Keine medizinische Versorgung
Johan Teterissa
© Al Jazeera English
Der gewaltlose politische Gefangene Johan Teterissa benötigt dringend medizinische Versorgung. Er ist seit zwei Wochen schwer krank. Dies scheint den gesundheitlichen Folgen der Folter und anderer Misshandlungen geschuldet, die er bei seiner Festnahme im Juni 2007 erlitt. Die Gefängnisbehörden verweigern ihm jedoch den Zugang zur nötigen Behandlung.
Appell an
GENERALDIREKTOR DER GEFÄNGNISBEHÖRDEN
Ministry of Justice and Human Rights
Drs. Untung Sugiyono
Jl. Veteran No. 11
Jakarta Pusat, INDONESIEN
(korrekte Anrede: Dear Director General)
Fax: (00 62) 21 384 1711
JUSTIZ- UND MENSCHENRECHTSMINISTER
Ministry of Justice and Human Rights
Mr. Patrialis Akbar
Jl. H.R. Rasuna Said Kav No. 4-5
Kuningan
Jakarta Selatan 12950
INDONESIEN
(korrekte Anrede: Dear Minister)
Fax: (00 62) 21 525 3095
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER REPUBLIK INDONESIEN
S.E. Herrn Eddy Pratomo
Lehrter Straße 16-17
10557 Berlin
Fax: 030-4473 7142
E-Mail: pratomo@indonesian-embassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Indonesisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 27. August 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Stellen Sie sicher, dass Johan Teterissa umfassenden und sofortigen Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung erhält.
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Sorgen Sie dafür, dass er angemessene Nahrung und sauberes Trinkwasser gemäß den internationalen Menschenrechtsstandards und indonesischen Gesetzen erhält.
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Lassen Sie Johan Teterissa umgehend und bedingungslos frei, da er nur aufgrund des friedlichen Ausdrucks seiner Ansichten inhaftiert ist.
- Stellen Sie sicher, dass die Haftbedingungen internationalen Standards entsprechen, den indonesischen Gesetzen Folge leisten und keine grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung beinhalten.
Sachlage
Johan Teterissa, ein 48-jähirger Lehrer, der im Lowokwaru-Gefängnis in der Provinz Ost-Java festgehalten wird, befindet sich seit Juni 2007 in Haft. Er verbüßt eine 15-jährige Gefängnisstrafe, weil er einen friedlichen Protest angeführt hatte. Bei seiner Festnahme und in den ersten Wochen der Haft wurde er gefoltert und in anderer Weise misshandelt, zum Beispiel schlugen und traten ihn Polizist_innen. Johan Teterissa erhielt keine angemessene medizinische Versorgung seiner Verletzungen. Inzwischen hat er ständig Schmerzen. Er berichtet, dass er nicht mehr gut sehen und aufgrund der Schmerzen nicht mehr richtig schlafen kann.
Laut Quellen aus dem Umfeld des Gefängnisses, in dem er sich befindet, hat sich der Gesundheitszustand von Johan Teterissa in den vergangenen zwei Wochen verschlechtert, und er hat hohes Fieber. Die Gefängnisärzt_innen haben ihn nicht angemessen behandelt, und die Gefängnisbehörden verweigern ihm den Zugang zu medizinischer Versorgung außerhalb des Gefängnisses. Am 15. Juli besuchte ein unabhängiger Arzt das Gefängnis, um Johan Teterissa zu sehen. Die Gefängnisbehörden ließen ihn aber nicht zu ihm.
Johan Teterissa wird seit März 2009 im Lowokwaru-Gefängnis festgehalten. Das Gefängnis ist tausende Kilometer von seiner Familie entfernt, die ihn deshalb nicht besuchen kann. Es besteht außerdem die Sorge, dass er nicht ausreichend Nahrung und kein sauberes Wasser erhält. Amnesty International hat bereits darüber berichtet, dass die indonesischen Gefängnisse häufig überfüllt sind, nur über schlechte sanitäre Einrichtungen verfügen und die Gefangenen keine ausreichende Nahrung erhalten. Die Haftbedingungen entsprechen damit weder den UN-Mindeststandards für die Behandlung von Gefangenen noch der indonesischen Bestimmung Nr. 32/1999 über die Bedingungen und Verfahren zur Umsetzung der Rechte von Gefangenen. Amnesty International ist der Ansicht, dass die Verweigerung der medizinischen Versorgung von Johan Teterissa grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung gleich kommen könnte.
Hintergrundinformation
Johan Teterissa und 21 andere politische Aktivist_innen wurden am 29. Juni 2007 in der Provinz Maluku festgenommen, weil sie die Benang Raja-Fahne, ein Symbol der Unabhängigkeit von Südmaluku, entrollt hatten und den traditionellen Tanz Cakalele vor dem indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono aufführten.
Nach der Aufführung nahm die Polizei und die Antiterroreinheit Detachment-88 alle 22 Tänzer_innen fest. Sie wurden geschlagen und gezwungen, auf dem Bauch über heißen Asphalt zu kriechen, man schlug sie mit einem Elektrokabel und zwang ihnen Billardkugeln in den Mund. Die Polizei schlug sie außerdem mit Gewehrkolben auf den Kopf, bis ihre Ohren bluteten und feuerte Waffen in der Nähe ihrer Ohren ab. Die Polizei drohte ihnen ohne Unterlass mit weiterer Folter, manchmal hielt sie ihnen dabei Waffen an den Körper und versuchte dadurch "Geständnisse" zu erzwingen.
Am 4. April 2008 verurteilte ein Gericht Johan Teterissa zu lebenslanger Haft, weil er das Flaggenhissen angeführt hatte. Drei Monate später wurde das Strafmaß auf 15 Jahre herabgesetzt. Die übrigen politischen Aktivist_innen verbüßen Gefängnisstrafen zwischen sieben und 20 Jahren wegen "Rebellion" nach den Paragrafen 106 und 110 des indonesischen Strafgesetzbuchs. Amnesty International ist besorgt, dass die Gerichte sie nach unfairen Gerichtsverfahren sowie Folter und anderen Misshandlungen bei der Festnahme und in der Haft zu langjährigen Haftstrafen verurteilte. Der 23. Tänzer wurde im Juni 2008 festgenommen und im März 2009 zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.