Menschenrechtlerin bedroht

Eine honduranische Menschenrechtsverteidigerin erhielt eine Drohnachricht über E-Mail und eine Reihe anonymer Telefonanrufe. Nach Einschätzung von Amnesty International könnte ihr Leben in Gefahr sein.

Appell an

PRÄSIDENT
Sr. Porfirio Lobo Sosa
Presidente de la República
Casa Presidencial
Boulevard Juan Pablo Segundo
Palacio José Cecilio del Valle
Tegucigalpa
HONDURAS
(korrekte Anrede: Dear President)
Fax: (00 504) 239 3298

GENERALSTAATSANWALT
Sr. Luis Alberto Rubí

Fiscal General de la República
Lomas del Guijarro,
Avenida República Dominicana
Edificio Lomas Plaza II
Tegucigalpa
HONDURAS
(korrekte Anrede: Dear Attorney General)
Fax: (00 504) 221 5667

Sende eine Kopie an

ÖRTLICHE NICHTREGIERUNGSORGANISATION
Comité de Familiares de Detenidos Desaparecidos en Honduras (COFADEH)
Barrio La Plazuela, Avenida Cervantes
Casa No. 1301
Apartado Postal 1243
Tegucigalpa
HONDURAS
Fax: (00 504) 220 5280 (Wenn jemand abhebt, sagen Sie "tono de fax, por favor".)

BOTSCHAFT DER REPUBLIK HONDURAS
Frau Vania Maribel Garcia Morales, Gesandte-Botschaftsrätin (Geschäftsträgerin a.i.)
Cuxhavener Straße 14
10555 Berlin
Fax: 030-3974 9712
E-Mail: informacion@embahonduras.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 15. September 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Führen Sie gründliche und unparteiische Ermittlungen über die Drohungen und Schikanen, denen Gladys Lanza ausgesetzt ist, durch.

  • Leiten Sie umgehend alle erforderlichen Schritte ein, um der Forderung der Interamerikanischen Menschenrechtskommission vom 24. Juli 2009 nachzukommen. Dabei muss die Form des Schutzes, der Gladys Lanza gewährt wird, nach ihren eigenen Wünschen gestaltet und mit ihr abgestimmt werden.

  • Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass in der UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern das Recht aller MenschenrechtlerInnen festgeschrieben ist, ihrer Arbeit ohne Einschränkungen und ohne Furcht vor Repressalien nachgehen zu können.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling for an independent, thorough and impartial investigation into the threats and harassment against Gladys Lanza;

  • Urging that the authorities take immediate steps to fully comply with the IACHR order of 24 July 2009. The form of protection provided to Gladys Lanza must be agreed with her and reflect her own wishes;

  • Reminding the authorities that human rights defenders have a right to carry out their activities without any unfair restrictions or fear of reprisals, as set out in the UN Declaration on Human Rights Defenders.

Sachlage

Am Abend des 17. Juli 2010 erhielt Gladys Lanza, die Koordinatorin der Frauenbewegung für den Frieden Visitación Padilla (Movimiento de Mujeres por la Paz Visitación Padilla), eine E-Mail mit der Betreffzeile "Hallo alte Schlampe!!!" (Hola vieja puta!!!). Ein Teil der E-Mail lautete folgendermaßen: "Jetzt kriegen wir dich, du dumme alte Frau!!! [...] Der neue Billy Joya Amendola" (Ahorita te caemos, vieja ignorante!!! […] Billy Joya Amendola renovado.). Billy Joya wird in Honduras aufgrund seiner mutmaßlichen Mitgliedschaft im Batallón 3-16 – einer Einheit des honduranischen Militärgeheimdienstes, die in den 1980er Jahren zahlreiche Menschen-rechtsverletzungen begangen hatte – gefürchtet. Diese Einheit hatte das Ziel, politischer Straftaten Verdächtige ausfindig zu machen, sie zu entführen, zu inhaftieren, zu foltern und zu ermorden. Im Anhang der E-Mail befanden sich sechs Fotos: ein Bild von Billy Joya, eine Abbildung eines mit einem Scharfschützengewehr ausgestatteten Kätzchens, ein bizarr anmutender, von Männern in Sträflingskleidung angeführter Trauerzug, eine Uhr, die die Zeit 10:12 anzeigt, und zwei Fotos von Gladys Lanza.

