Erneuter Drohanruf

Der Menschenrechtsverteidiger Jorge Arzave Orihuela hat erneut einen Drohanruf in seinem Haus in Lomas de San Francisco Tepojaco im Bundesstaat México erhalten. Er und seine Familie befinden sich in Gefahr.

Appell an

GENERALSTAATSANWALT
DER VEREINIGTEN MEXIKANISCHEN STAATEN
Jesús Murillo Karam
Paseo de la Reforma 211-213
Col. Cuauhtémoc
México D.F., C.P. 06500, MEXIKO (Anrede: Dear Attorney General / Sr. Procurador General / Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)
Fax: (00 52) 55 5346 0908
E-Mail: ofproc@pgr.gob.mx

GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES MÉXICO
Eruviel Avila Villegas
Palacio del Poder Ejecutivo
Lerdo Poniente No. 300

Col. Centro, C.P. 50000
Toluca, México, MEXIKO (Anrede: Dear Governor / Sr. Gobernador / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (00 52) 722 276 0046
E-Mail: eruviel.avila@edomex.gob.mx

Sende eine Kopie an

ÖRTLICHE NICHTREGIERUNGSORGANISATION
Centro de Derechos Humanos Miguel Agustín Pro Juárez
E-Mail: accionesurgente@centroprodh.org.mx

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN MEXIKANISCHEN STAATEN
I. E. Frau Patricia Espinosa Cantellano
Klingelhöferstraße 3
10785 Berlin
Fax: 030-26 93 23 700
E-Mail: mail@mexale.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 29. Juli 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich fordere Sie auf, die Sicherheit von Jorge Arzave Orihuela und seinen Familienangehörigen in Absprache mit ihnen sicherzustellen.

  • Führen Sie bitte umgehend eine umfangreiche und unparteiische Untersuchung des Drohanrufs durch, den Jorge Arzave Orihuela am 13. Juni erhalten hat, und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.

  • Ich möchte Sie auch an Ihre Verpflichtung erinnern, dafür Sorge zu tragen, dass Menschenrechtsverteidiger_innen ihrer Tätigkeit ohne Angst vor Repressalien nachgehen können, wie es in der UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger_innen von 1998 dargelegt ist.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the authorities to guarantee the safety of Jorge Arzave Orihuela and his family in accordance with their wishes.

  • Urging them to order a full, prompt and impartial investigation into the threatening phone call Jorge Arzave Orihuela received on 13 June and bring those responsible to justice.

  • Reminding the authorities of their duty to guarantee that human rights defenders can carry out their work without fear of reprisals, as established in the 1998 UN Declaration on Human Rights Defenders.

Sachlage

Am 13. Juni erhielt Jorge Arzave Orihuela einen weiteren Drohanruf. Er ging von einem Mann aus, der laut eigenen Angaben einer berüchtigten Gruppierung des organisierten Verbrechens angehörte. Der Anrufer sagte, dass man Jorge Arzave Orihuela am Vortag "besucht" (ayer lo habían pasado a "visitar") und Fotos von ihm geschossen habe und dass man ihn "entführen" werde (que lo iban a "levantar"). Jorge Arzave Orihuela hat diesen Vorfall den Behörden gemeldet. Allerdings hat er keine Anzeige erstattet, da Anzeigen in der Vergangenheit nicht zu wirksamen offiziellen Ermittlungen geführt haben.

Einige Stunden vor dem Drohanruf hatte Jorge Arzave Orihuela mit Vertreter_innen der nationalen Stelle für den Schutz von Menschenrechtsverteidiger_innen und Journalist_innen (Mecanismo de Protección para Personas Defensoras de los Derechos Humanos y Periodistas) über Schutzmaßnahmen gesprochen. Da seinem Fall jedoch keine Dringlichkeit beigemessen wird, ist es bislang nicht zu einer Einigung über neue, wirksamere Schutzmaßnahmen gekommen.

