Meschenrechtlerin angeschossen
Die Aktivistin Yolanda Oquelí, die sich gegen Bergbauaktivitäten im Departamento Guatemala einsetzt, wurde am 13. Juni in San José del Golfo im selben Departamento angeschossen. Andere AktivistInnen vor Ort könnten ebenfalls in Gefahr sein.
Appell an
PRÄSIDENT
Otto Pérez Molina
Presidente de la República
Casa Presidencial
6ª Avenida 4-41
Zona 1
Puera del Centro
Ciudad de Guatemala
GUATEMALA
(korrekte Anrede: Dear President / Estimado Sr.
Presidente / Sehr geehrter Herr Präsident)
INNENMINISTER
Mauricio López Bonilla
Ministro de Gobernación
6ª Avenida 13-71
Zona 1
Ciudad de Guatemala
GUATEMALA
(korrekte Anrede: Dear Minister / Estimado Sr. Ministro / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 502) 2413 8888, Durchwahl: 2290
Sende eine Kopie an
MENSCHENRECHTSORGANISATION
MADRESEL VA.
Colectivo MadreSelva
6a Avenida 2-60
Zona 2
Ciudad de Guatemala
GUATEMALA
E-Mail: colectivomadreselva@gmail.com
BOTSCHAFT DER REPUBLIK GUATEMALA
S.E. Herrn Carlos Jiménez Licona
Joachim-Karnatz-Allee 45-47
- OG.
10557 Berlin
Fax: 030-2064 3659
E-Mail: embaguate.alemania@t-online.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 26. Juli 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Leiten Sie bitte unverzüglich eine unabhängige, sorgfältige und unparteiische Untersuchung der Schüsse auf Yolanda Oquelí und der Drohungen gegen sie ein, veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
- Ergreifen Sie in Absprache mit Yolanda Oquelí bitte umgehend alle erforderlichen Schutzmaßnahmen für sie und ihre Familie. Leiten Sie bitte ebenfalls Schutzmaßnahmen für andere AktivistInnen ein, die sich in der Gegend um San José del Golfo für den Schutz der Menschenrechte und gegen Bergbauaktivitäten einsetzen.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
-
Calling on the authorities to order an independent, thorough and impartial investigation into the shooting of Yolanda Oquelí and the threats against her, publish the results and bring those responsible to justice.
- Urging them to take immediate steps to provide appropriate protection to Yolanda Oquilí and her family, and to activists working against human rights violations caused by mining operations in the area of San José del Golfo.
Sachlage
Am 13. Juni nahm Yolanda Oquelí an einer Protestveranstaltung vor einem Minengelände in San José del Golfo im Departamento Guatemala, etwa 35 Kilometer vom Zentrum von Guatemala-Stadt entfernt, teil. Als sie sich um ca. 18.30 Uhr mit dem Auto auf dem Heimweg befand, stellten sich ihr in der Nähe ihres Hauses zwei Männer auf einem Motorrad in den Weg und schossen mit einer Pistole auf sie. Yolanda Oquelí wurde von einer Kugel getroffen, die nur knapp ihre Leber verfehlte. Drei weitere Kugeln trafen ihren Wagen. Laut lokaler Zeitungen und Nachrichtensender handelte es sich bei der Waffe um eine Pistole des Kalibers 38. Yolanda Oquelí befindet sich derzeit im Krankenhaus. Ihr Zustand ist kritisch, aber stabil.
Yolanda Oquelí ist Aktivistin und Leiterin der Organisation Frente Norte del Área Metropolitana (FRENAM), die in Protestveranstaltungen auf die negativen Auswirkungen eines Bergbauprojekts in ihrer Gemeinde aufmerksam macht. Das Minengelände ist vor Ort als "El Tambor" bekannt und liegt in den Verwaltungsbezirken San José del Golfo und San Pedro Ayampic. Seit März wird vor dem Minengelände protestiert. Die Gegner des Bergwerks befürchten, dass durch die Bergbauaktivitäten das Trinkwasser verschmutzt wird, und machen geltend, dass die örtlichen Gemeinschaften nicht über die möglichen Folgen aufgeklärt bzw. nicht zu dem Projekt konsultiert wurden.
Bei der Betreiberfirma handelt es sich um Exploraciones Mineras de Guatemala, S.A. (EXMIGUA), ein Tochterunternehmen des kanadischen Unternehmens Radius Gold Inc.
Yolanda Oquelí ist aufgrund ihrer Arbeit als Menschenrechtsverteidigerin seit August 2011 mehrfach bedroht und schikaniert worden, was sie auch bei der Staatsanwaltschaft angezeigt hat. So erhielten Yolanda Oquelí und andere AktivistInnen Drohanrufe und Morddrohungen, und einmal wurde ihr Haus mit Farbe beschmiert. Die jüngste Beschwerde reichte sie am 11. Mai ein, und im Mai traf sich zudem eine Delegation von Amnesty International mit Yolanda Oquelí.
[EMPFOHLENE AKTIONEN]
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Leiten Sie bitte unverzüglich eine unabhängige, sorgfältige und unparteiische Untersuchung der Schüsse auf Yolanda Oquelí und der Drohungen gegen sie ein, veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
- Ergreifen Sie in Absprache mit Yolanda Oquelí bitte umgehend alle erforderlichen Schutzmaßnahmen für sie und ihre Familie. Leiten Sie bitte ebenfalls Schutzmaßnahmen für andere AktivistInnen ein, die sich in der Gegend um San José del Golfo für den Schutz der Menschenrechte und gegen Bergbauaktivitäten einsetzen.
