Drohende Hinrichtung

Yokamon Laneal Hearn soll am 18. Juli im US-Bundesstaat Texas hingerichtet werden. Er ist schuldig befunden worden, 1998 im Alter von 19 Jahren einen Mord begangen zu haben. Seinen Rechtsbeiständen zufolge leidet Yokamon Laneal Hearn an einer geistigen Behinderung. Seine Hinrichtung würde damit gegen die US-Verfassung verstoßen.

Appell an

BEGNADIGUNGSAUSSCHUSS VON TEXAS
Clemency Section, Texas Board of Pardons and Paroles
8610 Shoal Creek Blvd.
Austin, Texas 78757-6814, USA
(korrekte Anrede: Dear Board members / Sehr geehrte Damen und Herren)
Fax: (00 1) 512 467 0945
E-Mail: bpp-pio@tdcj.state.tx.us

GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES TEXAS
Governor Rick Perry
Office of the Governor
PO Box 12428, Austin, Texas 78711-2428, USA
(korrekte Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (00 1) 512 463 1849

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S.E. Herrn Philip Dunton Murphy
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über
http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, so dass sie noch vor dem 18. Juli 2012 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bin mir der Schwere des Verbrechens bewusst, das Yokamon Laneal Hearn zur Last gelegt wird, und möchte in keiner Weise das dadurch verursachte Leid verharmlosen.

  • Ich möchte dennoch darauf hinweisen, dass Yokamon Laneal Hearn an einer geistigen Behinderung leidet und zur Tatzeit erst 19 Jahre alt war.

  • Ich bitte Sie eindringlich, Yokamon Laneal Hearns Todesurteil umzuwandeln und möchte mich ausdrücklich gegen seine Hinrichtung aussprechen.

Sachlage

Yokamon Laneal Hearn wurde wegen des Mordes an dem 23-jährigen Börsenmakler Joseph Franklin (Frank) Meziere, der im März 1998 in Dallas begangen wurde, zum Tode verurteilt. Frank Meziere war von vier Jugendlichen, die sein Auto stehlen wollten, entführt und danach mit zehn Kopfschüssen getötet worden. Alle vier wurden des Mordes für schuldig befunden. Der Staatsanwaltschaft zufolge gab Yokamon Laneal Hearn sechs der zehn Schüsse ab, während ein weiterer Angeklagter, Delvin Diles, vier Schüsse abfeuerte. Nach der Verhandlung von Yokamon Laneal Hearn bot die Staatsanwaltschaft Delvin Diles eine Einigung an, unter der er auf eine Schwurgerichtsverhandlung verzichtete und dafür die Zusicherung bekam, nicht mit dem Tode bestraft zu werden. Delvin Diles, der zum Zeitpunkt der Tat 18 Jahre alt gewesen war, bekannte sich des Mordes für schuldig und wurde 1999 zu lebenslanger Haft verurteilt. Die beiden anderen Angeklagten, die zum Tatzeitpunkt 19 und 20 Jahre alt gewesen waren, bekannten sich des schweren Raubs für schuldig und erhielten eine zehnjährige Gefängnisstrafe.

Yokamon Laneal Hearn war zum Zeitpunkt der ihm vorgeworfenen Tat mit 19 Jahren noch sehr jung. Zudem leidet er nachweislich unter einer geistigen Entwicklungsstörung. Seinen Rechtsbeiständen zufolge kommt diese Störung einer "geistigen Retardierung" gleich, was bedeutet, dass eine Hinrichtung von Yokamon Laneal Hearn als verfassungswidrig anzusehen wäre. Im Juni 2002 untersagte der Oberste Gerichtshof der USA im Fall Atkins gegen Virginia die Exekution mutmaßlicher StraftäterInnen mit einer solchen geistigen Behinderung. Yokamon Laneal Hearn macht diese Gerichtsentscheidung geltend; allerdings liegen seine IQ-Werte über denen, die gewöhnlich als Hinweis auf "geistige Retardierung" gelten. Die Verteidigung hat jedoch Stellungnahmen von Sachverständigen vorgelegt, die besagen, dass Yokamon Laneal Hearn trotz seiner hohen IQ-Werte dennoch eine Behinderung aufweist, die einer Retardierung gleichkommt, und die Rechtsprechung aus dem Atkins-Fall daher auf ihn anwendbar sein sollte. Die Gerichte haben sich jedoch dagegen ausgesprochen.

Die drei anderen Mitangeklagten beschrieben Yokamon Laneal Hearn 2006 in eidesstattlichen Aussagen als Teenager, der 1998 ein Mitläufer und kein Anführer war. Ihre Aussagen und weitere Nachweise über das Verhalten von Yokamon Laneal Hearn während und nach dem Mord deuten darauf hin, dass seine damaligen Handlungen seiner Unreife und geistigen Behinderung geschuldet waren und nicht auf Planung oder kalte Berechnung zurückzuführen sind. Delvin Diles gab an, dass es seine und nicht Yokamon Laneal Hearns Idee gewesen sei, Frank Meziere zu töten. Die anderen beiden Angeklagten sagten aus, dass vor dem Raubüberfall kein Mord geplant gewesen sei.

Seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen im Jahr 1982 sind in Texas mindestens 70 Menschen exekutiert worden, die zur mutmaßlichen Tatzeit zwischen 17 und 19 Jahre alt waren. Über die Hälfte dieser jugendlichen StraftäterInnen waren Afroamerikaner, von denen wiederum 70% einer Tat für schuldig befunden worden waren, die eine weiße Person zum Opfer hatte. Yokamon Laneal Hearn ist einer von mindestens 40 Häftlingen, die sich derzeit in Texas in der Todeszelle befinden, weil sie wegen eines Verbrechens verurteilt wurden, das sie im Alter von 18 oder 19 Jahren begangen haben sollen. Über die Hälfte dieser zum Tode verurteilten Häftlinge sind Afroamerikaner, so auch Yokamon Laneal Hearn. Frank Meziere war weiß.

