Drohende Hinrichtung
Michael Brawner soll am 12. Juni im US-Bundesstaat Mississippi hingerichtet werden. Er war für schuldig befunden worden, im Juni 2001 vier Morde begangen zu haben. Seine vorgerichtliche Vertretung hatte hauptsächlich ein Rechtsreferendar übernommen, der sein juristisches Staatsexamen nicht bestanden und erst am ersten Tag des Verfahrens gegen Michael Brawner seine Anwaltszulassung erhalten hat.
Appell an
GOUVERNEUR DES US-BUNDESSTAATES MISSISSIPPI
Phil Bryant
PO Box 139
Jackson
MS 39205
USA
(korrekte Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (00 1) 601 359 3741
Email: über http://www.new.ms.gov/Pages/PortalHome.aspx (Klicken Sie auf "Meet the Governor")
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S.E. Herrn Philip Dunton Murphy
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, so dass sie noch vor dem 12. Juni 2012 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE
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Ich bin mir der Schwere des Verbrechens bewusst, das Michael Brawner zur Last gelegt wird, und möchte in keiner Weise das dadurch verursachte Leid verharmlosen.
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Es besorgt mich, dass Michael Brawner vor seinem Verfahren faktisch von einem Anwaltsfachgehilfen und nicht von einem Rechtsanwalt vertreten wurde.
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Bitte berücksichtigen Sie darüber hinaus, dass die Geschworenen weder über die schweren Misshandlungen, die Michael Brawner während seiner Kindheit erlitten hat, noch über seine psychischen Probleme in Kenntnis gesetzt wurden und somit diese strafmildernden Umstände bei ihrer Entscheidung nicht berücksichtigen konnten.
- Ich spreche mich gegen die Hinrichtung von Michael Brawner aus und bitte Sie eindringlich, das Todesurteil umzuwandeln.
Sachlage
Am 25. April 2001 erschoss Michael Brawner seine Ex-Frau Barbara Brawner, von der er einen Monat zuvor geschieden worden war, deren Eltern Jane und Carl Craft sowie seine vierjährige Tochter Candice Paige Brawner. Die Tat ereignete sich im Haus der Familie Craft im ländlichen Norden des US-Bundesstaates Mississippi. Der damals 24-Jährige wurde am nächsten Tag in der Wohnung seiner Verlobten festgenommen.
Aufgrund fehlender finanzieller Mittel teilte der zuständige Richter Michael Brawner einen Rechtsbeistand zu. Weiterhin berief er zur Unterstützung des Rechtsbeistandes einen "Anwaltsfachgehilfen". Dieser hatte sein juristisches Staatsexamen Anfang des Jahres 2002 im zweiten Anlauf bestanden und am 8. April 2002, dem ersten Tag des Prozesses gegen Michael Brawner, seine Anwaltszulassung erhalten. Der Richter ernannte ihn zum Mitverteidiger und merkte an, dass er "zum ersten Mal als Anwalt vor Gericht" stehe. Laut der jetzigen Rechtsbeistände von Michael Brawner hatte der damals frisch gebackene Rechtsanwalt den Hauptteil der vorgerichtlichen Verteidigungsarbeit übernommen. So soll auch er, und nicht der eigentliche Rechtsbeistand mit Michael Brawner über das Angebot der Staatsanwaltschaft gesprochen haben, als Gegenleistung für ein Schuldeingeständnis anstelle der Todesstrafe eine lebenslange Haftstrafe beantragen zu wollen. Michael Brawner lehnte dieses Angebot ab. Außerdem soll der Anwalt ihn ebenfalls bei der Entscheidung beraten haben, ob er einen Freispruch wegen Unzurechnungsfähigkeit beantragen sollte (ein solcher Antrag ist letztlich eingereicht worden). Der einzige Zeuge der Verteidigung während der Schuldfeststellungsphase des Verfahrens (guilt phase) war der Angeklagte selbst. Es wurden keine Sachverständigengutachten eingereicht, um den Antrag auf Unzurechnungsfähigkeit zu unterstützen. Nach einer dreitägigen Schuldfeststellungsphase berieten sich die Geschworenen eine halbe Stunde lang, bevor sie Michael Brawner des vierfachen Mordes für schuldig befanden.
