Landarbeiter in Gefahr

Im Bundesstaat Tocantins im Norden Brasiliens haben von Grundbesitzern beauftragte Männer Schüsse über zwei Gemeinden von LandarbeiterInnen abgefeuert. Fünf GemeindesprecherInnen wurden "auf eine Todesliste gesetzt". Schon seit langem hält in dieser Region ein Streit über Landrechtsfragen zwischen örtlichen Bauern und LandarbeiterInnen an, die sich für eine Landrechtsreform einsetzen.

Appell an

SICHERHEITSMINISTER DES BUNDESSTAATES TOCANTINS
Exmo. Sr. Secretário de Estado
João Costa Ribeiro Filho

Palácio Araguaia - Pç. dos Girassóis, s/nº Marco Central

77.001-900 - Palmas/TO
BRASILIEN
(korrekte Anrede: Vossa Excelência / Exzellenz)
Fax: (00 55) 63 3218 6800

MINISTERIN FÜR MENSCHENRECHTE
Exma Sra. Ministra Maria do Rosário
Setor Comercial Sul - B, Quadra 9, Lote C
Edificio Parque Cidade Corporate, Torre "A", 10º andar
Brasília, Distrito Federal, CEP: 70308-200
BRASILIEN
(korrekte Anrede: Vossa Excelência / Exzellenz)
Fax: (00 55) 61 2025 9414

Sende eine Kopie an

NICHTREGIERUNGSORGANISATION
Comissão Pastoral da Terra - Tocantins
Rua Porto Alegre, 446,
Bairro São João, caixa postal: 50 - CEP: 77.807-070 - Araguaína-to.
BRASILIEN
Fax: (00 55) 62 4008 6405

BOTSCHAFT DER FÖDERATIVEN REPUBLIK BRASILIEN
S.E. Herrn Everton Vieira Vargas
Wallstraße 57, 10179 Berlin
Fax: 030–7262 83-20 oder -21
E-Mail: brasil@brasemberlim.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Portugiesisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 19. Juli 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte meine Besorgnis um die Sicherheit der 40 in den Siedlungen Assentamento Santo Antônio Bom Sossego und Acampamento Vitória in der Ortschaft Palmeirante lebenden Familien zum Ausdruck bringen, die anhaltenden Drohungen ausgesetzt sind.

  • Ich appelliere an Sie, alle Gewalttaten und Einschüchterungsversuche gegen die BewohnerInnen der Gemeinde zu untersuchen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

  • Stellen Sie sicher, dass die Landrechtsreformen in dem Gebiet zügig abgeschlossen werden, sodass langfristige Schutzmaßnahmen für die Gemeinden gewährleistet werden können.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Expressing concern for the safety of the 40 families in the Assentamento Santo Antônio Bom Sossego and the Acampamento Vitória in the municipality of Palmeirante, who are being subjected to constant threats.

  • Calling on the authorities to investigate all acts of violence and intimidation against these communities and bring those responsible to justice.

  • Calling on them to complete the land reform process in the region in order to bring long-term security to these communities.

Sachlage

In den Siedlungen Assentamento Santo Antônio Bom Sossego und Acampamento Vitória in der Stadt Palmeirante wurden 40 Familien im Auftrag eines ortsansässigen Bauern wiederholt von acht bewaffneten Männer angegriffen. In der Nacht vom 6. Juni feuerten die Männer Schüsse über den Siedlungen der Familien ab. Am 4. Juni hatte man gehört, wie die Männer über die Durchführung einer Hinrichtung diskutierten. Am 29. Mai hatte einer der Männer einem Gemeindemitglied gegenüber gedroht, dass viele Menschen an diesem Ort sterben würden (Lá vai morrer gente). Die LandarbeiterInnen beklagten außerdem, dass Männer am Rande der Siedlung mit Fackeln umhergingen. Fünf Mitglieder der Gemeinde sollen sich auf der Todesliste der bewaffneten Männer befinden.

Seit Oktober vergangenen Jahres sind die BewohnerInnen anhaltenden Drohungen ausgesetzt. Am 3. Oktober brannten bewaffnete Männer mehrere Hütten in der Siedlung Assentamento Santo Antônio Bom Sossego nieder. Am 16. Oktober wurde der Landarbeiter Gabriel Vicente erschossen. MitarbeiterInnen der örtlichen Geschäftsstelle der landesweit aktiven Nichtregierungsorganisation für Landrechtsfragen Commisão Pastoral da Terra (CPT) erhielten aufgrund ihres Einsatzes für die Gemeinden mehrfach Morddrohungen.

Die Siedlung Assentamento Santo Antônio Bom Sossego wurde im Jahr 2003 vom Instituto Nacional de Colonização e Reforma Agrária (INCRA), einer Bundesstelle für Landreformen, gegründet. Kleinbauern ohne Land ließen sich in der nahegelegenen Siedlung Vitória nieder. Im Jahr 2005 erhoben Bauern aus der Region Anspruch auf das Land und begannen, die Gemeinden zu drangsalieren. Im vergangenen Jahr kamen illegale Holzfäller in die Region.

