Student in Foltergefahr

Der politisch engagierte Student Anas al-Shogre wird seit der Nacht auf den 15. Mai ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft gehalten. Der Grund für seine Festnahme ist vermutlich sein Aufruf zu Protesten in der syrischen Küstenstadt Banias, die er auch anführte. Er ist in großer Gefahr, gefoltert oder misshandelt zu werden.

Appell an

STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
Presidential Palace
al-Rashid Street, Damascus
SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency/Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 332 3410

AUßENMINISTER
Walid al-Mu’allim

Ministry of Foreign Affairs
al-Rashid Street
Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency/Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 214 6251

KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN
S.E. Herrn Radwan Loutfi
Rauchstr. 25
10787 Berlin
Fax: 030-5017 7311
E-Mail: info@syrianembassy.de oder press@syrianembassy.de, secretary@syrianembassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 16. August 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte meine Sorge darüber zum Ausdruck bringen, dass Anas al-Shogre seit dem 14. bzw. 15. Mai ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft gehalten wird. Stellen Sie sicher, dass er wirksam vor Folter und Misshandlungen geschützt wird.

  • Ich bin außerdem sehr besorgt darüber, dass Anas al-Shogre einzig deswegen in Haft gehalten wird, weil er in Banias zu Protesten aufrief und diese anführte In diesem Fall würde Amnesty International ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen betrachten, der einzig deswegen in Haft gehalten wird, weil er von seinen Rechten auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit Gebrauch gemacht hat, und seine sofortige und bedingungslose Freilassung fordern.

  • Geben Sie bitte umgehend den Aufenthaltsort von Anas al-Shogre und anderer Gefangenen bekannt, die im Zusammenhang mit den anhaltenden Protesten in Syrien festgenommen wurden. Stellen Sie sicher, dass sie umgehend Kontakt zu ihren Familien und einem Rechtsbeistand ihrer Wahl aufnehmen können und Zugang zur notwendigen medizinischen Versorgung erhalten. Sorgen Sie außerdem dafür, dass die Gefangenen wirksam vor Folter und Misshandlungen geschützt werden.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Express concern that Anas al-Shogre has been held incommunicado since 14-15 May, and call for him to be fully protected against possible torture or other ill-treatment.

  • Express concern that Anas al-Shogre is being held for calling for and leading protests in Banias and note that, if this is the case, Amnesty International would consider him a prisoner of conscience detained solely for peacefully exercising his rights to freedom of expression and assembly and call for his immediate and unconditional release.

  • Urge the Syrian authorities to take immediate steps to disclose the whereabouts of all detainees held in connection with ongoing protests, including Anas al-Shogre, and to give them immediate access to lawyers of their choosing and their families and any medical treatment they need, and to safeguard them from torture and other ill-treatment.

Sachlage

Nach Angaben eines syrischen Menschenrechtsverteidigers wurde Anas al-Shogre im Zuge eines Einsatzes der Sicherheitskräfte, der am 7. Mai begonnen hatte, in seinem Versteck in Banias festgenommen.

Die syrischen Behörden haben seinen Aufenthaltsort bislang nicht bekannt gegeben. Einer seiner Brüder, der außerhalb von Syrien lebt, berichtete Amnesty International, die Familie habe durch Mitgefangene, die ebenfalls während des Einsatzes der Sicherheitskräfte in Banias festgenommen worden waren und später freigelassen wurden, erfahren, dass Anas al-Shogre sich südlich von Banias in der Stadt Tartus in einer Einrichtung des Militärsicherheitsdienstes in Einzelhaft befand. Die ehemaligen Gefangenen gaben an, man habe ihn später nach Damaskus in eine Hafteinrichtung der Staatssicherheit überstellt. Sie teilten der Familie außerdem mit, dass sie gehört hätten, wie Anas al-Shogre, als er sich noch in der Einrichtung des Militärsicherheitsdienstes befand, schrie "Ich will nicht mehr leben, lasst mich sterben". Dies erhöht die Befürchtung, dass er Folter und Misshandlungen ausgesetzt ist. Die Familie von Anas al-Shogre hat sich bereits mehrfach zur Einrichtung des Militärsicherheitsdienstes begeben, um Kontakt mit ihm aufzunehmen. Das Militärsicherheitspersonal bestätigte zwar, dass Anas al-Shogre sich in einer der Einrichtungen befindet, wies die Familie jedoch gleichzeitig darauf hin, dass sie nicht das Recht habe, sich über ihn zu erkundigen, während er sich in besagter Einrichtung in Haft befindet und weigerte sich, nähere Informationen preiszugeben.

Die syrischen Behörden gaben keine offiziellen Gründe für die Inhaftierung von Anas al-Shogre bekannt. Der den Behörden nahe stehende private Fernsehsender Addounia soll jedoch berichtet haben, der Einsatz der Sicherheitskräfte in Banias sei mit dem Ziel durchgeführt worden, den "Terroristen" und "Leiter einer bewaffneten Gruppierung" Anas al-Shogre festzunehmen. Seine Familie sowie ortsansässige MenschenrechtsverteidigerInnen gehen jedoch davon aus, dass die Festnahme damit in Zusammenhang steht, dass Anas al-Shogre Proteste in Banias organisierte und anführte sowie über Menschenrechtsverletzungen durch die Behörden in Banias für Medien wie etwa den arabischsprachige Dienst der BBC berichtet hat. Amnesty International vermutet, dass Anas al-Shogre ein gewaltloser politischer Gefangener ist, der einzig deswegen inhaftiert wurde, weil er auf friedliche Weise von seinen Rechten auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit Gebrauch gemacht hat.