Der Drohanruf könnte damit zusammenhängen, dass sich Jorge Arzave Orihuela gemeinsam mit anderen Bewohner_innen von Lomas de San Francisco Tepojaco für das Recht auf angemessenen Wohnraum einsetzt. Am 10. Juni wurde er von einem Bundesverwaltungsgericht darüber in Kenntnis gesetzt, dass gegen den Bürgermeister des Verwaltungsbezirks eine Geldstrafe verhängt worden war, da er die gesetzlichen Vorschriften bezüglich der Sicherstellung bestimmter Versorgungsleistungen, beispielsweise der Wasserversorgung, nicht eingehalten hatte. Dies war das dritte Mal innerhalb von zwei Monaten, dass dem Bezirksbürgermeister eine solche Geldstrafe wegen Rechtsbruchs auferlegt worden war. Jorge Arzave Orihuela informierte die Medien über diesen drei Urteilen zugunsten der Gemeinde.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Jorge Arzave Orihuela hat sein Haus in dem einkommensschwachen Conjunto Urbano de San Francisco Tepojaco im Bundesstaat México außerhalb von Mexiko-Stadt im Jahr 2003 gekauft. Schon bald nach dem Kauf setzte der Verfall seines und vieler anderer Häuser ein. Zudem begann der Untergrund, auf dem die Siedlung errichtet worden war, abzusacken. Trotz Zusagen der Behörden, Versorgungsleistungen sicherzustellen und die Umgebung der Wohnsiedlung attraktiver zu gestalten, gibt es dort noch immer kaum fließend Wasser, keine Gesundheitszentren, ein nur unzureichendes Verkehrssystem und überfüllte Schulen. Zudem liegt die Siedlung direkt neben einer offenen Mülldeponie. Einige Bewohner_innen haben ihre Häuser bereits aus Angst um ihre Sicherheit verlassen. Jorge Arzave Orihuela hat die Bauunternehmer_innen und die örtlichen Behörden aufgefordert zu handeln.

Menschenrechtsverteidiger_innen und Journalist_innen werden in Mexiko aufgrund ihrer rechtmäßigen Arbeit oft angegriffen, bedroht, entführt oder gar getötet. Die dafür Verantwortlichen werden so gut wie nie gerichtlich belangt. Amnesty International begrüßt die Einführung des Gesetzes zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger_innen und Journalist_innen im Jahr 2012. Allerdings haben viele der über 100 Bedrohten, die bislang auf Grundlage dieses Gesetzes um Schutzmaßnahmen gebeten haben, keinen zeitnahen oder wirksamen Schutz erhalten, was zu Frustration, Unsicherheit und Entmutigung geführt hat. Entgegen der Beteuerungen der mexikanischen Regierung ist das Gesetz noch weit davon entfernt, wirksam umgesetzt zu werden, weil es an gut ausgebildetem Personal und ausreichenden finanziellen Mitteln fehlt und das Gesetz von Politiker_innen höherer Ebenen nicht genügend unterstützt wird. Diese Mängel führen dazu, dass die Behörden sowohl auf Landes- als auch auf Regionalebene die in diesem Gesetz vorgesehenen Schutzmaßnahmen oftmals nicht anwenden. Angriffe auf Menschenrechtsverteidiger_innen und Journalist_innen werden meist geduldet und die dafür Verantwortlichen gehen häufig straffrei aus, da die dazu angestellten Ermittlungen oftmals unzureichend sind und von Behörden durchgeführt werden, die selbst der Beteiligung an Übergriffen verdächtigt werden. Gegen die Gewalt, deren Opfer Menschenrechtsverteidiger_innen und Journalist_innen häufig werden, muss dringend umfassend vorgegangen werden, wobei die genannten Schutzmaßnahmen nur ein Teil der Gesamtstrategie sein dürfen. Die mexikanische Regierung hat bisher auf das Klima anhaltender Bedrohung, der Menschenrechtsverteidiger_innen und Journalist_innen in mehreren Bundesstaaten ausgesetzt sind, nicht überzeugend reagiert.