Menschenrechtsverteidiger bedroht

Landkarte, Kolumbien / Norden

Landkarte Kolumbien

Paramilitärs haben gedroht, die beiden Menschenrechtsverteidiger Hernando Mejía López und David Espinoza in der Stadt Barrancabermeja im Norden Kolumbiens zu töten.

Appell an

PRÄSIDENT
Sr. Juan Manuel Santos
Presidente de la República de Colombia
Palacio de Nariño, Carrera 8 No. 7-26
Bogotá D. C.
KOLUMBIEN
(Anrede: Excmo. Sr. Presidente Santos /
Dear President Santos / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 57) 1 596 0631

GENEREALSTAATSANWALT
Eduardo Montealegre
Fiscalía General de la Nación
Diagonal 22B No. 52-01 (Ciudad Salitre)
Bloque C Piso 4
Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Estimado Sr. Fiscal General / Dear Attorney General / Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)
Fax: (0057) 1 570 2000 (bei automatischer Ansage bitte Durchwahl 2023 wählen)

Sende eine Kopie an

NGO
Pax Christi Barrancabermeja
Calle 62 No. 36-03
Barrio La Esperanza
Barrancabermeja
KOLUMBIEN

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S.E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030 26 39 61 25
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 12. September 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, LUFTPOSTBRIEFE ODER EMAILS MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte meine große Sorge darüber zum Ausdruck bringen, dass Hernando Mejía López, David Espinoza und weitere Mitglieder der NGO Pax Christi in Barrancabermeja am 24. Juli Drohungen von Paramilitärs erhalten haben. Ich bitte Sie, in Absprache mit den Betroffenen geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um ihre Sicherheit zu garantieren.

  • Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass die Drohungen umfassend und unabhängig untersucht werden. Sorgen Sie bitte dafür, dass die Ergebnisse dieser Untersuchungen anschließend veröffentlicht und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.

  • Ich erwarte, dass paramilitärische Gruppen unverzüglich aufgelöst werden. Dies sollte in Einklang mit den von der Regierung eingegangenen Verpflichtungen und den Empfehlungen der UN sowie anderer zwischenstaatlicher Organisationen geschehen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Expressing concern that Hernando Mejía López, David Espinoza and other members of Pax Christi Barrancabermeja were threatened by paramilitaries on 24 July, and calling on the authorities to provide them with effective protection, in line with their wishes.

  • Demanding that the authorities order full and impartial investigations into the threats and publish the results and bring those responsible to justice.

  • Urging them to take immediate action to dismantle paramilitary groups, in line with stated government commitments and recommendations made by the UN and other intergovernmental organizations.

Sachlage

Am 24. Juli wurde ein Briefumschlag unter die Tür des Büros der NGO Pax Christi Barrancabermeja geschoben. Die NGO gehört einem Zusammenschluss von Menschenrechtsorganisationen (Espacio de Trabajadores y Trabajadoras de Derechos Humanos –ETTDH) in Barrancabermeja an. Der Briefumschlag beinhaltete zwei Gewehrkugeln und eine Morddrohung mit dem Logo der paramilitärischen Gruppe "Los Rastrojos Comandos Urbanos", die an Hernando Mejía López und David Espinoza gerichtet war. In dem Schreiben hieß es: "Wenn Sie beide nicht in zwei Tagen verschwinden, wird sich das Blei, das in diesem Briefumschlag ist, bald in Ihrer Brust befinden (…si no se van en dos dias [sic] o el plomo que viene en el sobre lo tendran [sic] muy pronto en el pecho ustedes dos).

Hernando Mejía López und David Espinoza arbeiten in von Armut geprägten Vierteln von Barrancabermeja im Bereich der Menschenrechtsbildung und der Gemeindeseelsorge – insbesondere mit jungen Menschen. Sie diskutieren mit ihnen über die politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Hintergründe, vor denen Menschenrechtsverletzungen in Kolumbien stattfinden und schaffen ein Bewusstsein für die Menschenrechtssituation im Land.

Ein Mitglied von Pax Christi Barrancabermeja war am 29. Juni von einem Mann angerufen worden, der angab, aus der örtlichen Handelskammer anzurufen, später jedoch sagte, er gehöre zu der paramilitärischen Gruppe "Los Urabeños". Der Anrufer lud das Mitglied von Pax Christi zu einem Treffen von GemeindesprecherInnen ein, bei dem Paramilitärs eine "soziale Säuberung" vornehmen würden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

In dem seit langem andauernden bewaffneten Konflikt in Kolumbien, in dem Sicherheitskräfte, teilweise in Zusammenarbeit mit Paramilitärs, gegen Guerillagruppen kämpfen, sind Zivilpersonen die Hauptleidtragenden. Mitglieder von Gewerkschaften, Menschenrechtsorganisationen und anderen gesellschaftlichen Organisationen werden von den Sicherheitskräften und den Paramilitärs häufig als KollaborateurInnen oder UnterstützerInnen von Guerillagruppen bezeichnet. In der Folge werden sie häufig bedroht, entführt oder sogar getötet.

Die paramilitärischen Gruppen Kolumbiens sollten in einem von der Regierung geförderten und 2003 begonnenen Prozess demobilisiert werden. Aufgrund der Drohungen gegen Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften in Barrancabermeja und an anderen Orten, ist es jedoch offensichtlich, dass sie weiterhin aktiv sind. Paramilitärische Gruppierungen, die oft auch als "kriminelle Banden" bezeichnet werden, begehen schwere Menschenrechtsverletzungen wie "soziale Säuberungsaktionen" in den Armenvierteln der Städte und Tötungen. Zudem werden ihnen Fälle von Verschwindenlassen zur Last gelegt.

Guerillagruppen haben schon mehrere MenschenrechtsverteidigerInnen bedroht oder getötet, da sie der Ansicht waren, diese würden mit ihren GegnerInnen zusammenarbeiten.

Die NGO Pax Christi, eine internationale Friedensbewegung, gehört dem Zusammenschluss von Menschenrechtsorganisation "Espacio de Trabajadores y Trabajadoras de Derechos Humanos" (ETTDH) in Barrancabermeja an. Im ETTDH haben sich verschiedene zivilgesellschaftliche Gruppen zusammengeschlossen, darunter Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und LGBTI-AktivistInnen in Barrancabermeja.

In den vergangenen Wochen sind mehrfach Morddrohungen gegen MenschenrechtsverteidigerInnen in Barrancabermeja ausgesprochen worden. (s. UA-190/2013: https://www.amnesty.de/urgent-action/ua-190-2013/paramilitaers-bedrohen-menschenrechtlerinnen und UA-178/13: https://www.amnesty.de/urgent-action/ua-178-2013/morddrohungen-gegen-gewerkschafter.