Tschetschene weiter "verschwunden"

Ergebnis dieser Urgent Action

Maskhud Abdullaew konnte am 22. Juli 2009 Tschetschenien verlassen und nach Aserbaidschan reisen, um dort seine Familie zu treffen.

Der Aufenthaltsort von Maskhud Abdullaew ist seit seiner Abschiebung aus Ägypten am 19. Juni 2009 nicht bekannt. Er ist ein aus Tschetschenien stammender russischer Staatsbürger. Es bestehen Zweifel an der Freiwilligkeit eines Interviews, das am 30. Juni 2009 in einem tschetschenischen Fernsehsender ausgestrahlt wurde. Darin sagt er, er sei im Moskauer Flughafen nicht von Sicherheitskräften festgenommen worden. Falls er doch inhaftiert wurde, könnten ihm Folter und andere Misshandlungen drohen.

Appell an

LEITER DES RUSSISCHEN GEHEIMDIENSTES (FSB)
Alexandr Vasilevich Bortnikov
Federal Security Service of the Russian Federation
ul.Bolshaia Lubianka, 1/3, 107031 Moscow,
RUSSLAND (korrekte Anrede: Dear Director)
Fax: (007) 495 914 26 32

PRÄSIDENT DER TSCHETSCHENISCHEN REPUBLIK
Ramzan Akhmatovich Kadyrov
Chechen Government and Presidential Administration
Ul. Garazhnaia, 10. 364000 g.
Grozny, Chechen Republic, RUSSLAND
(korrekte Anrede: Dear President Kadyrov)
Fax: (007) 8712 22 45 53

Sende eine Kopie an

OMBUDSMANN FÜR MENSCHENRECHTE DER RUSSISCHEN FÖDERATION
Vladimir Petrovich Lukin
Ombudsperson for Human Rights
of the Russian Federation
ul. Miasnitskaia 47
107084 Moscow, RUSSLAND
(korrekte Anrede: Dear Ombudsman)
Fax: (007) 495 607 74 70 oder (007) 495 607 39 77

BOTSCHAFT DER RUSSISCHEN FÖDERATION
S.E. Herrn Vladimir Kotenev
Unter den Linden 63-65, 10117 Berlin
Fax: 030-2299 397
E-Mail: info@Russische-Botschaft.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Russisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 19. August 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.

PLEASE SEND APPEALS TO ARRIVE AS QUICKLY AS POSSIBLE, IN RUSSIAN, ENGLISH OR YOUR OWN LANGUAGE:

  • expressing concern for the safety of Maskhud Abdullaev;

  • urging the Russian authorities to clarify whether Maskhud Abdullaev is detained;

  • if Maskhud Abdullaev is free, calling on the Russian authorities to facilitate meetings between him and independent human rights organizations and journalists.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE, IN DENEN SIE

  • Ihre Sorge um die Sicherheit von Maskhud Abdullaew ausdrücken,

  • darauf dringen, dass die russischen Behörden bekannt geben, ob Maskhud Abdullaew inhaftiert ist;

  • die Behörden auffordern, Treffen zwischen ihm und unabhängigen Menschenrechtsorganisationen sowie JournalistInnen zu ermöglichen, falls er sich nicht in Haft befindet.

Sachlage

Maskhud Abdullaew ist weder im Moskauer Flughafen noch in Grosny gesehen worden. Das Interview wurde aber in den Fernsehstudios in Grosny aufgenommen und im tschetschenischen Fernsehen ausgestrahlt. In dem Interview sagt Maskhud Abdullaew, dass er eine Nacht am Moskauer Flughafen verbracht hätte und am nächsten Morgen nach Tschetschenien geflogen sei, um "Angehörige zu besuchen und zu sehen, wie es in Tschetschenien ist". Er sagte weiter, dass er sich in Tschetschenien frei bewegen könne und niemand Druck auf ihn ausübe. Er plane, den Sommer in Tschetschenien zu verbringen und dann nach Ägypten zurückzukehren, um sein Studium an der islamischen Al-Azhar-Universität fortzusetzen. Er appellierte an seinen Vater, Supyan Abdullaew (Supyan Abdullaev), den Anführer einer bewaffneten tschetschenischen Gruppe, und all "diejenigen, die in den Wäldern sind", den Kampf zu beenden und sich den Behörden zu stellen. Er richtete sich auch an TschetschenInnen, die ins Ausland geflüchtet sind, und behauptete, dass die Menschen in Tschetschenien in Freiheit leben und ihre Religion ausüben könnten und es keine Entführungen gäbe.

