Oppositionelle in Foltergefahr
Ungefähr 250 Personen sollen im Zuge des harten Vorgehens gegen schiitische Oppositionelle und Aktivist_innen im Vorfeld der für den 23. Oktober angesetzten Wahlen festgenommen worden sein.
Appell an
MINISTERPRÄSIDENT
Shaikh Khalifa bin Salman Al Khalifa
Prime Minister
Office of the Prime Minister
P.O. Box 1000, al-Manama
BAHRAIN
(korrekte Anrede: Your Highness)
Fax: (00 973) 1753 3033
AUßENMINISTER
Shaikh Khalid Bin Ahmed Bin Mohamed Al Khalifa
Minister of Foreign Affairs
Ministry of Foreign Affairs
P.O. Box 547, al-Manama
BAHRAIN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
Fax: (00 973) 1721 2603
JUSTIZMINISTER
Shaikh Khaled bin Ali Al Khalifa
Minister of Justice and Islamic Affairs
Ministry of Justice and Islamic affairs
P.O. Box 450, al-Manama
BAHRAIN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
Fax: (00 973) 1753 6343
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS BAHRAIN
S.E. Herrn Ahmed Mohamed Yousif Aldoseri
Klingelhöfer Str. 7
10785 Berlin
E-Mail: info@bahrain-embassy.de
Fax: 030-8687 7788
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 19. November 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich fordere Sie hiermit auf, den Gefangenen regelmäßigen Kontakt zu ihren Familien und Gespräche unter vier Augen mit ihren Rechtsbeiständen zu ermöglichen.
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Bitte leiten Sie umgehend eine umfassende und unabhängige Untersuchung ein, um den Foltervorwürfen nachzugehen, die die Familienangehörigen und Anwält_innen im Namen einiger Gefangenen erhoben haben.
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Behördenvertreter_innen und andere Personen, die für Folterungen oder anderweitige Misshandlungen von Gefangenen verantwortlich sind, müssen in Übereinstimmung mit internationalen Menschenrechtsstandards vor Gericht gestellt werden.
- Bitte sorgen Sie dafür, dass alle willkürlichen Einschränkungen für Menschenrechtsorganisationen und sonstige Aktivist_innen in Bahrain aufgehoben werden.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Urging the Bahraini authorities to allow detainees regular access to their lawyers in private and to their families;
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Calling on the Bahraini authorities to carry out a prompt and thorough independent investigation into the allegations of torture and other ill-treatment made by the families and lawyers on behalf of some of the detainees;
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Urging that any officials or others found responsible for torturing or otherwise ill-treating detainees be brought to justice in line with international human rights law;
- Urging the Bahraini government to lift all arbitrary restrictions on human rights organizations and activists in Bahrain.
Sachlage
Im August wurden bereits 23 schiitische Menschenrechtsverteidiger und politische Aktivisten festgenommen. Seitdem haben die Behörden in Verbindung mit Demonstrationen gegen die Regierung sowie Unruhen in schiitischen Städten und Dörfern nach Schätzungen von bahrainischen Aktivist_innen weitere 230 Personen in Gewahrsam genommen, die alle Schiiten sein sollen. Amtliche Zahlen hierzu wurden noch nicht veröffentlicht. Im Zuge der genannten Vorfälle brannten einige Demonstrierende Autoreifen ab und warfen Molotowcocktails auf die Sicherheitskräfte.
In den ersten Wochen des Gewahrsams wurden alle Festgenommenen ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft gehalten. Manchen wurden mittlerweile Besuche von Angehörigen gestattet. Einige der 23 im August festgenommenen Männer durften ihre Rechtsbeistände bislang nur einmal sehen, und zwar beim Erscheinen vor der Staatsanwaltschaft. Sie durften jedoch nicht mit ihnen sprechen. Alle anderen Festgenommenen hatten noch gar keinen Kontakt zu anwaltlicher Vertretung. Dies verstärkt das Risiko der Folter und anderer Misshandlung, dem die Gefangenen möglicherweise ausgesetzt sind. Nach Angaben von Familienangehörigen und Anwält_innen sind einige der 23 im August festgenommenen Männer während des Gewahrsams gefoltert worden. Die Regierung streitet dies ab und verbietet die Veröffentlichung von Informationen zur Situation der ca. 250 Gefangenen. Auf Zuwiderhandlung steht eine Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr. Einen Antrag der Organisation Human Rights Watch, einige der Gefangenen sehen zu dürfen, haben die Behörden in den vergangenen Tagen abgewiesen.
Seit den ersten Festnahmen im August haben die bahrainischen Behörden die Aktivitäten vieler Menschenrechtsaktivist_innen und –organisationen willkürlich eingeschränkt. Im September löste die Regierung den Vorstand der offiziell zugelassenen Bahrainischen Menschenrechtsvereinigung (Bahraini Human Rights Society – BHRS) auf, nachdem die Organisation die Regierung wegen Menschenrechtsverletzungen an den 23 im August festgenommenen Männern kritisiert hatte. Die Behörden warfen der Vereinigung "Rechtsverstöße und Verwaltungsfehler" sowie die Zusammenarbeit mit "illegalen Organisationen" vor. Ein Beamter des Ministeriums für Soziale Entwicklung ist als vorläufiger Verwalter eingesetzt worden. In den vergangenen Wochen waren drei Menschenrechtsaktivist_innen zunächst an der Ausreise gehindert worden, die im Ausland unter anderem an Sitzungen und Workshops zum Thema Menschenrechte teilnehmen wollten. Später teilte man ihnen mit, dass sie ohne Beschränkungen ausreisen könnten.
Hintergrundinformation
Bahrain ist eine konstitutionelle Monarchie unter König Sheikh Hamad bin Issa al Khalifa. Der Regierungschef ist Ministerpräsident Sheikh Khalifa bin Salman al Khalifa. Sein Kabinett umfasst 20 Minister, von denen 80 Prozent der Königsfamilie angehören und der sunnitischen Ausrichtung des Islam folgen.
Das Parlament des Landes setzt sich aus der Abgeordnetenkammer, dessen Mitglieder gewählt werden, und dem Schura-Rat, dessen Mitglieder vom König ernannt werden, zusammen. Bei den Wahlen zur Abgeordnetenkammer 2006 erlangte die schiitische islamistische Gruppierung al Wifaq 17 der 40 Sitze. Die neue Abgeordnetenkammer besteht vornehmlich aus Mitgliedern sunnitischer und schiitischer islamistischer Gruppierungen. Bei den Wahlen 2006 gab es immer wieder Berichte über Menschenrechtsverletzungen.
Seit 2006 kommt es in mehrheitlich schiitischen Dörfern immer wieder zu Aufständen gegen die Regierung. Die Polizei soll im Kontext dieser Aufstände und anderer Unruhen exzessive Gewalt eingesetzt haben.
Die nächsten Wahlen sind für den 23. Oktober 2010 angesetzt.