Prisiones, Ministerio del Interior
Plaza de la Revolución
La Habana
KUBA
(Anrede: Su Excelencia / Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 1) 212 779 1697 (über die ständige Vertretung Kubas bei der UN)
E-Mail: correominint@mn.mn.co.cu

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KUBA
S.E. Herrn Raúl Becerra Egaña
Stavanger Str. 20
10439 Berlin
Fax: 030-916 4553
E-Mail:recepcion@botschaft-kuba.de oder
embacuba-berlin@botschaft-kuba.de oder
embacuba-berlin@t-online.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 23. Oktober 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte lassen Sie Iván Fernández Depestre sofort und bedingungslos frei, da es sich bei ihm um einen gewaltlosen politischen Gefangenen handelt, der sich nur deshalb in Haft befindet, weil er friedlich Gebrauch von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung gemacht hat.

  • Ich fordere Sie höflich auf, die strafrechtlichen Bestimmungen zur "Gefährlichkeit" abzuschaffen und alle Gesetze zu reformieren oder außer Kraft zu setzen, die eine unzulässige Einschränkung der Meinungs- und Vereinigungsfreiheit bedeuten. Des Weiteren bitte ich Sie eindringlich, in Einklang mit dem internationalen Völkerrecht und internationalen Standards unzulässige Einschränkungen der Rechte auf Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit aufzuheben.

  • Stellen Sie bitte sicher, dass Iván Fernández Depestre angemessenen Zugang zu qualifizierten ÄrztInnen erhält. Darüber hinaus bitte ich Sie eindringlich, weder Iván Fernández Depestre noch andere Gefangene für ihren Hungerstreik zu bestrafen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to release Iván Fernández Depestre immediately and unconditionally, as he is a prisoner of conscience, detained solely for peacefully exercising his right to freedom of expression.

  • Urging them to eliminate from the Criminal Code provisions regarding "dangerousness" and reform or repeal all legal provisions which unlawfully limit the rights to freedom of expression, assembly and association, and bring them in line with international law and standards.

  • Calling on them to ensure he is granted adequate access to qualified health professionals and to refrain from taking any punitive measures against him or any other prisoners for undertaking hunger strikes.

Sachlage

Am 30. Juli wurde Iván Fernández Depestre, der Mitglied von Dissidentengruppen ist, sowie fünf weitere AktivistInnen von BeamtInnen der Abteilung für Staatssicherheit festgenommen, als sie in Placetas in der Zentralprovinz Villa Clara friedlich demonstrierten, um dem kubanischen Nationalhelden Frank País zu gedenken. Bis auf Iván Fernández Depestre wurden später alle weiteren Personen wieder freigelassen. Er wurde wegen "Gefährlichkeit" (peligrosidad) angeklagt, die als "besondere Neigung einer Person, Verbrechen zu begehen" definiert ist. Die Anklage wegen "Gefährlichkeit" stellt eine Präventivbestimmung dar. Trunkenheit, Drogensucht und "asoziales Verhalten" werden unter dieser Bestimmung zum Strafbestand. Dies wird oft als Vorwand genutzt, um politische DissidentInnen, unabhängige JournalistInnen und RegierungskritikerInnen zu inhaftieren.

Am 2. August fand vor dem Strafgericht von Placetas in der Provinz Villa Clara ein Schnellverfahren statt, in dem Iván Fernández Depestre zu drei Jahren Haft verurteilt wurde. Amnesty International vorliegenden Berichten zufolge hatte er während des Gerichtsverfahrens keinen Rechtsbeistand. Iván Fernández Depestre befindet sich seit seiner Festnahme im Hungerstreik. Am 26. August wurde er für einen Tag in das Arnaldo Milián-Krankenhaus eingewiesen und anschließend auf die Krankenstation des Guamajal-Gefängnisses in Santa Clara überführt. Dort ist er seit seiner Verurteilung inhaftiert. Iván Fernández Depestre befindet sich nur aufgrund seiner Mitgliedschaft bei Dissidentengruppen sowie der friedlichen Teilnahme an einer Demonstration und Äußerung seiner politischen Meinung in Haft. Amnesty International betrachtet ihn daher als einen gewaltlosen politischen Gefangen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

In Paragraph 72 des kubanischen Strafgesetzbuches, der mit "Zustand der Gefährlichkeit" überschrieben ist, heißt es: "Mit einem Zustand der Gefährlichkeit ist die Neigung einer Person gemeint, Straftaten zu begehen, was sich in einem Verhalten offenbart, welches den Normen der sozialistischen Moral zuwiderläuft". (Se considera estado peligroso la especial proclividad en que se halla una persona para cometer delitos, demostrada por la conducta que observa en contradicción manifiesta con las normas de la moral socialista).

Iván Fernández Depestre wurde zu "Sicherheitsmaßnahmen" verurteilt, die für diejenigen bestimmt sind, "die in der Zukunft wahrscheinlich ein Verbrechen begehen werden" (medidas de seguridad predelictivas). Dem Urteil zufolge wurde er beschuldigt "sich mit asozialen Personen getroffen zu haben" ("por reunirse con personas antisociales"). Die Paragraphen 78 bis 84 des Strafgesetzbuches beschreiben die verschiedenen Maßnahmen, die ergriffen werden können. Dazu gehören Umerziehungsmaßnahmen, die zwischen einem und vier Jahren dauern und vorsehen, die betroffene Person in einer "speziellen Arbeits- oder Lehreinrichtung" (un establecimiento especializado de trabajo o de estudio) oder in einem Arbeitslager (colectivo de trabajo) zu internieren.

Paragraph 75 des Strafgesetzbuches legt fest, dass "die zuständige Polizeibehörde eine offizielle Warnung (Advertencia Oficial) herausgibt, zur Vorbeugung gesellschaftlich gefährlicher und krimineller Aktivitäten" (será objeto de advertencia por la autoridad policíaca competente, en prevención de que incurre en actividades socialmente peligrosas o delictivas).Die "Warnung" ist als rechtliches Dokument (acta) herauszugeben, welches ausdrücklich die Gründe für die jeweilige Warnung angibt sowie die Meinung der betroffenen Person über diese Warnung. Des Weiteren muss die Warnung von beiden Parteien unterschrieben werden. Amnesty International liegen Informationen vor, denen zufolge es unklar ist, ob Iván Fernández Depestre eine schriftliche oder mündliche "Warnung" von den Behörden erhalten hat.

Iván Fernández Depestre gehört den Dissidentenorganisationen "Movimiento Opositor Juventud Despierta", "Coalición Central Opositora" und "Frente Nacional de Resistencia Cívica y Desobediencia Civil Orlando Zapata" an, die nach kubanischem Gesetz nicht anerkannt sind. Vor der Demonstration in Placetas am 30. Juli nahm Iván Fernández Depestre in den vergangenen Wochen bereits an anderen friedlichen Demonstrationen in Placetas teil. Am 4. September wurden lokale AktivistInnen, die Iván Fernández Depestre im Guamajal Gefängnis besucht hatten, festgenommen, aber noch am selben Tag wieder freigelassen.