Haftstrafen wegen Facebook-Einträgen

Ein Sondergericht in Saudi-Arabien hat sieben Männer wegen Facebook-Einträgen zu Haftstrafen zwischen fünf und zehn Jahren verurteilt. Das Urteil des Gerichts stützte sich vor allem auf die Geständnisse der Männer, die in einigen Fällen durch Folter erpresst worden sein sollen. Die Männer sind im Gewahrsam in großer Gefahr, erneut gefoltert oder misshandelt zu werden.

Appell an

KÖNIG
King Abdullah Bin Abdul Aziz Al Saud
The Custodian of the two Holy Mosques
Office of His Majesty the King
Royal Court, Riyadh
SAUDI-ARABIEN
(Anrede: Your Majesty / Majestät)
Fax: (00 966) 1 403 3125
(über das Innenministerium)

JUSTIZMINISTER
Shaykh Dr Mohammed Bin Abdul Kareem Al-Issa
Ministry of Justice
University Street
Riyadh 11137
SAUDI-ARABIEN
(Anrede : Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 966) 1 401 1741 oder (00 966) 1 402 0311

Sende eine Kopie an

INNENMINISTER
His Royal Highness
Prince Mohammed bin Naif bin Abdul Aziz Al Saud
Ministry of the Interior
P.O. Box 2933, Airport Road,
Riyadh 11134, SAUDI-ARABIEN
(Anrede: Your Royal Highness / Königliche Hoheit)
Fax: (00 966) 1 403 3125

BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS SAUDI-ARABIEN
S.E. Herrn
Prof. Dr. med Ossama Abdulmajed Ali Shobokshi
Tiergartenstr. 33-34
10785 Berlin
Fax: 030-8892 5179 oder 030-8892 5176
E-Mail: deemb@mofa.gov.sa

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 14. August 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bitte Sie eindringlich, die Urteile gegen Saleh Abdulmuhsen al-Shaye’, Hussein Salman Yassin Alsulaiman, Mohammad Ahmad Abdulhadi al-Khalifeh, Mustafa Haji Hasan al-Mejhed, Hussein Ali Mohammad al-Badher, Ali Hasan Ali al-Hadlaq und Abdulhamid Abdulmuhsen Abdullah al-'Amer aufzuheben und sie entweder freizulassen oder sie einer international anerkannten strafbaren Handlung anzuklagen und sicherzustellen, dass sie ein internationalen Standards der Fairness entsprechendes Gerichtsverfahren erhalten.

  • Bitte sorgen Sie dafür, dass die Männer vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt werden und umgehend regelmäßig Kontakt zu ihren Familien und Rechtsbeiständen ihrer Wahl aufnehmen dürfen.

  • Zudem bitte ich Sie, dafür zu sorgen, dass den Foltervorwürfen der Männer in einer unabhängigen Untersuchung nachgegangen wird und die für Folterungen Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to quash the convictions of Saleh Abdulmuhsen al-Shaye', Hussein Salman Yassin Alsulaiman, Mohammad Ahmad Abdulhadi al-Khalifeh, Mustafa Haji Hasan al-Mejhed, Hussein Ali Mohammad al-Badher, Ali Hasan Ali al-Hadlaq, and Abdulhamid Abdulmuhsen Abdullah al-'Amer and either release them or charge them with internationally recognized offences and ensure that they are tried promptly in proceedings which meet international standards for a fair trial.

  • Asking them to ensure that the men are protected from torture and other ill-treatment, and given immediate and regular access to family members and lawyers of their choice.

  • Calling for an independent and impartial investigation into the mens' allegations of torture in custody and for anyone responsible to be brought to justice.

Sachlage

Das Verfahren gegen die sieben Männer fand am 24. Juni vor einem saudi-arabischen Sondergericht statt. Die sieben Angeklagten wurden zu Gefängnisstrafen zwischen fünf und zehn Jahren verurteilt, gefolgt von Reiseverboten von ebenfalls fünf bzw. zehn Jahren. Sie wurden schuldig befunden, gegen das saudi-arabische Informationstechnologiegesetz verstoßen zu haben, indem sie Informationen ins Internet gestellt und in sozialen Medien geteilt haben, die die öffentliche Ordnung gefährden. Weiter wurden sie schuldig befunden, sich Online-Gruppen wie "al-Ahsa 4 March Movement" angeschlossen und zu Demonstrationen in Solidarität mit den Menschen in Bahrain aufgerufen zu haben. Zudem wurden sie schuldig befunden, ausländische Fernsehsender angesehen zu haben, die nach Auffassung der Behörden Konflikte schüren.