Es ist jedoch nicht sicher, dass Maskhud Abdullaew aus freien Stücken in Tschetschenien ankam. Er erschien nicht in der Ankunftshalle des Moskauer Flughafens, in der mehrere Personen auf ihn warteten. Niemand hat gesehen, dass er den Grenzkontrollbereich des Flughafens verließ oder einen Inlandsflug nahm oder in der Ankunftshalle der internationalen Flüge ankam.

Menschenrechtsorganisationen äußern Besorgnis darüber, dass Maskhud Abdullaew von tschetschenischen Sicherheitskräften festgehalten werden könnte, um Druck auf seinen Vater auszuüben und ihn zu Propagandazwecken zu missbrauchen. Wenn dies so ist, könnten ihm Folter und andere Misshandlungen drohen und er könnte in Lebensgefahr sein. Er hat keinen Kontakt zu seiner Familie aufgenommen und sein Aufenthaltsort ist nach wie vor unbekannt.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Am 27. Mai 2009 führte der ägyptische Geheimdienst SSI eine Verhaftungswelle gegen ausländische Studierende der Al-Azhar-Universität in Kairo durch. Unter den Festgenommenen befanden sich 35 russische Studierende, die hauptsächlich aus Tschetschenien, der Republik Inguschetien und der Republik Dagestan stammen. Die Studierenden wurden festgenommen und ihre Wohnungen ohne einen gültigen Durchsuchungsbefehl durchsucht. Laut einer Erklärung des ägyptischen Innenministers sind diese Schritte Vorsichtsmaßnahmen, um sicherzugehen, dass die Inhaftierten sich legal in Ägypten aufhalten. Das Ministerium veranlasste die Festnahmen, da es den Verdacht hat, dass ausländische Studierende Kontakt zu einer Gruppe von sieben Personen unterhalten, die im Verdacht stehen, al-Quaida anzugehören und an dem Bombenanschlag am 22. Februar 2009 im historischen Viertel al-Husayn in Kairo beteiligt gewesen zu sein. Das Innenministerium gab am 23. Mai 2009 die Festnahme besagter Personen bekannt und erklärte, diese hätten Ausländer und unter ihnen Studierende rekrutiert.

Die meisten der inhaftierten Studierenden wurden einige Tage später wieder freigelassen, aber einige wurden Berichten zufolge in ihre Heimatländer abgeschoben. Andere könnten sich noch immer in Untersuchungshaft befinden.

Amnesty International erhält aus Tschetschenien regelmäßig Berichte, aus denen hervorgeht, dass Familienangehörige von mutmaßlichen Mitgliedern bewaffneter Gruppen ins Visier genommen werden. Der Druck, dem die Verwandten ausgesetzt sind, beinhaltet Einschüchterung, willkürliche Haft, Zwangsräumung und die Zerstörung von Häusern. Im August 2008 erklärte der tschetschenische Präsident Ramzan Kadyrov im Fernsehen, dass "Familien, deren Verwandte in den Wäldern leben" als "Komplizen" anzusehen seien. Sie seien "Terroristen und Extremisten". Gerichtsverfahren gegen mutmaßliche Mitglieder bewaffneter Gruppen sind durch Verletzungen der internationalen Standards für faire Prozesse gekennzeichnet. Besonders werden Personen aufgrund von erzwungenen Geständnissen und unter Folter gewonnenen Zeugenaussagen terroristischer Vergehen angeklagt und verurteilt.

Die Familie von Maskhud Abdullaew hat Tschetschenien 1999 verlassen. Ihr wurde in Aserbaidschan der Flüchtlingsstatus zuerkannt. Im Februar 2006 reiste Maskhud Abdullaew nach Ägypten, um an der islamischen Al-Azhar-Universität zu studieren. Am 27. Mai 2009 wurde er von Mitarbeitern des ägyptischen Geheimdienstes (State Security Investigations – SSI) festgenommen, weil er vermeintlich gegen seine Visa-Auflagen verstoßen hat. Man hielt ihn ohne Kontakt zur Außenwelt im Tora-Gefängnis in der Nähe Kairos fest. Er wurde am 19. Juni 2009 nach Russland abgeschoben.