Aktivist "verschwunden"

Demokratische Republik Kongo

Demokratische Republik Kongo

Von dem Aktivisten Bienvenue Matumo fehlt seit dem 8. August jede Spur. Er ist Mitglied der Jugendorganisation Lutte pour le Changement (LUCHA) in der Demokratischen Republik Kongo. Er könnte Opfer des Verschwindenlassens geworden sein.

Appell an

INNENMINISTER
Professor Evariste Boshab
Ministry of Interior and Security
Avenue Roi Baudouin
Kinshasa-Gombe
DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO
(Anrede: Honourable Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
E-Mail: ngomamundulu@gmail.com

VERWALTUNGSDIREKTOR DES GEHEIMDIENSTS ANR
Monsieur Kalev Mutond
Agence Nationale de Renseignement
Avenue des aviateurs croisement du port
Kinshasa-Gombe
DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO
(Anrede: Dear General Administrator / Sehr geehrter Herr Verwaltungsdirektor)

Sende eine Kopie an

JUSTIZMINISTER
Monsieur Alexis Tambwe Mwamba
Ministère de la Justice
228 Avenue de Lemera

BP 3137
Kinshasa-Gombe
DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO
E-Mail: info@minjustice.cd

BOTSCHAFT DER DEMOKRATISCHEN REPUBLIK KONGO
I. E. Frau Kamanga Clementine Shakembo
Ulmenallee 42a
14050 Berlin
Fax: 030-30 11 12 97
E-Mail: ambardc_berlin@yahoo.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Französisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 23. September 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bin sehr besorgt, dass Bienvenue Matumo Opfer des Verschwindenlassens geworden ist. Bitte geben Sie sämtliche Informationen weiter, die Sie über Bienvenue Matumo haben, sollte er sich in staatlichem Gewahrsam befinden.

  • Bitte sorgen Sie dafür, dass Bienvenue Matumo, sollte er sich in staatlichem Gewahrsam befinden, vor Folter und anderweitigen Misshandlungen geschützt wird und unverzüglich Zugang zu seiner Familie, einem Rechtsbeistand seiner Wahl und jeglicher medizinischer Versorgung, die er benötigt, erhält.

  • Bitte lassen Sie Bienvenue Matumo, sollte er sich in staatlichem Gewahrsam befinden, unverzüglich und bedingungslos frei oder klagen Sie ihn umgehend einer international als Straftat anerkannten Handlung an.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Expressing concern that Bienvenue Matumo may have been subjected to enforced disappearance and urging the authorities to disclose any information they have on him if he is in their custody.

  • Calling on them to ensure that, if he is in custody, he is protected from torture and other ill-treatment and given prompt access to his family, a lawyer of his choosing and any medical attention he may require.

  • If he is in custody, urging them to ensure he is released immediately and unconditionally unless he is promptly charged with an internationally recognizable criminal offence.

Sachlage

Der kongolesische Menschenrechtsverteidiger Bienvenue Matumo ist seit dem 8. August "verschwunden". An dem Tag hatte er um 17 Uhr Ortszeit eine Diskussionsrunde besucht, die vom Jugendparlament der Demokratischen Republik Kongo und weiteren Organisationen in der Hauptstadt Kinshasa durchgeführt worden war. Er hat die Veranstaltung, die in den Büroräumlichkeiten des nationalen Jugendrates auf dem Swende Boulevard stattgefunden hatte, verlassen, ist jedoch nicht zu Hause angekommen und wurde seitdem nicht mehr gesehen.

Bienvenue Matumo hatte vor kurzem Anrufe von einer Person erhalten, die ihm verwirrende Informationen mitteilte und um ein Treffen bat. Die Behörden haben nicht bestätigt, dass sich Bienvenue Matumo in ihrem Gewahrsam befindet.

Bienvenue Matumo ist ein enger Freund und Kollege der beiden gewaltlosen politischen Gefangenen Fred Bauma und Yves Makwambala. Die beiden Männer wurden am 15. März von Angehörigen des kongolesischen Geheimdienstes (Agence Nationale de Renseignement – ANR) während einer Pressekonferenz festgenommen, bei der die Jugendbewegung FILIMBI ins Leben gerufen worden war. Bienvenue Matumo besucht Fred Bauma und Yves Makwambala regelmäßig im Makala-Gefängnis, wo sie festgehalten werden. Den beiden Menschenrechtsverteidigern werden allein wegen der friedlichen Ausübung ihrer Rechte schwerwiegende Straftaten vorgeworfen.

In der Demokratischen Republik Kongo werden Jugendaktivist_innen und Menschenrechtsverteidiger_innen immer wieder zum Opfer des Verschwindenlassens, bevor sie freigelassen oder offiziell angeklagt werden. Amnesty International befürchtet, dass dies auch Bienvenue Matumo widerfährt.
Amnesty International befürchtet, dass dies dem Muster ähnlicher Fälle folgen könnte, in denen Jugendaktivist_innen und Menschenrechtsverteidiger_innen in der Demokratischen Republik Kongo Opfer des Verschwindenlassens geworden sind, bevor sie freigelassen oder offiziell angeklagt werden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Bienvenue Matumo hat einen Abschluss an der neuen Verwaltungsschule Ecole Nationale d’Administration in Kinshasa gemacht. Er ist Mitglied des Jugendparlaments der Demokratischen Republik Kongo (Parlement des Jeunes de la RDC). Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss junger Menschen, deren Ziel die Stärkung von Demokratie, Rechtstaatlichkeit und Menschenrechten ist. Das Jugendparlament möchte die Fähigkeiten junger Bürger_innen stärken, sich an Diskussionen von nationaler Bedeutung zu beteiligen.

Bienvenue Matumo ist außerdem Mitglied der kongolesischen Jugendorganisation Lutte pour le Changement (LUCHA). Fred Bauma, ebenfalls LUCHA-Mitglied, wurde am 15. März in Kinshasa festgenommen, als Sicherheitskräfte im Anschluss an einen Workshop über zivilgesellschaftliches Engagement von Jugendlichen in Politikprozessen im Vorfeld der Wahlen 2016 in der Demokratischen Republik Kongo eine Pressekonferenz stürmten.

Im Januar 2015 wurde der Menschenrechtsverteidiger Christopher Ngoyi von vier bewaffneten Männern in Militärpolizeiuniformen festgenommen. Die Behörden bestätigten seine Festnahme erst vier Tage später. Danach hielt man ihn drei Wochen ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft. Im März wurde ein weiteres LUCHA-Mitglied von unbekannten Angreifer_innen in ein Auto gezwungen. Er wurde an einem unbekannten Ort festgehalten, verhört, eingeschüchtert und drei Tage später freigelassen. Im April wurde ein Mann, der Verbindungen zur Jugendplattform FILIMBI hat, festgenommen und drei Tage vom Geheimdienst ANR festgehalten, bevor er wieder freigelassen wurde. Der ANR bestreitet dies jedoch.