Die sieben Männer wurden am 23. bzw. 26. September 2012 in verschiedenen Gebieten der vornehmlich von sunnitischen MuslimInnen bewohnten Ostprovinz festgenommen und dann im Untersuchungsgefängnis des Innenministeriums in Dammam, der Hauptstadt der Provinz, in Haft gehalten.

Laut der 30-seitigen Urteilsschrift hatten die Männer keine Rechtsbeistände und mehrere gaben an, gefoltert worden zu sein, um ein Geständnis abzulegen. Das Gericht berief sich auf diese Geständnisse als Hauptbeweise für die Urteilsfindung. Die Foltervorwürfe wies der Richter zurück. Die Männer machen geltend, mit ihren Facebook-Einträgen nicht gegen Gesetze verstoßen zu haben. Sie haben nun 30 Tage Zeit, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen.

[EMPFOHLENE AKTIONEN]

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bitte Sie eindringlich, die Urteile gegen Saleh Abdulmuhsen al-Shaye’, Hussein Salman Yassin Alsulaiman, Mohammad Ahmad Abdulhadi al-Khalifeh, Mustafa Haji Hasan al-Mejhed, Hussein Ali Mohammad al-Badher, Ali Hasan Ali al-Hadlaq und Abdulhamid Abdulmuhsen Abdullah al-'Amer aufzuheben und sie entweder freizulassen oder sie einer international anerkannten strafbaren Handlung anzuklagen und sicherzustellen, dass sie ein internationalen Standards der Fairness entsprechendes Gerichtsverfahren erhalten.

  • Bitte sorgen Sie dafür, dass die Männer vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt werden und umgehend regelmäßig Kontakt zu ihren Familien und Rechtsbeiständen ihrer Wahl aufnehmen dürfen.

  • Zudem bitte ich Sie, dafür zu sorgen, dass den Foltervorwürfen der Männer in einer unabhängigen Untersuchung nachgegangen wird und die für Folterungen Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.

[APPELLE AN]

KÖNIG
King Abdullah Bin Abdul Aziz Al Saud
The Custodian of the two Holy Mosques
Office of His Majesty the King
Royal Court, Riyadh
SAUDI-ARABIEN
(Anrede: Your Majesty / Majestät)
Fax: (00 966) 1 403 3125
(über das Innenministerium)

JUSTIZMINISTER
Shaykh Dr Mohammed Bin Abdul Kareem Al-Issa
Ministry of Justice
University Street
Riyadh 11137
SAUDI-ARABIEN
(Anrede : Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 966) 1 401 1741 oder (00 966) 1 402 0311

KOPIEN AN
INNENMINISTER
His Royal Highness
Prince Mohammed bin Naif bin Abdul Aziz Al Saud
Ministry of the Interior
P.O. Box 2933, Airport Road,
Riyadh 11134, SAUDI-ARABIEN
(Anrede: Your Royal Highness / Königliche Hoheit)
Fax: (00 966) 1 403 3125

BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS SAUDI-ARABIEN
S.E. Herrn
Prof. Dr. med Ossama Abdulmajed Ali Shobokshi
Tiergartenstr. 33-34
10785 Berlin
Fax: 030-8892 5179 oder 030-8892 5176
E-Mail: deemb@mofa.gov.sa

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 14. August 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Seit Februar 2011 fordern SchiitInnen in der von ihnen dominierten Ostprovinz des Königreichs Saudi-Arabien Reformen. Die Protestbewegungen im Nahen Osten und Nordafrika haben sie zum Teil dazu ermuntert. Seither werden Demonstrationen organisiert, um gegen die Festnahme, Inhaftierung und Schikanierung von Angehörigen der schiitischen Glaubensgemeinschaft zu protestieren. Die Behörden nehmen Gebetstreffen, das Feiern schiitischer Feste und Verstöße gegen die Einschränkungen beim Bau schiitischer Moscheen und religiöser Schulen zum Anlass für diese Repressalien.

