Morddrohungen gegen RechtsanwältInnen

Russland

Russland

Zwei StrafverteidigerInnen aus Dagestan im Nordkaukasus haben in Verbindung mit ihrer Arbeit Morddrohungen erhalten.

Appell an

VORSITZENDER DES UNTERSUCHUNGSAUSSCHUSSES DER RUSSISCHEN FÖDERATION
Aleksandr Ivanovich Bastrykin
Investigation Committee of the Russian Federation
Tekhnicheskii pereulok, d. 2
105005 Moscow
RUSSISCHE FÖDERATION
(Anrede: Dear Chairman / Sehr geehrter Herr Vorsitzender)
Fax: (00 7) 499 265 9077

PRÄSIDENT DER ANWALTSKAMMER DER RUSSISCHEN FÖDERATION
Yevgenii Vasilyevich Semenyanko
Chamber of Lawyers of the Russian Federation
Sivtsev Vrazhek, d. 43
119002 Moscow
RUSSISCHE FÖDERATION
(Anrede: Dear President / Sehr geehrter Herr Semenyanko)
Fax: (00 7) 495 787 2836
E-Mail: advpalata@mail.ru

Sende eine Kopie an

GENERALSTAATSANWALT
Yurii Yakovlevich Chaika
Prosecutor General’s Office
ul. B. Dmitrovka, d. 15a
125993 Moscow GSP- 3
RUSSISCHE FÖDERATION
Fax: (00 7) 495 987 58 41

BOTSCHAFT DER RUSSISCHEN FÖDERATION
S. E. Herrn Vladimir M. Grinin
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin
Fax: 030-2299 397
E-Mail: info@Russische-Botschaft.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Russisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 16. Juli 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Leiten Sie bitte umgehend eine wirksame und unparteiische Untersuchung der Morddrohungen gegen Sapiyat Magomedova und Musa Suslanov ein und ziehen Sie die Verantwortlichen zur Rechenschaft.

  • Gewährleisten Sie bitte die Sicherheit von Sapiyat Magomedova und Musa Suslanov. Leiten Sie hierzu in Absprache mit ihren Wünschen die nötigen Schutzmaßnahmen ein.

  • Bitte sorgen Sie dafür, dass alle AnwältInnen in der russischen Föderation ihre beruflichen Aufgaben ohne Einschüchterung, Schikane oder unstatthafte Beeinflussung wahrnehmen können, wie in den UN-Grundprinzipien betreffend die Rolle der Rechtsanwälte festgelegt.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Investigate promptly, effectively and impartially the death threats which the lawyers have received, and ensure that those found responsible are brought to justice.

  • Ensure the safety and security of lawyers Sapiyat Magomedova and Musa Suslanov in accordance with their wishes.

  • Ensure that all lawyers in Russia are able to perform their professional duties without intimidation, hindrance, harassment or improper interference in accordance with the UN Basic Principles on the Role of Lawyers.

Sachlage

Sapiyat Magomedova und Musa Suslanov arbeiten als Strafverteidiger (advokaty) in Dagestan im russischen Nordkaukasus. Beide haben Morddrohungen erhalten, die mit ihrer Arbeit an einem juristischen Fall von großem öffentlichem Interesse in Verbindung stehen. Darin vertreten Sapiyat Magomedova und Musa Suslanov die Familien von fünf im März 2012 getöteten Männern.

Am 19. Mai erhielt Musa Suslanov eine Textnachricht von einer unbekannten Mobiltelefonnummer, in der er und seine Kollegin aufgefordert wurden, den Fall niederzulegen. Die Nachricht endete mit der Drohung: "Wir warnen dich! Das ist deine Möglichkeit, am Leben zu bleiben." Am folgenden Tag erhielt auch Sapiyat Magomedova eine Nachricht von derselben Nummer, in der sie und Musa Suslanov in abfälligem Ton aufgefordert wurden, sich "aus dem Fall zurückzuziehen" und sich "aus Dingen herauszuhalten, die euch nichts angehen". Sapiyat Magomedova und Musa Suslanov haben seitdem noch weitere Androhungen von körperlicher Gewalt sowie Brand- und Bombenanschlägen auf ihr Bürogebäude erhalten mit der Aufforderung, ihre Arbeit in dem Fall niederzulegen.

