Rechtsgelehrter ohne Anklage inhaftiert
Der islamische Rechtsgelehrte Yousef Abdallah Abker wurde am 14. Juli in Al-Dschunaina, der Hauptstadt des sudanesischen Bundesstaats West-Darfur, von Sicherheitskräften festgenommen. Die Festnahme hängt mit einer Predigt zusammen, die er Anfang Juli gehalten hatte. Er ist derzeit ohne Anklageerhebung inhaftiert.
Appell an
PRÄSIDENT
HE Omar Hassan Ahmad al-Bashir
Office of the President
People's Palace
PO Box 281
Khartoum
SUDAN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
JUSTIZMINISTER
Awad Al Hassan Alnour
Ministry of Justice
PO Box 302
Al Nil Avenue
Khartoum
SUDAN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Sende eine Kopie an
INNENMINISTER
Ismat Abdul-Rahman Zain Al-Abdin
Ministry of Interior
PO Box 873
Khartoum
SUDAN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK SUDAN
S. E. Herrn
Badreldin Abdalla Mohamed Ahmed A. Alla
Kurfürstendamm 151
10709 Berlin
Fax: 030-890 69 823
E-Mail: info@sudanembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 1. September 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Lassen Sie Yousef Abdallah Abker bitte umgehend und bedingungslos frei, da er ein gewaltloser politischer Gefangener ist, der nur aufgrund der friedlichen Wahrnehmung seines Rechts auf Meinungsfreiheit inhaftiert ist.
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Sorgen Sie bitte dringend dafür, dass er in Gewahrsam weder gefoltert noch anderweitig misshandelt wird.
- Geben Sie bitte unverzüglich seinen Verbleib bekannt und stellen Sie sicher, dass er regelmäßigen Zugang zu seiner Familie, medizinischer Behandlung und einem Rechtsbeistand seiner Wahl erhält.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
-
Calling on the Sudanese authorities to release Yousef Abdallah Abker immediately and unconditionally as he is a prisoner of conscience, detained solely for peacefully exercising his right to freedom of expression.
-
Urging them to ensure that he is not subjected to torture and other ill-treatment during his detention.
- Calling on them to immediately disclose the whereabouts of Yousef Abdallah Abker and ensure that he is granted regular access to his family, medical treatment and a lawyer of his choice.
Sachlage
Yousef Abdallah Abker wurde am 14. Juli von Sicherheitskräften festgenommen und verhört. Offenbar wird ihm vorgeworfen, sich in einer Predigt zum Fest des Fastenbrechens am 6. Juli kritisch über die Regierung und die sich verschlechternde Sicherheitslage in Darfur geäußert zu haben. Yousef Abdallah Abker hatte die sudanesische Regierung scharf dafür kritisiert, die Sicherheitslage in Darfur nicht unter Kontrolle zu bringen und Menschenrechtsverstöße durch regierungsnahe Milizen wie z. B. Tötungen, Vergewaltigungen und Raubüberfälle zu dulden. Er ist derzeit ohne Anklageerhebung inhaftiert.
Ein Familienmitglied von Yousef Abdallah Abker teilte Amnesty International mit, dass die Familie ihn während seines Gewahrsams in Al-Dschunaina nicht besuchen konnte. Seine Angehörigen gehen davon aus, dass er am 18. Juli in das Al-Huda-Gefängnis in Omdurman verlegt wurde, haben jedoch seitdem nichts mehr von ihm gehört. Yousef Abdallah Abker hat seit seiner Festnahme am 14. Juli keinen Zugang zu seinem Rechtsbeistand oder medizinischer Behandlung erhalten.
Amnesty International betrachtet Yousef Abdallah Abker als gewaltlosen politischen Gefangenen, der lediglich aufgrund der friedlichen Wahrnehmung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung inhaftiert ist. Ihm drohen möglicherweise Folter und andere Misshandlungen.
Hintergrundinformation
Die Sicherheitslage und humanitäre Situation in Darfur ist nach wie vor extrem schlecht. Der bewaffnete Konflikt dauert seit nunmehr 13 Jahren an, und eine friedliche Lösung ist nicht in Sicht. Im Zuge der jüngsten Kampfhandlungen in Jebel Marra sind allein seit Mitte Januar 2016 etwa 129.000 Menschen vertrieben worden. Im Jahr 2015 wurden in Darfur geschätzt 223.000 Personen vertrieben. Seit Beginn des Konflikts in Darfur im Jahr 2003 sind mehr als 300.000 Menschen getötet worden, und etwa 2,5 Mio. Personen gelten als Binnenvertriebene.
Allein zwischen Januar und Juni 2016 wurden im Zuge des Konflikts etwa 270 Personen getötet. Gewalt zwischen ethnischen und religiösen Gruppen ist weit verbreitet. In der gesamten Region kommt es weiterhin zu rechtswidrigen Tötungen, Vergewaltigungen, Entführungen und Raubüberfällen sowie zu Angriffen gegen UN-Friedenssicherungskräfte. Die Rechte auf freie Meinungsäußerung, friedliche Versammlung und Vereinigungsfreiheit sind stark eingeschränkt. Willkürliche Festnahme und Inhaftierung sowie Folter und andere Formen der Misshandlung sind in der gesamten Region weit verbreitet.
Dennoch beschreibt die sudanesische Regierung die Sicherheitslage in Darfur immer wieder als verbessert und "stabil".
Im Juni 2016 verlängerte der UN-Sicherheitsrat das Mandat des Hybriden Einsatzes der Afrikanischen Union und der Vereinten Nationen in Darfur (UNAMID) bis zum 30. Juni 2017. Als Grund wurde die anhaltende Instabilität der Sicherheitslage und humanitären Situation in Darfur angegeben. Das Doha-Dokument für Frieden in Darfur soll im Juli 2016 fertiggestellt werden, ohne dass andere bewaffnete Oppositionsgruppen wie die Sudanesische Befreiungsarmee/-bewegung (SLA/M) und die Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit in den Prozess einbezogen worden wären.