Drohende Folter und Misshandlung

Die beiden oben genannten Männer wurden in den letzten drei Wochen festgenommen. Sie werden ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft gehalten und sind in Gefahr, gefoltert oder in anderer Weise misshandelt zu werden. Laut jemenitischen Quellen befindet sich der Journalist Salah Ahmed Yaha al-Shagladi im Gefängnis für innere Sicherheit in der Hauptstadt Sana’a und der Dozent Hussein al-'Agil im Gewahrsam der Kriminalpolizei, ebenfalls in der Hauptstadt. Beide scheinen gewaltlose politische Gefangene zu sein, die ausschließlich wegen der friedlichen Wahrnehmung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung inhaftiert sind.

Appell an

STAATSPRÄSIDENT
His Excellency General ´Ali ´Abdullah Saleh
Office of the President of the Republic of Yemen
Sana'a, JEMEN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
Fax: (00 967) 127 4147

GENERALSTAATSANWALT
His Excellency 'Abdullah al-'Ulufi
Office of the Attorney General
Sana’a, JEMEN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
Fax: (00 967) 137 4412

INNENMINISTER
His Excellency Mutaher Rashad al Masri
Ministry of Interior
Sana'a, JEMEN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
Fax: (00 967) 133 2511

Sende eine Kopie an

MINISTER FÜR MENSCHENRECHTE
Her Excellency Houda 'Ali 'Abdullatif al-Baan
Ministry for Human Rights
Sana’a, JEMEN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
Fax: (00 967) 1 444 833

BOTSCHAFT DER REPUBLIK JEMEN
S.E. Herrn Prof. Dr. Mohammed L. Al-Eryani
Budapester Str. 37, 10787 Berlin
Fax: 030-8973 0562
E-Mail: botschaft-jemen@freenet.de oder
Info@Botschaft-Jemen.de oder
konsulat@botschaft-jemen.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 5. August 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.

PLEASE SEND APPEALS TO ARRIVE AS QUICKLY AS POSSIBLE, IN ENGLISH OR YOUR OWN LANGUAGE:

  • urging the authorities to ensure that Salah Ahmed Yahya al-Shagladi and Hussein al-'Agil are protected from torture and other ill-treatment, and are allowed prompt and regular access to lawyers of their choosing, their families and any medical treatment they may require;

  • pointing out that if they are held solely for the peaceful exercise of their right to freedom of expression, Amnesty International would consider them prisoners of conscience, and call for their immediate and unconditional release;

  • asking for details of any charges the two men face, and urging the authorities to ensure that any legal proceedings against them conform to international fair trial standards.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE, IN DENEN SIE

  • bei den Behörden darauf dringen, dass Hussein al-'Agil und Salah Ahmed Yaha al-Shagladi vor Folter und anderer Misshandlung geschützt werden, und dass sie sofortigen und regelmäßigen Zugang zu einer rechtlichen Vertretung ihrer Wahl, ihren Familien und jeglicher benötigter medizinischer Versorgung erhalten;

  • anmerken, dass wenn die Männer nur deshalb festgehalten werden, weil sie friedlich ihre Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit ausgeübt haben, Amnesty International sie als gewaltlose politische Gefangene betrachtet und ihre sofortige und bedingungslose Freilassung fordert;

  • nach den Anklagen gegen die zwei Männer fragen und darauf bestehen, dass eventuelle Gerichtsverfahren gegen sie den internationalen Standards für ein faires Gerichtsverfahren entsprechen.

Sachlage

Mitglieder der Nationalen Sicherheit nahmen Salah Ahmed Yaha al-Shagladi am 18. Juni in seinem Haus in Aden fest. Jemenitischen Quellen zufolge schlugen ihn die Sicherheitskräfte und schleiften ihn vor den Augen seiner Familie aus dem Haus. Sie brachten ihn in das Fatih-Gefängnis in Aden. Am nächsten Tag wurde er in das Sicherheitsgefängnis für politische Gefangene in Sana’a überstellt. Seit seiner Verhaftung hatte Salah Ahmed Yaha al-Shagladi weder Kontakt zu seiner Familie noch zu einem rechtlichen Vertreter.

Hussein al-'Agil nahm man am 8. Juni an der Universität von Aden fest. Er unterrichtet dort Geographie. Man brachte ihn in das Sabr-Gefängnis in der Stadt Lahij im Süden des Landes. Seine Familie durfte ihn dort besuchen. Doch am 22. Juni brachte man ihn nach Sana’a, wo er sich seither ohne Kontakt zur Außenwelt im Gewahrsam der Kriminalpolizei befinden soll.

Es steht nicht eindeutig fest, weshalb die beiden Männer verhaftet wurden. Man nimmt jedoch an, dass sie ins Visier genommen wurden, weil sie für einen politischen Zusammenschluss, bekannt als Southern Movement, schrieben. In den Augen der Behörden setzt sich diese Bewegung für die Unabhängigkeit des südlichen Jemen ein.
Salah Ahmed Yaha al-Shagladi hatte Artikel veröffentlicht, in denen er das Southern Movement unterstützte und seine Besorgnis über die Lage im südlichen Jemen zum Ausdruck brachte. Hussein al-'Agil hatte eine Studie über Ölvorkommen im südlichen Jemen verfasst, die 2009 in der jemenitischen Zeitung al-Watani veröffentlicht worden sein soll.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Im südlichen Jemen kommt es seit ungefähr zwei Jahren immer wieder zu Protesten. Es begann mit Protesten von pensionierten Soldaten aus dem Süden, die sich immer lauter darüber beschwerten, dass sie hinsichtlich Anstellung, Vergütung und Rentenzahlungen gegenüber den Soldaten aus dem Norden benachteiligt werden. Die meisten der pensionierten Soldaten gehörten der Armee der ehemaligen Demokratischen Volksrepublik Jemen, auch bekannt als Südjemen, an. Nach der Vereinigung des Landes im Jahr 1990 waren die beiden Armeen der Demokratischen Volksrepublik Jemen (Südjemen) und der Arabischen Republik Jemen (Nordjemen) zu den Streitkräften der neuen Republik Jemen zusammengeschlossen worden. Infolge des Bürgerkriegs von 1994 wurden jedoch viele Soldaten des früheren Südjemen aus der Armee entlassen. Diese ehemaligen Angehörigen der Streitkräfte, aber auch diejenigen, die noch einen Teil der jetzigen Armee bilden, beklagen, im Vergleich zu den Soldaten des ehemaligen Nordjemen benachteiligt zu werden. Das Southern Movement scheint aus diesen Protesten hervorgegangen zu sein.