[EMPFOHLENE AKTIONEN]

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bin mir der Schwere des Verbrechens bewusst, das Yokamon Laneal Hearn zur Last gelegt wird, und möchte in keiner Weise das dadurch verursachte Leid verharmlosen.

  • Ich möchte dennoch darauf hinweisen, dass Yokamon Laneal Hearn an einer geistigen Behinderung leidet und zur Tatzeit erst 19 Jahre alt war.

  • Ich bitte Sie eindringlich, Yokamon Laneal Hearns Todesurteil umzuwandeln und möchte mich ausdrücklich gegen seine Hinrichtung aussprechen.

[APPELLE AN]

BEGNADIGUNGSAUSSCHUSS VON TEXAS
Clemency Section, Texas Board of Pardons and Paroles
8610 Shoal Creek Blvd.
Austin, Texas 78757-6814, USA
(korrekte Anrede: Dear Board members / Sehr geehrte Damen und Herren)
Fax: (00 1) 512 467 0945
E-Mail: bpp-pio@tdcj.state.tx.us

GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES TEXAS
Governor Rick Perry
Office of the Governor
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Fax: (00 1) 512 463 1849

KOPIEN AN
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S.E. Herrn Philip Dunton Murphy
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
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http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, so dass sie noch vor dem 18. Juli 2012 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

[HINTERGRUNDINFORMATIONEN (AUF ENGLISCH)]

Yokamon Hearn was about 20 minutes from execution on 4 March 2004 when he was granted a stay by the US Court of Appeals for the Fifth Circuit to give the courts more time to consider his "Atkins claim". In the Atkins ruling, the US Supreme Court had not defined mental retardation, although it pointed to definitions used by professional bodies. Under such definitions, mental retardation is a disability, manifested before the age of 18, characterized by significantly sub-average intellectual functioning (generally indicated by an IQ of less than 70) accompanied by limitations in two or more adaptive skill areas such as communication, self-care, work, and functioning in the community. The Court left it to the states as to how to comply with the ruling. Today, a decade after the Atkins ruling, the Texas legislature has still not enacted a law to comply with it. In the absence of such legislation, in 2004 the Texas Court of Criminal Appeals (TCCA) issued temporary guidelines.

Success on Yokamon Hearn’s Atkins claim became less likely in 2006 when his IQ was assessed as high as 93. However, his lawyers obtained expert opinion concluding that he had structural brain dysfunction, possibly as a result of Fetal Alcohol Syndrome caused by his teenaged mother’s alcohol abuse during pregnancy with him, and that his impairment still amounts to mental retardation. In 2008, a US District Court concluded that Yokamon Hearn had made a prima facie showing of mental retardation. This federal judge eventually sent the case back to the Texas courts where in 2010 the TCCA ruled against Yokamon Hearn, while noting that the Texas legislature had, eight years on, failed to enact legislation to enforce the Atkins ruling. The TCCA said that, "without significantly greater assistance from the legislature", it would adhere to its 2004 guidelines, including the "about 70" language in relation to IQ, which it took to represent a "rough ceiling, above which a finding of mental retardation in the capital context is precluded". The Fifth Circuit ruled against Hearn in January 2012, noting that the US Supreme Court had explicitly left it up to states as to how to comply with the Atkins ruling, and that "it would be wholly inappropriate for this court, by judicial fiat, to tell the States how to conduct an inquiry into a defendant’s mental retardation".

In its 2005 ruling prohibiting the death penalty against anyone who was under 18 at the time of the crime (Roper v. Simmons) the US Supreme Court recognized the immaturity, impulsiveness, poor judgment and underdeveloped sense of responsibility associated with youth, as well as the susceptibility of young people to "outside pressures, including peer pressure". The Court also acknowledged that "the qualities that distinguish juveniles from adults do not disappear when an individual turns 18". Indeed, scientific research shows that brain development continues into a person’s 20s. In 1993, in the case of a Texas death row prisoner who was 19 at the time of the crime, the Supreme Court had emphasised that: "youth is more than a chronological fact. It is a time and condition of life when a person may be most susceptible to influence and to psychological damage. A lack of maturity and an underdeveloped sense of responsibility are found in youth more often than in adults... These qualities often result in impetuous and ill-considered actions and decisions."

Before the Atkins ruling in 2002, Texas accounted for more executions of people with "mental retardation" than any other state in the USA. Before the Roper ruling in 2005, Texas accounted for more executions of people under 18 at the time of the crime than any other state. Texas accounts for some 37 per cent of the national judicial death toll, which currently stands at 1,296 since 1976 when the US Supreme Court allowed executions to resume under revised state laws. Amnesty International opposes the death penalty in all cases. Yokamon Hearn is scheduled to become the 483rd person to be put to death in Texas since it resumed executions in 1982. There have been 19 executions in the USA so far in 2012, five of them in Texas.

For further information on Yokamon Hearn’s case, see 'USA: Senseless killing after senseless killing: Texas inmate with mental disability claim facing execution for murder committed as teenager’, June 2012, http://www.amnesty.org/en/library/info/AMR51/042/2012/en.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Explaining that you are not seeking to excuse the murder of Frank Meziere or to downplay the suffering caused.

  • Noting evidence of Yokamon Hearn’s mental disability and that he was only 19 at the time of the crime.

  • Opposing the execution of Yokamon Hearn and calling for his death sentence to be commuted.