Trotz mehrfacher Beschwerden leitete die Polizei keine angemessenen Ermittlungen zu den Drohungen ein. Während eines Treffens, an dem die Bundesstaatsanwaltschaft, das INCRA-Institut, die Nichtregierungsorganisation CPT und einige Gemeindemitglieder teilgenommen hatten, beschloss man, die Bauern zum Verlassen des Gebiets aufzufordern und zehn weitere Landarbeiterfamilien dort anzusiedeln. Diese Maßnahmen wurden aber bislang nicht umgesetzt.

[EMPFOHLENE AKTIONEN]

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte meine Besorgnis um die Sicherheit der 40 in den Siedlungen Assentamento Santo Antônio Bom Sossego und Acampamento Vitória in der Ortschaft Palmeirante lebenden Familien zum Ausdruck bringen, die anhaltenden Drohungen ausgesetzt sind.

  • Ich appelliere an Sie, alle Gewalttaten und Einschüchterungsversuche gegen die BewohnerInnen der Gemeinde zu untersuchen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

  • Stellen Sie sicher, dass die Landrechtsreformen in dem Gebiet zügig abgeschlossen werden, sodass langfristige Schutzmaßnahmen für die Gemeinden gewährleistet werden können.

[APPELLE AN]

SICHERHEITSMINISTER DES BUNDESSTAATES TOCANTINS
Exmo. Sr. Secretário de Estado
João Costa Ribeiro Filho

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77.001-900 - Palmas/TO
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Brasília, Distrito Federal, CEP: 70308-200
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Fax: (00 55) 61 2025 9414

KOPIEN AN
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Rua Porto Alegre, 446,
Bairro São João, caixa postal: 50 - CEP: 77.807-070 - Araguaína-to.
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Fax: (00 55) 62 4008 6405

BOTSCHAFT DER FÖDERATIVEN REPUBLIK BRASILIEN
S.E. Herrn Everton Vieira Vargas
Wallstraße 57, 10179 Berlin
Fax: 030–7262 83-20 oder -21
E-Mail: brasil@brasemberlim.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Portugiesisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 19. Juli 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Laut der katholischen Nichtregierungsorganisation Commisão Pastoral da Terra (CPT) führten Streitigkeiten über Landrechtsfragen seit den 70er Jahren zu über 1000 Mordfällen. Nur wenige dieser Fälle führten zur strafrechtlichen Verfolgung der Verantwortlichen. Es wird befürchtet, dass sich mehrere Hundert LandrechtsaktivistInnen aufgrund ihrer Arbeit in Gefahr befinden.

HolzfällerInnen und ViehzüchterInnen, die Grenzgebiete im Norden des Landes einschließlich Flächen im Bundesstaat Tocantins illegal nutzen, sind schon seit langem in Landrechtskonflikte verwickelt, die sie häufig unter Gewaltanwendung austragen. Die mangelnde Präsenz staatlicher Stellen und der fehlende politische Handlungswille führten dazu, dass ortsansässige und einflussreiche Personen Straffreiheit genießen und unter Gewaltanwendung gegen UmweltschützerInnen und LandrechtsaktivistInnen vorgehen.

Straffreiheit ist nach wie vor eines der größten Probleme in Brasilien. Nach Angaben der CPT starben seit 1985 rund 1.500 Menschen bei Gewalttätigkeiten in ländlichen Gebieten. Es gab in diesem Zusammenhang allerdings weniger als 100 Verurteilungen. Vitalmiro Bastos de Moura ist der einzige, der wegen eines Mordauftrags zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden ist. Er veranlasste den Mord an der Nonne Schwester Dorothy. Im Laufe der letzten zwanzig bis dreißig Jahre erhielten rund 1800 LandrechtsaktivistInnen Morddrohungen. 42 von ihnen wurden tatsächlich ermordet und weitere 30 leiden unter den Folgen von Mordversuchen.

In den vergangenen Monaten wurden mehrere Menschen bei scheinbar gezielten Angriffen auf Menschenrechtsverteidiger in den benachbarten Bundesstaaten Pará und Rondônia getötet.

Der Umweltschützer José Cláudio Ribeiro da Silva und seine Frau Maria do Espírito Santo wurden am 24. Mai in der Stadt Nova Ipixuna im Bundesstaat Pará aus einem Hinterhalt überfallen und erschossen. Sie hatten sich über mehrere Jahre hinweg gegen die Zerstörung von Regenwäldern durch Rodungen und andere Einriffe eingesetzt. Der mutmaßlicher Zeuge des Mordes, Erenildo Silveira dos Santos, wurde vier Tage später ebenfalls getötet. Adelino Ramos setzte sich für Landrechtsreformen ein und starb am 27. Mai, nachdem man sechs Mal auf ihn geschossen hatte, als er sich mit seiner Frau und seinen Kindern auf dem Weg zum Markt befand. Er hatte lange Zeit gegen die illegalen Waldrodungen im Bundesstaat Rondônia protestiert. Die jüngsten Mordfälle folgten auf die Verabschiedung einer Abänderung der Umweltschutzgesetze durch den brasilianischen Kongress, die nach Ansicht vieler den Schutz mindern und LandrechtsaktivistInnen einem höheren Risiko aussetzen, Opfer von Gewalt zu werden.