Gewerkschafter bedroht
Lage Kolumbiens
© Amnesty
Paramilitärs haben zahlreiche GewerkschafterInnen, von denen sich ein großer Teil in Tarifverhandlungen befindet, MenschenrechtsverteidigerInnen sowie Organisationen in Kolumbien bedroht.
Appell an
PRÄSIDENT
Señor Juan Manuel Santos
Presidente de la República
Palacio de Nariño
Carrera 8 No. 7-26
Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Estimado Sr. Presidente Santos / Sehr geehrter Herr Präsident Santos/ Dear President Santos)
Fax: (00 57) 1 596 0631
ARBEITSMINISTER
Rafael Pardo Rueda
Ministerio de Trabajo
Carrera 14, No. 99-33
Bogotá, KOLUMBIEN
(Anrede: Estimado Sr. Ministro Rueda / Sehr geehrter Herr Minister / Dear Minister Rueda)
Fax: (00 57) 1 489 3900, Durchwahl 2320
Sende eine Kopie an
GEWERKSCHAFT
SINTRAMIENERGETICA
Calle 34 No. 44-63
Piso 9
Oficina 9A
Barranquilla
KOLUMBIEN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S. E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 19. September 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich bin äußerst besorgt um die Sicherheit all jener, die in der paramilitärischen Morddrohung vom 4. August genannt werden, sowie um die Sicherheit der übrigen Mitglieder von SINTRAMIENERGETICA, FUNTRAENERGETICA und SINTRAIME.
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Ich möchte Sie mit Nachdruck auffordern, in Absprache mit den Betroffenen Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
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Leiten Sie bitte auch eine umfassende und unabhängige Untersuchung der Morddrohungen sowie bisheriger Angriffe und Drohungen ein, veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
- Leiten Sie sofortige Maßnahmen ein, um paramilitärische Gruppen sowie deren Verbindungen zu den Sicherheitskräften in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der Vereinten Nationen aufzulösen.
Sachlage
Am 4. August versandte die paramilitärische Gruppe Los Rastrojos (Los Rastrojos - Comandos Urbanos) eine E-Mail mit Morddrohungen. Darin erklärte sie 30 Personen, in der Mehrzahl GewerkschafterInnen, sowie eine Reihe von Organisationen zu militärischen Zielen und beschuldigte sie, Verbindungen zu Guerillakräften zu unterhalten. Ihre Drohungen richteten sich auch gegen die Familien dieser Personen.
Zu den in der E-Mail genannten Organisationen gehören u. a. die Gewerkschaft für Bergbau, Petrochemie, Agrarbrennstoffe und Energie (Sindicato Nacional de la Industria Minera, Petroquímica, Agrocombustible y Energética –SINTRAMIENERGETICA), der Gewerkschafts-Dachverband für Bergbau- und Energiearbeiter (Federación Unitaria de Trabajadores Mineros y Energéticos – FUNTRAENERGETICA) und die Gewerkschaft für Beschäftigte der Metallindustrie (Sindicato de Trabajadores de la Industria del Metal – SINTRAIME).
Bei mehreren der genannten Personen handelte es sich um Mitglieder von SINTRAMIENERGETICA und Angehörige einer Gewerkschaftsdelegation, die sich derzeit in Verhandlungen mit dem Bergbauunternehmen Drummond Ltd. befindet. Sie streiken seit über zwei Wochen, nachdem bisherige Verhandlungen gescheitert waren. In den vergangenen Monaten hatten Paramilitärs wiederholt Drohungen gegen Mitglieder und FunktionärInnen von SINTRAMIENERGETICA ausgesprochen. Auch Kleinbergleute (mineros artsanales) hatten Mitte Juli einen landesweiten Bergbaustreik begonnen, der von den in der Morddrohung genannten Gewerkschaften unterstützt wurde.
Hintergrundinformation
Im Laufe des seit Jahrzehnten andauernden bewaffneten Konflikts zwischen den linksgerichteten Guerillas und den Streitkräften, die zum Teil im stillen Einvernehmen mit Paramilitärs operieren, werden immer wieder Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und anderen Organisationen bedroht, getötet oder fallen dem Verschwindenlassen zum Opfer. Zwar heißt es, die paramilitärischen Gruppen Kolumbiens seien ab 2003 in einem von der Regierung unterstützten Prozess demobilisiert worden, doch zeigen die Drohungen gegen Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften eindeutig, dass sie noch immer aktiv sind.
Kolumbien hat weltweit eine der höchsten Mordraten an GewerkschafterInnen. Gewerkschaftsmitglieder werden im Zusammenhang mit Arbeitskämpfen und dem Einsatz für gerechtere Bezahlung und verbesserte Arbeitsbedingungen immer wieder mit dem Tod bedroht oder gar getötet. Sie sind anhaltenden Drohungen ausgesetzt, und viele wurden außergerichtlich hingerichtet oder fielen dem Verschwindenlassen zum Opfer. Verantwortlich dafür sind Paramilitärs, die entweder eigenständig oder mit dem Einverständnis der Sicherheitskräfte vorgehen. Zudem beschuldigen Streitkräfte und Paramilitärs häufig GewerkschafterInnen, SympathisantInnen oder UnterstützerInnen der Guerilla zu sein. Die Guerillatruppen sind ihrerseits ebenfalls für die Tötung und Bedrohung von Personen verantwortlich, die sie der Zusammenarbeit mit dem Feind beschuldigen.
Seit 2000 wurden wiederholt Mitglieder von SINTRAMIENERGETICA im Rahmen ihres Einsatzes für verbesserte Arbeitsbedingungen mit dem Tod bedroht oder getötet. In den vergangenen Monaten waren Mitglieder von SINTRAMIENERGETICA bei Arbeitskonflikten Ziel von Morddrohungen durch Paramilitärs.
Betroffen von der Morddrohung vom 4. August sind u. a. die Menschenrechtsverteidiger José Humberto Torres und Iván Cepeda sowie die Anwaltsvereinigung José Alvear Restrepo (Colectivo de Abogados José Alvear Restrepo).