Demonstrierende immer noch in Haft

Drei führende TeilnehmerInnen einer Demonstration gegen zu hohe Stromrechnungen im Südosten von Mexiko befinden sich seit ihrer Festnahme im Juli 2009 in Haft. In den kommenden Wochen wird ein Richter entscheiden, ob sie in Haft bleiben müssen und das Verfahren gegen sie fortgeführt werden soll. Es handelt sich bei ihnen um gewaltlose politische Gefangene, die lediglich wegen der friedlichen Wahrnehmung ihres Rechtes auf freie Meinungsäußerung inhaftiert sind.

Appell an

STAATSPRÄSIDENT
Lic. Felipe de Jesús Calderón Hinojosa
Residencia Oficial de "Los Pinos",
Col. San Miguel Chapultepec, México D.F., C.P. 11850, MEXIKO
(korrekte Anrede: Señor Presidente/
Dear Mr President)
Fax: (00 52) 55 50 93 53 21
E-Mail: felipe.calderon@presidencia.gob.mx

GENERALSTAATSANWALT
Arturo Chávez Chávez
Procuraduría General de la República
Av. Paseo de la Reforma nº 211-213,
Col. Cuauhtémoc, Del. Cuauhtémoc
México D.F., C.P. 06500
MEXIKO
(korrekte Anrede: Dear Attorney General/
Señor Procurador General)
Fax: (00 52) 55 5346 0908
E-Mail: ofproc@pgr.gob.mx

INNENMINISTER
Lic. Fernando Francisco Gómez-Mont Urueta
Secretaría de Gobernación, Bucareli 99,
1er. piso, Col. Juárez, Del. Cuauhtémoc, México D.F., C.P.06600
MEXIKO
Fax: (00 52) 55 5093 3414
E-Mail: secretario@segob.gob.mx

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN MEXIKANISCHEN STAATEN
Herrn Miguel Angel Padilla Acosta, Geschäftsträger a.i. (Gesandter)
Klingelhöferstraße 3, 10785 Berlin
Fax: 030-26 93 23-700
E-Mail: mail@embamexale.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 23. April 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Fordern Sie die Behörden auf, die gewaltlose politischen Gefangenen Sara López, Joaquín Aguilar und Guadalupe Borja umgehend und bedingungslos freizulassen.

  • Appellieren Sie an die Behörden, gründliche und unparteiische Untersuchungen der Berichte einzuleiten, denen zufolge das Strafjustizsystem missbraucht worden ist, um Demonstrierenden zu inhaftieren, um sie auf diese Weise daran zu hindern, für sich und ihre Gemeinde gerechtere Strompreise auszuhandeln.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to release Sara López, Joaquín Aguilar and Guadalupe Borja immediately and unconditionally, as they are prisoners of conscience.

  • Calling for a thorough and impartial investigation into the misuse of the judicial system to wrongfully imprison the protesters and prevent them negotiating on behalf of their community for fairer electricity prices.

Sachlage

Sara López, Joaquín Aguilar und Guadalupe Borja sind führende Mitglieder einer Organisation im östlich gelegenen Bundesstaat Campeche, die sich gegen die hohen Stromkosten des staatlichen Stromversorgungsunternehmens Comisión Federal de Electricidad wendet. Die Mitglieder der nationalen Bewegung gegen überteuerte Stromtarife (Movimiento Nacional contra las Altas Tarifas de Energía Eléctrica) wurden im Juli 2009 festgenommen, nachdem sie an friedlichen Demonstrationen teilgenommen hatten. Seitdem befinden sie sich im Gefängnis. Elmer Castellanos und Guadalupe Vizcaíno, zwei weitere zur selben Zeit festgenommene DemonstrantInnen, wurden Ende September 2009 freigelassen, nachdem sie erfolgreich Rechtsmittel gegen die Fortdauer ihrer Haft eingelegt hatten.

Nachdem am 25. September 2008 in der Stadt Candelaria der Strom abgestellt worden war, begaben sich etwa 40 BewohnerInnen zur örtlichen Dienststelle des staatlichen Stromversorgungsunternehmens und baten darum, die Stromverbindung wieder herzustellen. Das Unternehmen hatte einigen der Gemeindemitglieder den Strom abgestellt, weil sie nicht in der Lage waren, ihre Rechnungen zu begleichen. Zu dieser Maßnahme hatte sich das Unternehmen entschieden, obwohl zu dem Zeitpunkt noch Verhandlungen zwischen den Betroffenen und dem Stromanbieter stattfanden. Nach der Demonstration erstattete der Anwalt des Stromunternehmens bei der Bundesstaatsanwaltschaft Anzeige gegen die zahlungsunfähigen Schuldner des Unternehmens. Die Anzeige lautete auf"Behinderung bei der Bereitstellung einer öffentlichen Dienstleistung". Am 25. Juni 2009 erhob die Bundesstaatsanwaltschaft Anklage und ergänzte diese um den Tatbestand "Freiheitsberaubung in Form einer Geiselnahme". Somit konnten die fünf Gefangenen nicht gegen Kaution freigelassen werden. Wegen beider Vergehen wurden Haftbefehle gegen insgesamt 14 Personen ausgestellt. Fünf der Gesuchten wurden festgenommen, zwei von ihnen ließ man nach einer Beschwerde wieder frei. Sara López, Joaquín Aguilar und Guadalupe Borja befinden sich jedoch noch immer in Haft.

Am 6. Januar 2010 entschied ein Bundesberufungsgericht, dass die Beweise gegen die drei Personen haltlos seien und nicht einmal den Verdacht erhärteten, dass überhaupt eine Straftat begangen worden ist. Die Bundesstaatsanwaltschaft legte jedoch Rechtsmittel gegen das Urteil des Berufungsgerichts ein. Sara López, Joaquín Aguilar und Guadalupe Borja müssen somit in Haft bleiben, bis ein anderer Richter die Entscheidung des Berufungsgerichts überprüft hat. Dies dürfte in den kommenden Wochen geschehen. Amnesty International befürchtet, dass die Bundesstaatsanwaltschaft die zusätzliche Anklage wegen Entführung konstruiert hat, als Vergeltungsmaßnahme gegen die InitiatorInnen des Protests.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die Mitglieder der Bewegung gegen hohe Stromtarife in Candelaria leben in Armut und können die alle zwei Monate anfallenden Stromkosten in Höhe von rund 5.000 mexikanischen Pesos (etwa 290 Euro) nicht aufbringen. Die extrem hohen Strompreise trieben sie noch tiefer in die Armut und erschwerten es ihnen, andere Grundbedürfnisse wie etwa den Kauf von Nahrungsmitteln zu befriedigen. Für einige Mitglieder der Organisation ist Strom unerlässlich, um die Pumpen in ihren Trinkwasserbrunnen in Betrieb zu halten. Gemeindemitglieder beschlossen, sich zu organisieren, um einen würdigen Lebensstandard und gerechte Energiepreise zu fordern, die auf der Grundlage der sozialen und wirtschaftlichen Situation der jeweiligen Gemeinden ausgehandelt werden.