Die saudischen Behörden reagieren ebenfalls mit repressiven Maßnahmen gegen diejenigen, die im Verdacht stehen, an den Protesten teilzunehmen, sie zu unterstützen oder sich kritisch gegenüber dem Staat zu äußern. Protestierende werden ohne Anklage und ohne Kontakt zur Außenwelt tage- oder wochenlang in Haft gehalten und manche werden Berichten zufolge gefoltert oder in anderer Weise misshandelt. Seit Februar 2011 wurden mindestens 14 Menschen in Verbindung mit den Protesten in der Ostprovinz getötet und Hunderte hat man ins Gefängnis gesteckt. Wenn Fälle an die Gerichte übergeben werden, legt man den Beschuldigten vielfach lediglich die Teilnahme an Demonstrationen zur Last.

Die Gruppe "al-Ahsa 4 March Movement", der die sieben Männer angehören sollen, entstand im Zuge der Demonstrationen, die am 4. März 2011 begannen und mit denen der schiitische Geistliche Sheikh Tawfiq Jaber Ibrahim al-'Amer (alternative Schreibweisen 'Amr oder Amer) aus al-Ahsa in der Ostprovinz unterstützt werden sollte. Die Gruppe agiert mit friedlichen Mitteln und hat auch einer Facebook-Gruppe, der sich viele Angehörige der schiitischen Glaubensgemeinschaft angeschlossen haben, die nicht unbedingt eine gemeinsame politische Ausrichtung vertreten. Die sieben nun verurteilten Männer wurden offenbar willkürlich herausgriffen und in verschiedenen Ortschaften der Ostprovinz festgenommen. Sie kennen sich nicht persönlich. Lediglich einer von ihnen, Saleh Abdulmuhsen al-Shaye’, der zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde, ist offenbar ein aktives Mitglied der Facebook-Gruppe. Ihm wird vorgeworfen, der Gründer dieser Gruppe zu sein.

Scheich Tawfiq Jaber Ibrahim al-'Amr ist in den vergangenen vier Jahren mehrmals festgenommen und inhaftiert worden. 2008 wurde er allem Anschein nach in Verbindung mit einer Kunstausstellung festgenommen, die er für das schiitische Ashura-Fest organisiert hatte, und etwa drei Tage lang in Haft gehalten. Ein Jahr später nahm man ihn wieder fest, diesmal scheinbar in Zusammenhang mit der Ausübung des schiitischen Glaubens, und hielt ihn etwa zehn Tage lang fest. Einige Zeit nach seiner Freilassung brachte man ihn mit dem Vorwurf vor Gericht, Aufwiegelung gegen die Regierung betrieben zu haben. Das Gerichtsverfahren wurde verschoben, um der Staatsanwaltschaft Gelegenheit zu geben, Beweismaterial vorzulegen, das die Anschuldigungen erhärten sollte. Soweit bekannt ist, geschah anschließend nichts mehr in diesem Fall. Er wurde erneut am 27. Februar 2011 festgenommen, nachdem er in einer Predigt Reformen in Saudi-Arabien gefordert hatte. Er hatte die Predigt am 25. Februar gehalten und darin u.a. die Schaffung einer konstitutionellen Monarchie, die faire Verteilung von Arbeitsplätzen und das Ende der Diskriminierung von religiösen Minderheiten gefordert. Der Geistliche wurde ohne Anklageerhebung am 6. März freigelassen, nachdem es am 4. März Demonstrationen vor allem in al-Ahsa gegeben hatte.

Weitere Informationen zu Sheikh Tawfiq al-'Amer finden Sie in den Urgent Actions UA-058/2011 und UA-242/2011. Mehr Informationen zu den fortgesetzten Verstößen in der Ostprovinz enthält der englischsprachige Bericht: Saudi Arabia: Dissident voices stifled in the Eastern Province (www.amnesty.org/en/library/info/MDE23/011/2012/en).