Menschenrechtlerin in Lebensgefahr

Die Menschenrechtsverteidigerin Aminetou Mint El Moctar ist in Lebensgefahr, nachdem der Anführer einer islamistischen Gruppierung Morddrohungen gegen sie ausgesprochen hat. Bislang haben die Behörden keine Maßnahmen eingeleitet, um sie und die übrigen Mitglieder ihrer Organisation zu schützen.

Appell an

PRÄSIDENT
Son Excellence
Mohamed Ould Abdel Aziz
Président de la République
La Présidence, BP 184
Nouakchott
MAURETANIEN
(korrekte Anrede: Dear President / Monsieur le Président / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 222) 45 25 98 01

BEAUFTRAGTE FÜR MENSCHENRECHTE, HUMANITÄRE ANGELEGENHEITEN UND BEZIEHUNG ZUR ZIVILGESELLSCHAFT
Ms Aichetou Mint M’Haiham
Commissariat aux Droits de l’Homme,
à l’Action humanitaire et aux Relations avec la société civile
B.P. 1258
Nouakchott
MAURETANIEN
Anrede: Dear Commissioner / Madame la Commissaire / Sehr geehrte Frau Kommissarin)
Fax: (00 222) 45 29 21 55

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK MAURETANIEN
Herr Hamed Sidi Mohamed, I. Botschaftsrat (Geschäftsträger a.i.)
Kommandantenstr. 80
10117 Berlin
Fax: 030-2067 4750
E-Mail: ambarim.berlin@gmx.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Französisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 5. August 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich fürchte, dass Aminetou Mint El Moctar, die Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation AFCF, in Lebensgefahr ist, nachdem sie Morddrohungen erhalten hat.

  • Sehr besorgt bin ich, da die Behörden offenbar bislang keine Maßnahmen eingeleitet haben, um Aminetou Mint El Moctar und die übrigen Mitglieder ihrer Organisation zu schützen. Auch wurden noch keine strafrechtlichen Maßnahmen gegen die für die Drohungen Verantwortlichen eingeleitet.

  • Ich bitte Sie eindringlich, die Morddrohungen zu verurteilen und sofort Schutzmaßnahmen für Aminetou Mint El Moctar und ihre Organisation anzuordnen.

Sachlage

Aminetou Mint El Moctar, die Vorsitzende der Frauenrechtsorganisation Association des femmes chefs de familles (AFCF), hat eine Morddrohung in Form einer Fatwa erhalten, die der Anführer der islamistischen Gruppierung Ahbab Errassoul, Yehdhih Ould Dahi, ausgesprochen hat. In einem in den Lokalmedien veröffentlichten Interview hatte Aminetou Mint El Moctar ein faires Gerichtsverfahren für Cheikh Ould Mkheitir gefordert, einen 28-jährigen Mann, der wegen Abfalls vom Glauben unter Anklage steht und gegenwärtig im Gefängnis der Stadt Nouadhibou im Norden Mauretaniens inhaftiert ist. Kurz nach der Veröffentlichung des Interviews wurde am 5. Juni eine Fatwa online gestellt, in der es hieß: "Wer sie tötet oder ihr beide Augen ausreißt, wird von Allah dafür belohnt werden." Auch ihre Kontaktdaten, die ihrer Organisation und das Kennzeichen ihres Autos wurden öffentlich gemacht.

Aminetou Mint El Moctar versuchte am 6. Juni wegen der Aufforderung zu ihrer Ermordung Anzeige zu erstatten. Die Polizei weigerte sich jedoch, die Anzeige aufzunehmen und empfahl ihr, direkt mit Yehdhih Ould Dahi zu sprechen.
Die Behörden haben die Aufforderung zur Tötung der Menschenrechtlerin bislang nicht verurteilt und keine Schutzmaßnahmen für sie und die Mitglieder ihrer Organisation eingeleitet. Auch gegen die Personen, die die Morddrohung zu verantworten haben, sind bis jetzt keine strafrechtlichen Schritte eingeleitet worden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die Menschenrechtsorganisation AFCF wurde 1999 gegründet und setzt sich für die Rechte von Frauen und Mädchen ein – vor allem im Zusammenhang mit dem Kampf gegen Sklaverei. Aminetou Mint El Moctar erhielt 2006 den Menschenrechtspreis der Französischen Republik. 2010 verlieh ihr die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton eine Auszeichnung für ihren Kampf gegen die moderne Sklaverei.
Am 21. Juni wurde der mauretanische Präsident Mohamed Ould Abdel Aziz mit 81,89% der Stimmen wiedergewählt. Mehrere Oppositionsparteien hatten die Wahl jedoch boykottiert. Mohamed Ould Abdel Aziz ist derzeit Vorsitzender der Afrikanischen Union.