[EMPFOHLENE AKTIONEN]

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte meine Sorge darüber zum Ausdruck bringen, dass Anas al-Shogre seit dem 14. bzw. 15. Mai ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft gehalten wird. Stellen Sie sicher, dass er wirksam vor Folter und Misshandlungen geschützt wird.

  • Ich bin außerdem sehr besorgt darüber, dass Anas al-Shogre einzig deswegen in Haft gehalten wird, weil er in Banias zu Protesten aufrief und diese anführte In diesem Fall würde Amnesty International ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen betrachten, der einzig deswegen in Haft gehalten wird, weil er von seinen Rechten auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit Gebrauch gemacht hat, und seine sofortige und bedingungslose Freilassung fordern.

  • Geben Sie bitte umgehend den Aufenthaltsort von Anas al-Shogre und anderer Gefangenen bekannt, die im Zusammenhang mit den anhaltenden Protesten in Syrien festgenommen wurden. Stellen Sie sicher, dass sie umgehend Kontakt zu ihren Familien und einem Rechtsbeistand ihrer Wahl aufnehmen können und Zugang zur notwendigen medizinischen Versorgung erhalten. Sorgen Sie außerdem dafür, dass die Gefangenen wirksam vor Folter und Misshandlungen geschützt werden.

[APPELLE AN]

STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
Presidential Palace
al-Rashid Street, Damascus
SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency/Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 332 3410

AUßENMINISTER
Walid al-Mu’allim

Ministry of Foreign Affairs
al-Rashid Street
Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency/Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 214 6251

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BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN
S.E. Herrn Radwan Loutfi
Rauchstr. 25
10787 Berlin
Fax: 030-5017 7311
E-Mail: info@syrianembassy.de oder press@syrianembassy.de, secretary@syrianembassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 16. August 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.

Hintergrundinformation

Hintergrund

In der Stadt Banias begannen am 18. März, einem Freitag, nach dem Mittagsgebet Massenproteste für politische Reformen und gegen den amtierenden Staatspräsidenten Bashar al-Assad. Berichten zufolge soll Anas al-Shogre vor einer Runde von Gläubigen eine Rede gehalten haben, in der er sie dazu aufrief, auf die Straße zu gehen und ihre Freiheit einzufordern. Er soll gesagt haben: "Ich werde für Freiheit demonstrieren, auch wenn ich der einzige bin." Syrische MenschenrechtsverteidigerInnen und die lokalen Koordinierungskomitees (LCC), die ein Netzwerk lokaler Organisationen zur Ausrichtung von Demonstrationen bilden, berichteten, dass Anas al-Shogre eine wichtige Rolle bei der Organisation von Demonstrationen in seiner Stadt sowie für die Berichterstattung vor Ort übernahm. Untenstehend finden Sie Links zu Telefoninterviews, die er dem arabischsprachigen Dienst der BBC und dem arabischsprachigen Fernsehsender Al Hiwar mit Sitz in London gegeben hat.

BBC: http://www.youtube.com/watch?v=R_Bmi5Fu6EA&feature=player_embedded
Al Hiwar: http://www.youtube.com/watch?v=vuJHhVLlXws&feature=player_embedded

Der Bruder von Anas al-Shogre berichtete, dass dieser kurz nach Beginn der Demonstrationen in Banias vom Militärsicherheitsdienst in der Stadt Tartus vorgeladen worden war, wo man ihn aufgefordert haben soll, seine Aktivitäten zu stoppen. Darüber hinaus äußerte sich Anas al-Shogres Bruder Amnesty International gegenüber dahingehend, dass ein Offizier der Republikanischen Garde Anas al-Shogre telefonisch kontaktierte und ihm Geld anbot, wenn dieser seinen Aufruf zu Protesten öffentlich zurücknehmen würde. Anas al-Shogre soll daraufhin geantwortet haben: "Ich habe keine persönlichen Ansprüche. Was ich fordere, ist die Freiheit meines Landes."
Während eines vorhergehenden Einsatzes der Sicherheitskräfte in Banias erklärte Anas al-Shogre am 17. April als Reaktion auf eine ihn betreffende Terrorismusanschuldigung durch die syrischen Medien in einem Internetvideo "Wir sind unbewaffnet. Unsere Waffe ist die verbale Forderung nach Freiheit. Unsere Waffen sind die Gedanken, der Stift und die Kamera."
Siehe http://www.youtube.com/watch?v=fCer6fnz-Kc&feature=player_embedded

Am 11. Mai wurden Militärpanzer, die aufgrund eines Sicherheitskräfteeinsatzes, der am 7. Mai begonnen hatte, in Banias stationiert waren, zurückgezogen. Daraufhin strahlte der Fernsehsender Addounia TV "Geständnisse" von Personen aus, die als "Mitglieder einer Terroristenvereinigung" bezeichnet wurden. Sie behaupteten, dass Anas al-Shogre zusammen mit anderen dazu aufgerufen habe, Waffen einzusetzen, dass er mit "Fernsehsendern zusammenarbeite, denen er Informationen übermittelte, auch wenn es sich dabei nur um Gerüchte handelte und dass er eine Reihe ungebildeter Personen dazu angestiftet hat, als Zeugen auszusagen."
Siehe: http://www.youtube.com/watch?v=vborP7bQZak&has_verified=1

Der Bruder von Anas al-Shogre und einige syrische Menschenrechtsverteidiger erklärten Amnesty International gegenüber, dass sie diese Anschuldigungen für unwahr halten und begründeten dies mit ihrer Kenntnis über die tatsächlichen Aktivitäten von Anas al-Shogre und dem Mangel an Glaubwürdigkeit derer, die sie geäußert haben.