[APPELLE AN]
PRÄSIDENT
Otto Pérez Molina
Presidente de la República
Casa Presidencial
6ª Avenida 4-41
Zona 1
Puera del Centro
Ciudad de Guatemala
GUATEMALA
(korrekte Anrede: Dear President / Estimado Sr.
Presidente / Sehr geehrter Herr Präsident)
INNENMINISTER
Mauricio López Bonilla
Ministro de Gobernación
6ª Avenida 13-71
Zona 1
Ciudad de Guatemala
GUATEMALA
(korrekte Anrede: Dear Minister / Estimado Sr. Ministro / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 502) 2413 8888, Durchwahl: 2290
KOPIEN AN
MENSCHENRECHTSORGANISATION
MADRESEL VA.
Colectivo MadreSelva
6a Avenida 2-60
Zona 2
Ciudad de Guatemala
GUATEMALA
E-Mail: colectivomadreselva@gmail.com
BOTSCHAFT DER REPUBLIK GUATEMALA
S.E. Herrn Carlos Jiménez Licona
Joachim-Karnatz-Allee 45-47
- OG.
10557 Berlin
Fax: 030-2064 3659
E-Mail: embaguate.alemania@t-online.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 26. Juli 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.
Hintergrundinformation
MenschenrechtsverteidigerInnen, die sich in Guatemala für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte stark machen, werden oft wegen ihrer Arbeit zur Zielscheibe. AktivistInnen, die sich gegen Rohstoffindustrien wie beispielsweise Bergbau aussprechen, wurden in der Vergangenheit häufig tätlich angegriffen und schikaniert. Amnesty International hat viele solcher Fälle dokumentiert.
Im Dezember 2011 startete Amnesty International eine Eilaktion für die BewohnerInnen des Departamentos Santa Rosa im Süden Guatemalas, die ihren Lebensunterhalt durch ein Bergbauprojekt bedroht sahen. Die lokalen Gemeinschaften waren bezüglich des Vorhabens nicht konsultiert worden (siehe UA-352/2011).
Im Februar 2011 wurden Demonstrierende, die sich gegen den laufenden Betrieb der Marlin-Mine im Südwesten von Guatemala aussprachen, angegriffen. Der Demonstrant Aniceto López wurde ins Büro des örtlichen Bürgermeisters gebracht, wo er geschlagen und für seine Kritik an den Bergbauaktivitäten mit dem Tod bedroht worden sein soll (siehe UA-057/2011).
Im Juli 2010 wurde Deodora Hernández in ihrer Wohnung aus nächster Nähe von unbekannten Männern angeschossen. Deodora Hernández ist eine Aktivistin, die gegen die ihrer Meinung nach negativen Auswirkungen von Bergbauprojekten im Departamento San Marcos im Südwesten Guatemalas protestiert hatte. Sie trat für das Recht ihrer Gemeinschaft auf Wasser ein, da zu befürchten stand, dass die Abbauaktivitäten die lokale Wasserversorgung beeinträchtigen könnten (siehe UA-163/2010).
In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass die guatemaltekischen Behörden vor der Vergabe von Lizenzen für die Exploration und den Abbau von Mineralien die örtliche Bevölkerung nur unzulänglich in die Entscheidungsprozesse einbezogen haben. Der UN-Sonderberichterstatter über die Situation der Menschenrechte und Grundfreiheiten der Angehörigen indigener Bevölkerungsgruppen hat nach einem Besuch in Guatemala im Juni 2010 auf ihm zur Kenntnis gebrachte Vorwürfe hingewiesen, dass die guatemaltekische Regierung vielfach Lizenzen zum Abbau von Rohstoffen auf Ländereien der indigenen Völker erteilt hat, ohne zuvor den notwendigen Konsultationsprozess mit den betroffenen Gemeinschaften durchgeführt zu haben.
Mögliche nachteilige Auswirkungen des Rohstoffabbaus auf die Menschenrechte sollten durch Folgenabschätzungen identifiziert und verhindert werden, und zwar im Rahmen einer Konsultation mit der potenziell betroffenen Bevölkerung. Diese Folgenabschätzungen müssen rechtzeitig im Vorfeld bekannt gemacht werden, damit eine sorgfältige Prüfung unter Beachtung des Verbots der Diskriminierung und des Grundsatzes des freien Zugangs zu Informationen stattfinden kann. Nur so ist eine effektive Teilhabe der örtlichen Bevölkerung am Entscheidungsprozess möglich, so dass sie ihre Zustimmung ohne äußere Zwänge und in Kenntnis der Sachlage erteilen kann.
Guatemala hat gemäß dem Völkerrecht die Pflicht, die indigene Bevölkerung zu geplanten Investitionsprojekten zu konsultieren, dies gilt auch für die Exploration und den Abbau natürlicher Ressourcen auf ihren traditionellen Siedlungsgebieten. Diese Verpflichtung ergibt sich unter anderem aus der 2007 verabschiedeten Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker, die Guatemala durch seine Stimme unterstützt hat, sowie aus dem Übereinkommen Nr. 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über eingeborene und in Stämmen lebende Völker, welches Guatemala 1996 ratifiziert hat.
Darüber hinaus ist Guatemala als Vertragsstaat des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte verpflichtet, das Recht sowohl von Einzelpersonen als auch Gemeinschaften auf Teilhabe an Entscheidungsprozessen zu achten, welche die Wahrnehmung ihrer Menschenrechte berühren. Damit eine solche Teilhabe effektiv wahrgenommen werden kann, müssen die Menschen über anstehende Entscheidungen rechtzeitig und umfassend sowie unter Wahrung der Grundsätze auf Zugang zu Informationen und Verhütung von Diskriminierung in Kenntnis gesetzt werden.