Angriffe auf NGO-Mitglieder

Human rights defenders COFADEH

Human rights defenders COFADEH

Mitglieder der bekannten honduranischen Menschenrechtsorganisation COFADEH sind laut eigenen Angaben in den vergangenen Wochen beschattet und angegriffen worden. Die honduranischen Behörden müssen wirksame Maßnahmen ergreifen, um die Mitglieder von COFADEH und ihre Familien zu schützen. Dies hat die Interamerikanische Menschenrechtskommission (IAKMR) angeordnet.

Appell an

GENERALSTAATSANWALT
Oscar Chinchilla Banegas
Ministerio Público, Lomas del Guijarro
Avenida República Dominicana

Edificio Lomas Plaza II
Tegucigalpa, HONDURAS
(Anrede: Dear Attorney General / Señor Fiscal General / Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)
Fax: (00 504) 2221 5667
Twitter: @MP_Honduras

INNENMINISTER
Sr. Arturo Corrales
Secretaría de Estado en el Despacho de Seguridad
Aldea el Ocotal, Antiguo Local de la Academia Nacional de Policía ANAPO
Tegucigalpa, HONDURAS
(Anrede: Dear Minister of Interior / Señor Ministro del Interior / Sehr geehrter Herr Innenminister)
E-Mail: comunicacionCNDS@gmail.com

Sende eine Kopie an

MENSCHENRECHTSORGANISATION
Comité de Familiares de Detenidos Desaparecidos en Honduras (COFADEH)
Barrio La Plazuela, Avenida Cervantes
Casa No. 1301
Tegucigalpa
HONDURAS
E-Mail: prensacofadeh@gmail.com

BOTSCHAFT DER REPUBLIK HONDURAS
S. E. Herrn Ramón Custodio Espinoza
Cuxhavener Straße 14
10555 Berlin
Fax: 030-3974 9712
E-Mail: informacion.embahonduras.de@gmail.com

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 30. Juli 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

E-MAILS, FAXE, TWITTER-NACHRICHTEN ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich fordere Sie auf, eine unabhängige, umfassende und unparteiische Untersuchung der Entführung und Überwachung von sowie der Angriffe auf COFADEH-Mitarbeiter_innen einzuleiten.

  • Bitte ergreifen Sie umgehend Maßnahmen, um die Anordnungen der IAKMR zum Schutz der Mitarbeiter_innen von COFADEH und ihrer Familien in Absprache mit ihnen vollständig umzusetzen.

  • Ich möchte zudem daran erinnern, dass Menschenrechtsverteidiger_innen das Recht haben, ihre Arbeit ohne unfaire Einschränkungen oder Angst vor Vergeltungsmaßnahmen auszuüben, wie es die UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger_innen vorschreibt.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to order an independent, thorough and impartial investigation into the kidnapping, attacks, and surveillance of COFADEH members of staff.

  • Urging them to take immediate steps to fully comply with the IACHR's orders to protect those who work at COFADEH and their families, in accordance with their own wishes.

  • Reminding them that human rights defenders have the right to carry out their activities without any unfair restrictions or fear of reprisals, as set out in the UN Declaration on Human Rights Defenders.

Sachlage

Seit dem 13. Mai ist das Büro der bekannten Menschenrechtsorganisation "Komitee der Familienangehörigen von verschwundenen Inhaftierten in Honduras" (Comité de Familiares de Detenidos Desaparecidos en Honduras – COFADEH) in der Hauptstadt Tegucigalpa laut Angaben von Mitarbeiter_innen fortwährend beobachtet worden. Einige Mitglieder von COFADEH gaben an, jeden Morgen zur gleichen Zeit auf dem Weg zur Arbeit dasselbe rote Auto mit getönten Scheiben in der Nähe des Eingangs zum Büro gesehen zu haben. Am 29. Mai wurde gegen 10 Uhr ein Mann gesichtet, der Fotos von dem Gebäude schoss. Ebenfalls Ende Mai stand ein weiterer, bewaffneter Mann in der Nähe des Büros der Organisation.

Am 4. Juni wurde eine Mitarbeiterin, die kurz zuvor eine Veranstaltung zum Thema Verschwindenlassen in einem Hotel in Tegucigalpa besucht hatte, für zwei Stunden entführt. Nachdem sie in ein Sammeltaxi gestiegen war, schlugen zwei Frauen und ein Mann ihr brutal mit einem Gewehrkolben auf das Gesicht, stachen mit einem Bleistift auf ihre Beine, Hände und ihren Hals ein und versuchten, sie mit einem Kabel zu erwürgen. Sie wurde zwei Stunden lang festgehalten, ausgeraubt und schließlich wieder freigelassen. Am 15. Juni wurde auf dieselbe Mitarbeiterin nahe dem Büro von COFADEH auf der Straße ein Raubüberfall verübt.

Im November 2009 forderte die Interamerikanische Menschenrechtskommission (IAKMR) die honduranischen Behörden auf, die Mitglieder von COFADEH und ihre unmittelbaren Familienangehörigen zu schützen. Allerdings haben Mitglieder der Organisation berichtet, dass die Behörden bislang keine wirksamen Maßnahmen zu ihrem Schutz eingeleitet haben. So soll die Polizei in den vergangenen zwei Monaten beispielsweise nicht regelmäßig vor dem Büro von COFADEH patrouilliert haben, obwohl dies zuvor vereinbart worden war.

Hintergrundinformation

Hintergrund

COFADEH wurde 1982 von den Angehörigen politischer Aktivist_innen, Studierender und führender Gewerkschafter_innen, die unter einer früheren Militärregierung Opfer von Verschwindenlassen durch die Sicherheitskräfte geworden waren, gegründet. Die Organisation sammelt seitdem weiterhin Zeugenaussagen, schützt gefährdete Personen und unterstützt diejenigen, die nach Gerechtigkeit streben.

Menschenrechtsverteidiger_innen sind in Honduras großer Gefahr ausgesetzt. Laut dem honduranischen Menschenrechtsombudsmann sind seit Januar 2010 insgesamt 30 Journalist_innen und 70 Rechtsanwält_innen getötet worden. Unter den Dutzenden Fällen von Menschenrechtsverstößen und -verletzungen, die in den vergangenen fünf Jahren gegen Menschenrechtsverteidiger_innen verübt wurden, gab es nach Amnesty International vorliegenden Informationen nur einen einzigen Fall, bei dem die Verantwortlichen vor Gericht gestellt, für schuldig befunden und verurteilt wurden. Weitere Informationen hierzu finden Sie in englischer Sprache in dem offenen Brief von Amnesty International an die Präsidentschaftskandidat_innen in Honduras aus dem Jahre 2013 unter: http://www.amnesty.org/en/library/info/AMR37/014/2013/en.

Im Juni 2014 billigte der honduranische Kongress einen ersten Entwurf des Gesetzes zum Schutz von Journalist_innen, Menschenrechtsverteidiger_innen und Beschäftigten im Justizwesen (Ley de Protección para los Defensores de Derechos Humanos, Periodistas, Comunicadores Sociales y Operadores de Justicia). Angesichts der Gewalt gegen Menschenrechtsverteidiger_innen, Journalist_innen und Beschäftigte im Justizwesen ist es unerlässlich, dass das Gesetz verabschiedet und umgesetzt wird und dass mithilfe angemessener finanzieller, personeller und sonstiger Mittel ein wirksamer Schutzmechanismus eingerichtet wird.