Der Hauptverteidiger beauftragte den Anwaltsfachgehilfen damit, Beweismittel zusammenzutragen, mit deren Hilfe strafmildernde Umstände geltend gemacht werden können. Die Tätigkeitsnachweise des Fachgehilfen lassen jedoch vermuten, dass er keine diesbezüglichen Untersuchungen durchgeführt hat. Gegen Ende der Schuldfeststellungsphase des Verfahrens fragte der leitende Verteidiger den Angeklagten ohne Beisein der Geschworenen: "Herr Brawner, möchten Sie, dass ich versuche 'lebenslänglich' oder 'lebenslänglich ohne Bewährung' für Sie zu erwirken, sollten die Geschworen Sie tatsächlich in einem der Anklagepunkte schuldig befinden? Anders gesagt, wäre dies das, was Anwälte 'strafmildernde Umstände geltend machen' nennen...". Der Verteidiger erklärte, dass eine Psychologin zur Verfügung stehe, die bestätigen könne, dass strafmildernde Umstände vorlägen. Tatsächlich wurde sie jedoch lediglich damit beauftragt, festzustellen, ob der Angeklagte verfahrensfähig ist und ob er zur Tatzeit zurechnungsfähig war. Im Jahre 2011 gab sie in einer eidesstattlichen Erklärung an, dass sie den Hauptverteidiger zu keiner Zeit getroffen oder mit ihm gesprochen habe, sondern lediglich mit dem Fachgehilfen in Kontakt gestanden habe. Außerdem erklärte die Psychologin, dass die Aussage des Verteidigers, sie sei bereit und gewillt strafmildernde Beweise vorzulegen, "einfach nicht wahr" sei.
Michael Brawner antwortete, dass er keine Strafmilderung für sich beanspruche. Er erklärte"Ich habe nicht das Gefühl, dass ich es verdiene, zu leben". Sollte sein Verteidiger sich der tatsächlich vorhandenen strafmildernden Beweismittel nicht bewusst gewesen sein und seinen Mandanten nicht in vollem Umfang über dessen Möglichkeiten aufgeklärt haben, so war Michael Brawner sicherlich nicht hinreichend informiert, als er diese Entscheidung getroffen hat. Zu den strafmildernden Beweismitteln, die die Verteidigung hätte vorbringen können, gehören Details bezüglich schwerer Misshandlungen des Angeklagten während seiner Kindheit, die Alkohol- und Drogenabhängigkeit seiner Eltern und die Diagnose einer post-traumatischen Belastungsstörung.
[EMPFOHLENE AKTIONEN]
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE
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Ich bin mir der Schwere des Verbrechens bewusst, das Michael Brawner zur Last gelegt wird, und möchte in keiner Weise das dadurch verursachte Leid verharmlosen.
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Es besorgt mich, dass Michael Brawner vor seinem Verfahren faktisch von einem Anwaltsfachgehilfen und nicht von einem Rechtsanwalt vertreten wurde.
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Bitte berücksichtigen Sie darüber hinaus, dass die Geschworenen weder über die schweren Misshandlungen, die Michael Brawner während seiner Kindheit erlitten hat, noch über seine psychischen Probleme in Kenntnis gesetzt wurden und somit diese strafmildernden Umstände bei ihrer Entscheidung nicht berücksichtigen konnten.
- Ich spreche mich gegen die Hinrichtung von Michael Brawner aus und bitte Sie eindringlich, das Todesurteil umzuwandeln.
[APPELLE AN]
GOUVERNEUR DES US-BUNDESSTAATES MISSISSIPPI
Phil Bryant
PO Box 139
Jackson
MS 39205
USA
(korrekte Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (00 1) 601 359 3741
Email: über http://www.new.ms.gov/Pages/PortalHome.aspx (Klicken Sie auf "Meet the Governor")
KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S.E. Herrn Philip Dunton Murphy
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, so dass sie noch vor dem 12. Juni 2012 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.
[HINTERGRUNDINFORMATIONEN ]
Amnesty International lehnt die Todesstrafe grundsätzlich ab. Seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen in den USA im Jahre 1977 wurden dort 1.295 Todesurteile vollstreckt. In Mississippi wurden seit 1977 insgesamt 18 Todesurteile vollstreckt. Dieses Jahr sind in den USA bereits 18 Menschen hingerichtet worden, drei von ihnen in Mississippi.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Explain that you are not seeking to excuse these murders or to downplay the suffering caused.
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Express concern that Michael Brawner was in effect represented before his trial by a law clerk, not a lawyer.
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Note that his jury did not hear mitigating evidence of his severe childhood abuse and mental health problems.
- Opposing the execution of Michael Brawner and calling on the governor to grant him clemency.