14-Jähriger inhaftiert

Child detainees in Bahrain

Child detainees in Bahrain

Der 14-jährige Bahrainer Ali Hatem Ali Salman wurde am 26. August 2013 festgenommen. Er soll während einer Vernehmung gefoltert und anderweitig misshandelt worden sein, um ihn zu einem "Geständnis" zu zwingen, dass er Unruhen gestiftet habe. Am 3. September verlängerte die Jugendstaatsanwaltschaft seine Haftdauer um eine Woche.

Appell an

KÖNIG
Shaikh Hamad bin 'Issa Al Khalifa
Office of His Majesty the King
P.O. Box 555
Rifa’a Palace
al-Manama
BAHRAIN
(Anrede: Your Majesty / Majestät)
Fax: (00 973) 1766 4587

INNENMINISTER
Shaikh Rashid bin 'Abdullah Al Khalifa
Ministry of Interior
P.O. Box 13
al-Manama
BAHRAIN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 973) 1723 2661
Twitter: @moi_Bahrain

Sende eine Kopie an

MINISTER FÜR JUSTIZ UND ISLAMISCHE ANGELEGENHEITEN
Shaikh Khalid bin Ali Al Khalifa
Ministry of Justice and Islamic Affairs
P.O. Box 450
al-Manama
BAHRAIN
Fax: (00 973) 1753 1284
E-Mail: minister@justice.gov.bh
Twitter: @Khaled_Bin_Ali

BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS BAHRAIN
S. E. Herrn Ebrahim Mohmood Ahmed Abdulla
Klingelhöfer Str. 7
10785 Berlin
Fax: 030-8687 7788
E-Mail: info@bahrain-embassy.de oder über die Website
http://www.bahrain-embassy.de/kontakt/

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 18. Oktober 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, TWITTERNACHRICHTEN ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte Sie dringend bitten, dafür zu sorgen, dass Ali Hatem Ali Salman weder gefoltert noch anderweitig misshandelt wird.

  • Bitte sorgen Sie unbedingt dafür, dass Ali Hatem Ali Salman gemäß den internationalen Normen der Jugendgerichtsbarkeit behandelt wird.

  • Ich fordere Sie höflich auf, eine unparteiische und unabhängige Untersuchung zu den Foltervorwürfen sowie weiteren Misshandlungen von Ali Hatem Ali Salman einzuleiten, und alle Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the Bahraini authorities to protect him from torture and other ill-treatment.

  • Urging them to ensure that Ali Hatem Ali Salman is treated in accordance with the international standards of juvenile justice.

  • Calling for an impartial and independent investigation into the reported torture and other ill-treatment of Ali Hatem Ali Salman and bring those found responsible to account.

Sachlage

Ali Hatem Ali Salman wurde in einem Café in der Nähe von Sanad südlich der bahrainischen Hauptstadt Manama festgenommen. Zuvor war in der Umgebung ein Polizeifahrzeug mit einem Molotowcocktail in Brand gesetzt worden. Ali Hatem Ali Salman spielte gerade ein Brettspiel mit seinen Freunden, als die Polizei ihn und fünf weitere festnahm. Anschließend wurde er mit verbundenen Augen zu einer Polizeiwache gebracht. Der 14-Jährige berichtete seiner Familie sowie seinem Rechtsbeistand, er sei während seiner Vernehmung geschlagen und mit Elektroschocks gequält worden, um ihn zu einem "Geständnis" zu zwingen, Unruhen gestiftet zu haben. Als Ali Hatem Ali Salman am 27. August dem Jugendstaatsanwalt vorgeführt wurde, stritt er die Anschuldigungen ab und berichtete von der Folter und den Misshandlungen, denen er ausgesetzt war. Der Jugendstaatsanwalt ordnete bis zum Abschluss der Ermittlungen eine siebentägige Haftstrafe an. Am 28. August wurde Ali Hatem Ali Salman um vier Uhr morgens in eine Jugendstrafanstalt überführt.

In der Anwesenheit von Ali Hatem Ali Salmans Vater und seinem Rechtsbeistand verlängerte der Jugendstaatsanwalt am 3. September seine Haftanordnung um weitere sieben Tage. Der 14-Jährige wird der "rechtswidrigen Versammlung" und der "Unruhestiftung" beschuldigt.

Am 5. September durfte die Familie von Ali Hatem Ali Salman ihn zum ersten Mal besuchen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Angesichts der aktuellen Gewaltzunahme und der geplanten Durchführung von Großdemonstrationen durch die Opposition traf sich das Parlament von Bahrain am 28. Juli zu einer außerordentlichen Sitzung und legte dem König von Bahrain, Scheich Hamad bin 'Issa Al Khalifah, anschließend 22 Empfehlungen vor. Diese sehen eine Verschärfung der im Antiterrorgesetz von 2006 festgelegten Strafen vor. Am 29. Juli wurden die Empfehlungen vom König gebilligt, der seinen Premierminister daraufhin anwies, ihre umgehende Umsetzung durch die Regierung zu gewährleisten. Nach Artikel 38 der Verfassung von Bahrain ist der König befugt, Verordnungen mit Gesetzeskraft zu erlassen, wenn sich das Parlament in den Ferien befindet. Unter diesen Umständen bereitet die Regierung die Gesetzesänderungen vor, die dann vom König ratifiziert werden.

Am 6. August erließ der König zwei Notverordnungen. Einer dieser Erlasse ändert das Gesetz über öffentliche Versammlungen und Demonstrationen aus dem Jahr 1973 und verbietet Demonstrationen, Sitzstreiks, Pro-testmärsche und öffentliche Versammlungen in der Hauptstadt Manama. Das Jugendschutzgesetz aus dem Jahr 1976 wurde ebenfalls reformiert. Darin steht nun, dass die Eltern von Jugendlichen unter 16 Jahren eine schriftliche Verwarnung des Innenministeriums erhalten, wenn die Jugendlichen an Demonstrationen, öffentlichen Versammlungen oder Sitzstreiks teilnehmen. Sollte der oder die Jugendliche sechs Monate nach der Verwarnung erneut bei einer Demonstration gesehen werden, drohen dem Vater eine Geld- oder Gefängnisstrafe oder beides. Amnesty International befürchtet, dass diese drakonischen Maßnahmen dazu dienen, hart gegen regierungskritische Demonstrationen vorzugehen, wie es bereits am 14. August der Fall war.

Am 14. August fanden in zahlreichen schiitischen Dörfern in Bahrain Anti-Regierungsdemonstrationen statt. Demonstrierende planten einen Protestmarsch nach Manama, wurden aber von PolizeibeamtInnen durch Tränengas, und in einigen Fällen sogar durch die Errichtung von Stacheldrahtabsperrungen um die Dörfer herum, davon abgehalten. Mindestens 18 Personen sind festgenommen worden. Die Tamarod-Bewegung, die sich aus Jugendgruppen zusammensetzt, prangerte bei den Anti-Regierungsdemonstrationen vom 14. August die Unterdrückung durch die Regierung an und forderte wirkliche politische Reformen. Andere Oppositionsvereinigungen hatten ebenfalls eine Anti-Regierungsdemonstration geplant, die jedoch aufgrund der äußerst hohen Präsenz von Sicherheitskräften in Manama abgesagt wurde.