Drei Stunden vor Erhalt der E-Mail war Gladys Lanza in einer Radiosendung der Menschenrechtsorganisation Comité de Familiares de Detenidos Desaparecidos en Honduras (COFADEH) aufgetreten. In dieser Sendung äußerte sie scharfe Kritik am Wiederaufleben des Militarismus in Honduras und an den Plänen der US-Regierung, neue Militärbasen in Honduras zu errichten. Verschiedene Gäste diskutierten über diese Themen und nahmen dabei auch Bezug auf allgemeine Menschenrechtsfragen in Honduras. Während der Sendezeit ging bei dem Radiosender folgende Nachricht ein: "Ihr verlogenen Kommunisten verdient eine ordentliche Tracht Prügel!" (Ustedes comunistas son los que kieren patadas por mentirosos).

Im Juni hatte Gladys Lanza vier Anrufe auf ihrem Handy erhalten, bei denen sie jedes Mal nur heftiges Schnaufen hörte. Auch im Juli gingen immer wieder Anrufe von derselben Nummer auf Gladys Lanzas Mobiltelefon ein, sie hob allerdings nicht mehr ab.

Am 24. Juli 2009 hatte die Interamerikanische Menschenrechtskommission die honduranischen Behörden aufgefordert, Gladys Lanza zu schützen. Diese Anordnung wurde allerdings nicht wirksam umgesetzt. Die Behörden hielten ihre Zusicherungen, regelmäßig Treffen mit der Menschenrechtsverteidigerin abzuhalten und in der Umgebung des Büros von Visitación Padilla Polizeistreifen abzustellen, nicht ein, sodass Gladys Lanza weiterhin gefährdet ist.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die Bewegung Visitación Padilla (Movimiento de Mujeres por la Paz Visitación Padilla) ist eine Menschenrechtsorganisation, die sich für die Förderung und Verteidigung der Rechte von Frauen einsetzt. Visitación Padilla zählt zu den vielen honduranischen Frauenorganisationen, die bei den Protesten gegen den Putsch von 2009 eine aktive Rolle spielten.

Im Oktober 2009 wurde die von Visitación Padilla produzierte Radiosendung "Entre Chonas" auf Veranlassung der Geschäftsführung des übertragenden Radiosenders eingestellt. Zur Begründung ihrer Entscheidung führte die Geschäftsführung an, die Sendung verstieße gegen eine von der De-Facto-Regierung erlassene Notverordnung des Präsidenten, da sie nicht zur Förderung des Friedens beitrage und den Verlauf der Wahlen im November 2009 in Misskredit bringe.

Am 9. März 2010 waren Mitglieder von Visitación Padilla auf dem Weg zu einer von ihnen organisierten Veranstaltung zum Internationalen Frauentag, auf der sie gegen die Frauenmorde in Honduras und gegen die Straflosigkeit, die häufig mit derartigen Verbrechen einhergeht, protestieren wollten. Um Mitternacht parkte ein Mitglied von Visitación Padilla ihren Dienstwagen vor dem Büro der Menschenrechtsorganisation, um dort Materialien und Ausrüstung für die Veranstaltung abzuholen. Als sie und einige KollegInnen zum Fahrzeug zurückkehrten, und um 0:30 Uhr losfuhren, bemerkten sie, dass das Auto einen Defekt hatte. In der Autowerkstatt, die sie daraufhin aufsuchten, wurde ihnen mitgeteilt, dass man einen Reifen des Autos aufgeschlitzt hatte.