Haft ohne Kontakt zur Außenwelt

Der südkoreanische Staatsangehörige Yu Seong-jin wurde am 30. März 2009 an seinem Arbeitsplatz im Industriekomplex Kaeseong in Nordkorea festgenommen. Er wird seither ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten und ist in Gefahr, gefoltert oder in anderer Weise misshandelt zu werden. Die nordkoreanische Regierung hat der südkoreanischen Regierung mitgeteilt, sie habe Yu inhaftiert, da er die nordkoreanische Regierung kritisiert und versucht habe, eine Nordkoreanerin davon zu überzeugen, ihr Land zu verlassen und nach Südkorea zu ziehen.

Appell an

STAATSOBERHAUPT
KIM Jong-il
Chairman of the National Defence Commission and
General Secretary of the Workers Party of Korea
Pyongyang
NORDKOREA
(korrekte Anrede: Dear Chairman)

Sende eine Kopie an

PRÄSIDIUMSPRÄSIDENT DER OBERSTEN VOLKSVERSAMMLUNG
KIM Yong-nam,
President of the Presidium of the Supreme People's Assembly
Pyongyang, NORDKOREA
(korrekte Anrede: Dear Sir)
Fax: (00 850) 2 381 4410

STAATSOBERHAUPT
KIM Yong-il
Prime Minister,
The Cabinet
Pyongyang, NORDKOREA
(korrekte Anrede: Dear Premier)

MINISTER FÜR VOLKSSICHERHEIT
JU Sang-song
Minister of People’s Security
Pyongyang, NORDKOREA
(korrekte Anrede: Dear Minister)

BOTSCHAFT DER DEMOKRATISCHEN VOLKSREPUBLIK KOREA
S.E. Herrn Chang II Hong
Glinkastraße 5-7, 10117 Berlin
Fax: 030-229 3191
E-Mail: info@botschaft-kdvr.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Koreanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 7. August 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.

PLEASE SEND APPEALS TO ARRIVE AS QUICKLY AS POSSIBLE IN ENGLISH, MANDARIN OR YOUR OWN LANGUAGE:

  • urging the authorities to release Yu Seong-jin immediately and unconditionally unless he is charged with an internationally recognisable criminal offence and tried promptly in proceedings which meet international fair trial standards;

  • urging them to reveal where he is being detained, and give him access to his family, a lawyer of his choice and consular support.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE, IN DENEN SIE

  • die Behörden auffordern, Yu Seong-jin umgehend und bedingungslos freizulassen, sofern er nicht einer international anerkannten Straftat beschuldigt wird und unverzüglich ein Gerichtsverfahren erhält, das den internationalen Standards für einen fairen Prozess entspricht;

  • darauf dringen, dass die Behörden bekannt geben, wo man ihn festhält, ihm Zugang zu seiner Familie, einer anwaltlichen Vertretung seiner Wahl und Beistand durch das südkoreanische Konsulat gewähren.

Sachlage

Die nordkoreanische Regierung hat weder seine Arbeitgeber noch die südkoreanische Regierung davon in Kenntnis gesetzt, wo er festgehalten wird. Wenn man ihn in Nordkorea vor Gericht stellt, wird er wegen Vergehen angeklagt, die international keine Straftat darstellen. Ihm droht dann ein Prozess, der weder den internationalen Standards für ein faires Gerichtsverfahren entspricht, noch transparent ist, und in dem er keinen Zugang zu einer anwaltlichen Vertretung seiner Wahl oder einem rechtsstaatlichen Verfahren hat.

Yu Seong-jin arbeitet für die Hyundai Asian Corporation, die zusammen mit einer weiteren südkoreanischen Firma, der Korea Land Corporation, den Industriekomplex Kaeseong errichtet hat und ihn betreibt. Kaeseong wurde im Dezember 2004 eröffnet und beschäftigt etwa 40.000 nordkoreanische ArbeiterInnen. Der Komplex liegt 10 km nördlich der Grenze zu Südkorea. Eine direkte Bahnlinie und eine Straße führen von dort zur Grenze.

Es ist nicht bekannt, wann die nordkoreanischen Behörden ihre Ermittlungen gegen Yu Seong-jin abschließen werden. Nach nordkoreanischem Recht kann er während laufender Ermittlungen bis zu vier Monate ohne Anklage festgehalten werden. Yus bereits über 80 Tage dauernde Haft ohne Kontakt zur Außenwelt wirkt übertrieben. Gemäß eines Abkommens mit Südkorea werden SüdkoreanerInnen, die in Nordkorea arbeiten und für schuldig befunden werden, gegen nordkoreanisches Recht verstoßen zu haben, mit einer Geldstrafe belegt und nach Südkorea abgeschoben.

Die nordkoreanische Regierung hat auf die wiederholten Bitten um Freilassung von Yu Seong-jin seitens der südkoreanischen Regierung bei den bilateralen Gesprächen im Industriekomplex Kaeseong am 11. und 19. Juni 2009 nicht reagiert.

Die nordkoreanische Regierung scheint Yu Seong-jin bei den Verhandlungen mit Südkorea über die zukünftige Führung des Industriekomplexes Kaeseong als Pfand zu benutzen.

Zwei US-amerikanische Journalistinnen, Laura Ling und Euna Lee, die für den in Kalifornien ansässigen Sender Current TV arbeiten, wurden am 17. März 2009 in der Nähe des Flusses Tumen von nordkoreanischen Sicherheitskräften festgenommen. Der Tumen bildet die Grenze zu China. Es ist nicht bekannt, ob die Frauen die Grenze nach Nordkorea bereits überschritten hatten, als sie festgenommen wurden, oder ob sie sich noch auf chinesischem Boden befanden. Am 8. Juni 2009 wurden sie wegen einer nicht näher definierten "schweren Straftat" gegen das Land zu zwölf Jahren Gefängnis mit Zwangsarbeit verurteilt. Sie hatten zu Menschenrechtsverletzungen an nordkoreanischen Frauen recherchiert.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Der Zugang zu Nordkorea wird streng kontrolliert, wodurch Untersuchungen zur Lage der Menschenrechte behindert werden. Trotz wiederholter Anfragen verweigert die nordkoreanische Regierung dem UN-Sonderberichterstatter zur Lage der Menschenrechte in Nordkorea und dem UN-Sonderberichterstatter über das Recht auf Nahrung sowie Amnesty International und anderen unabhängigen BeobachterInnen der Menschenrechtslage den Zugang zum Land.

Berichte dieser Institutionen, von Exil-NordkoreanerInnen aus vielen Ländern (darunter auch in Südkorea und Japan), von Menschenrechts-NGOs und JournalistInnen lassen ein besorgniserregendes Maß an Menschenrechtsverletzungen erkennen, darunter Folter, die Inhaftierung politischer Gefangener sowie grausame und unmenschliche Haftbedingungen.