Menschenrechtler in Foltergefahr

Katars Hauptstadt Doha

Katars Hauptstadt Doha

Die beiden britischen Staatsbürger Krishna Prasad Upadhyaya und Ghimire Gundev sind in Katar verschleppt worden, wo sie die Lebensumstände von Arbeitsmigrant_innen untersuchten. Sie sollen von katarischen Sicherheitskräften inhaftiert worden sein. Die beiden Männer könnten sich in Gefahr befinden, gefoltert oder anderweitig misshandelt zu werden.

Appell an

INNENMINISTER
His Excellency Sheikh Abdullah bin Nasser bin Khalifa Al Thani
Minister of the Interior
PO Box 920
Doha, KATAR
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

Fax: (00 974) 4432 2927
E-Mail: info@moi.gov.qa

GENERALSTAATSANWALT
Dr Ali bin Fetais Al Marri
PO Box 705
Doha, KATAR
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

Fax: (00 974) 4484 3211
E-Mail: info@pp.gov.qa

Sende eine Kopie an

EMIR VON KATAR
Sheikh Tamim bin Hamad bin Khalifa Al Thani
PO Box 923
Doha, KATAR
Fax: (00 974) 4436 1212

BOTSCHAFT DES STAATES KATAR
S.E. Herrn Abdulrahman bin Mohammed Al-Khulaifi
Hagenstr. 56
14193 Berlin
Fax: 030-8620 6150

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 16. Oktober 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bitte Sie, öffentlich zu machen, wo sich Krishna Prasad Upadhyaya und Gundev Ghimire befinden und sicherzustellen, dass beide Männer Zugang zu ihren Familienmitgliedern, ihrem Arbeitgeber, Rechtsbeiständen ihrer Wahl, diplomatischer Vertretung und zu jeglicher erforderlichen medizinischen Behandlung erhalten.

  • Lassen Sie die beiden Männer frei, sofern sie keiner international als Straftat anerkannten Handlung angeklagt werden und zeitnah ein Verfahren erhalten, das den internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren in vollem Umfang entspricht.

  • Stellen Sie außerdem sicher, dass die Männer in Haft vor Folter und anderer Misshandlung geschützt werden.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the Qatari authorities to publicly clarify the whereabouts of Krishna Upadhyaya and Gundev Ghimire and ensure that both men have access to their families and employer, lawyers of their choice, any medical attention they may require, and diplomatic representation.

  • Urging them to release the men if they are not to be charged with an internationally recognizable criminal offence and brought to trial promptly in proceedings fully meeting international fair trial standards.

  • Calling on them to ensure that neither man is subjected to torture or other ill-treatment in custody.

Sachlage

Der 52-jährige Menschenrechtsverteidiger Krishna Prasad Upadhyaya und der 36-jährige Fotograf Ghimire Gundev waren am 27. August in Katar angekommen, wo sie die Lebensumstände von nepalesischen Arbeitsmigrant_innen untersuchen wollten. Krishna Prasad Upadhyaya erzählte einem Freund in Norwegen drei Tage später, dass die katarische Polizei ihn und Ghimire Gundev verfolge und drangsaliere. Der Arbeitgeber der beiden Männer, die NGO Global Network for Rights and Development (GNRD), setzte sich am 31. August mit einem ausländischen Diplomaten in Verbindung, der bestätigte, dass er die beiden am Abend zuvor getroffen hatte und sie verfolgt worden seien.

Am 31. August checkte Krishna Prasad Upadhyaya aus seinem Hotel in der katarischen Hauptstadt Doha aus, verließ den Rezeptionsbereich jedoch nicht. Er sagte einem Freund in Norwegen, dass er glaube, er sei auf dem Weg zum Flughafen nicht sicher. Berichten zufolge hatte er für seinen Rückflug nach Norwegen eingecheckt, die Airline KLM bestätigte der GNRD gegenüber jedoch, dass er das Flugzeug nicht bestiegen habe.

Amnesty International hat im Zusammenhang mit dem Verschwinden der beiden Männer den katarischen Innenminister, die Leitung des Menschenrechtsbüros und den katarischen Botschafter in London angeschrieben. Die GNRD hat sich mit der britischen Botschaft in Doha und dem UN-Hochkommissariat für Menschenrechte in Verbindung gesetzt. Die Familien der beiden Männer sollen bei der britischen Polizei Anzeige in Zusammenhang mit deren Verschwinden erstattet haben.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Der Umgang mit Arbeitsmigrant_innen in Katar ist zu einem Schwerpunktthema für viele internationale Medien und Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International geworden. Im April 2014 veröffentlichte Amnesty International einen englischsprachigen Bericht mit dem Titel 'My sleep is my break': Exploitation of migrant domestic workers in Qatar zu der Situation der Arbeitsmigrant_innen in Katar, den Sie unter http://www.amnesty.org/en/library/info/MDE22/004/2014/en finden. Auch der im November 2013 veröffentlichte englischsprachige Bericht The dark side of migration: Spotlight on Qatar’s construction sector ahead of the World Cup, den Sie unter http://www.amnesty.org/en/library/info/MDE22/010/2013/en finden, behandelt dieses Thema.

2013 inhaftierten die katarischen Behörden zwei deutsche Filmemacher in Zusammenhang mit ihrer Arbeit zu Arbeitsmigrant_innen für etwa 24 Stunden.

Die Organisation Global Network for Rights and Development (GNRD) ist eine internationale NGO mit Hauptsitz in Norwegen. Die GNRD wurde 2008 gegründet und setzt sich mit Forschungsarbeit und Kampagnen für eine nachhaltige menschliche Entwicklung und Armutsbekämpfung ein. Neben dem Hauptsitz in Norwegen unterhält die Organisation noch acht Regionalbüros, darunter zwei in Afrika und zwei im Nahen Osten – eines in der jordanischen Hauptstadt Amman und eines in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die Familienmitglieder von Krishna Prasad Upadhyaya haben am 3. September in einer Erklärung angeben, dass er Vater von zwei Kindern ist und "sich seit mehr als 20 Jahren für die Freiheit und Rechte der Menschen einsetzt." Sie sagten außerdem, dass seine Arbeit "zu Zwangsarbeitern ihn nach Doha in Katar gebracht hat, wo er einen Bericht zu überlasteten Arbeitern, die in Not und Elend leben, abschließen wollte."

Auch die Angehörigen von Ghimire Gundev gaben am 4. September eine Erklärung ab. Sie sagten darin, dass er ebenfalls Vater von zwei Kindern ist und in London lebt. Ihren Angaben zufolge arbeitet er als Fotograf und Kameramann und engagiert sich für soziale Belange in Nepal. Sie erklärten weiterhin, dass seine Familie aus dem Vorland des Himalaya-Gebirges stammt.

Im Januar 2014 reiste die UN-Sonderberichterstatterin zur Unabhängigkeit von Richter_innen und Anwält_innen im Rahmen einer Untersuchungsmission nach Katar. Sie dankte der katarischen Regierung für die Kooperation, machte jedoch zahlreiche Mängel in der Rechtsprechung des Landes aus.