Sapiyat Magomedova und Musa Suslanov haben Anzeige bei den Behörden erstattet und eine Untersuchung der Drohungen beantragt. Zudem beantragten sie, dass die Untersuchung des Mordes an den fünf Männern von einer höherrangigen, föderalen Stelle vorgenommen wird, um Unparteilichkeit zu gewährleisten. Der Fall war in der Vergangenheit an den Föderationskreis Nordkaukasus übergeben, dann jedoch wieder zurückgestuft worden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Sapiyat Magomedova und Musa Suslanov übernehmen regelmäßig Fälle, in denen es um Korruption und mutmaßliche Menschenrechtsverletzungen durch Angehörige der Ordnungskräfte geht. Sie sind im Zusammenhang mit ihrer Arbeit bereits mehrmals bedroht worden.

Aus dem Nordkaukasus wird regelmäßig über Menschenrechtsverletzungen wie Verschwindenlassen, rechtswidrige Tötung sowie Folter und andere Misshandlungen berichtet. Die russischen Behörden haben es bisher durchweg versäumt, solche Verstöße wirksam zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

StrafverteidigerInnen im Nordkaukasus, die Opfer solcher Menschenrechtsverletzungen oder mutmaßliche Angehörige bewaffneter Gruppierungen vertreten, und besonders solche VerteidigerInnen, die über Folter an Tatverdächtigen berichten, werden aufgrund ihrer Arbeit häufig zur Zielscheibe von Einschüchterung, Schikane, unstatthafter Beeinflussung und Repressalien. Amnesty International hat in den vergangenen Jahren mehrmals Besorgnis darüber geäußert, dass AnwältInnen in der Region mit dem Tod bedroht werden und körperlicher Gewalt ausgesetzt sind. Für Sapiyat Magomedova wurde 2011 schon einmal eine Eilaktion gestartet (siehe UA-219/2010-2). Sie war damals von PolizeibeamtInnen tätlich angegriffen worden, hatte Anzeige erstattet und eine Untersuchung gefordert, und war im Gegenzug selbst angezeigt worden.

Im März 2013 veröffentlichte Amnesty International den englischsprachigen Bericht Confronting the circle of injustice: threats and pressure faced by lawyers in the North Caucasus (http://amnesty.org/en/library/info/EUR46/003/2013/en), in dem dokumentiert wird, wie StrafverteidigerInnen in der Region systematisch eingeschüchtert und schikaniert werden. Der Bericht zeigt außerdem zahlreiche Fälle auf, in denen Ordnungskräfte AnwältInnen im Nordkaukasus in Verbindung mit ihrer beruflichen Tätigkeit bedrohen und tätlich angreifen.

In den von den Vereinten Nationen erarbeiteten Grundprinzipien betreffend die Rolle der Rechtsanwälte heißt es unter Punkt 16: "Der Staat stellt sicher, dass der Rechtsanwalt a) in der Lage ist, alle seine beruflichen Aufgaben ohne Einschüchterung, Behinderung, Schikanen oder unstatthafte Beeinflussung wahrzunehmen; b) in der Lage ist, zu reisen und sich mit seinen Mandanten frei zu beraten, sowohl im eigenen Land als auch im Ausland; c) wegen Handlungen, die mit anerkannten beruflichen Pflichten, Verhaltensregeln und Ehrenpflichten im Einklang stehen, keine Verfolgung oder verwaltungsmäßige, wirtschaftliche oder andere Sanktionen erleidet oder damit bedroht wird." Unter Punkt 17 heißt es weiter: "Wo die Sicherheit eines Rechtsanwalts infolge der Wahrnehmung seiner Aufgaben bedroht ist, haben die Behörden ihn angemessen zu schützen."