Geschäftsmann verschwunden
Der syrische Geschäftsmann Amjad Kassem wird seit dem 21. Mai vermisst. An jenem Tag rief er seine Mutter gegen 14.00 Uhr an und teilte ihr mit, er werde gerade von Angehörigen der Sicherheitskräfte zu einer Einrichtung des Syrischen Staatssicherheitsdienstes gebracht. Amnesty International ist in Sorge, dass Amjad Kassem dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen sein könnte.
Appell an
STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
Presidential Palace
al-Rashid Street, Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 332 3410
INNENMINISTER
Major General Mohamad Ibrahim al-Shaar
Ministry of Interior
'Abd al-Rahman Shahbandar Street
Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 211 9578
AUSSENMINISTER
Walid al-Mu’allim
Ministry of Foreign Affairs
al-Rashid Street, Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 214 6253
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN
S.E. Herrn Radwan Loutfi
Rauchstr. 25
10787 Berlin
Fax: 030-5017 7311
E-Mail: info@syrianembassy.de
press@syrianembassy.de
secretary@syrianembassy.de
Bitte senden Sie auch Kopien an die russische Botschaft:
BOTSCHAFT DER RUSSISCHEN FÖDERATION
S. E. Herrn Vladimir M. Grinin
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin
Fax: 030-2299 397
E-Mail: info@Russische-Botschaft.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 5. Juli 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Ich möchte meine Sorge darüber ausdrücken, dass Amjad Kassem anscheinend dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen ist. Bitte informieren Sie seine Familie umgehend über seinen Aufenthaltsort und seinen rechtlichen Status.
-
Ich fordere Sie höflich auf, Amjad Kassem unverzüglich und bedingungslos freizulassen.
- Stellen Sie bitte sicher, dass Amjad Kassem, falls er sich in Haft befindet, weder gefoltert noch misshandelt wird, zu seiner Familie und einem Rechtsanwalt seines Vertrauens Kontakt aufnehmen kann und bei Bedarf umgehend medizinisch versorgt wird.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
-
Expressing concern that Amjad Kassem appears to have been subjected to enforced disappearance and calling on the Syrian authorities to inform his family of his whereabouts and legal status immediately.
-
Call on them to release him immediately and unconditionally.
- Urging them to ensure that he is protected from torture and other ill-treatment, and allowed contact with his family, a lawyer of his choice and any necessary medical treatment without delay.
Sachlage
Nach Auskunft eines im Ausland lebenden Familienangehörigen klingelte am 21. Mai bei Amjad Kassan das Telefon. Der Anrufer, vermutlich ein Mitglied der syrischen Sicherheitskräfte, bat den Geschäftsmann, bei einer ihrer Abteilungen in der Hauptstadt Damaskus vorzusprechen. Amjad Kassan hoffte offenbar, es ginge um die Aufhebung des Reiseverbots, von dem er im April in Kenntnis gesetzt worden war, und folgte der Aufforderung. Nachdem er eine ganze Weile in der Abteilung ausgeharrt hatte, teilte man ihm mit, er müsse sich mit seinem Anliegen an eine andere Einrichtung in der Bagdad-Straße wenden. Er schickte daraufhin seinen Fahrer nach Hause. Gegen 14.00 Uhr rief Amjad Kassan seine Mutter an und teilte ihr mit, er befände sich in Begleitung von Angehörigen der Sicherheitskräfte auf dem Weg in die Bagdad-Straße, "um dort noch einigen Papierkram zu erledigen".
Seither hat die Familie von Amjad Kassan nichts mehr von ihm gehört. Sie vermutet, dass er festgenommen worden ist. Tags darauf erkundigten sich einige Familienmitglieder auf der Wache in der Bagdad-Straße nach Amjad Kassan, erhielten aber die Auskunft, er sei nicht dort. Aus inoffiziellen Quellen wurde der Familie allerdings zugetragen, er befände sich sehr wohl auf der Wache in der Bagdad-Straße in Gewahrsam.
Amjad Kassan war am 2. April, als er beim Staatssicherheitsdienst wegen des Reiseverbots nachfragen wollte, schon einmal festgenommen worden. Ihm wurde vorgeworfen, Menschen zur Schließung ihrer Geschäfte angestiftet zu haben, um an Demonstrationen teilnehmen zu können. Am 11. April wurde er gegen Kaution freigelassen. Die Familie von Amjad Kassan ist von der Haltlosigkeit der Vorwürfe überzeugt, da er sich weder an den Protesten beteiligt noch seinen eigenen Laden dafür geschlossen hatte.
[EMPFOHLENE AKTIONEN]
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich möchte meine Sorge darüber ausdrücken, dass Amjad Kassem anscheinend dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen ist. Bitte informieren Sie seine Familie umgehend über seinen Aufenthaltsort und seinen rechtlichen Status.
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Ich fordere Sie höflich auf, Amjad Kassem unverzüglich und bedingungslos freizulassen.
- Stellen Sie bitte sicher, dass Amjad Kassem, falls er sich in Haft befindet, weder gefoltert noch misshandelt wird, zu seiner Familie und einem Rechtsanwalt seines Vertrauens Kontakt aufnehmen kann und bei Bedarf umgehend medizinisch versorgt wird.
[APPELLE AN]
STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
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Walid al-Mu’allim
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KOPIEN AN
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E-Mail: info@syrianembassy.de
press@syrianembassy.de
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Bitte senden Sie auch Kopien an die russische Botschaft:
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S. E. Herrn Vladimir M. Grinin
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Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 5. Juli 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.
Hintergrundinformation
Amjad Kassem hatte am 1. April in seiner Funktion als Inhaber eines EDV-Unternehmens nach Dubai reisen wollen und erfuhr erst an diesem Tag von dem Reiseverbot, obwohl es offenbar bereits im März in Kraft getreten war. Auf dem Flughafen wurde sein Reisepass einbehalten. Man teilte ihm dort mit, in einer Abteilung der Sicherheitskräfte in Damaskus könne er sich ein "Formular zur Freigabe des Reisepasses" besorgen. Am 2. April sprach Amjad Kassem bei besagter Einrichtung vor. Bis zu seiner Vorführung vor ein Strafgericht am 11. April fehlte von ihm jede Spur. Seine Familie hatte sich zwar wiederholt bei den Behörden nach Amjad Kassem erkundigt, jedoch keinerlei Auskunft erhalten – weder über seinen Gesundheitszustand noch über seinen Aufenthaltsort und auch nicht über die gegen ihn erhobenen Anklagen. Die Familie erfuhr erst aus inoffiziellen Quellen, dass Amjad Kassem in einer der Einrichtungen des Staatssicherheitsdienstes in Damaskus in Gewahrsam gehalten wurde. Während dieser Zeit durfte er keinerlei Kontakt zu einem Rechtsbeistand aufnehmen. Nach seiner Freilassung händigte man Amjad Kassem nicht das benötigte Formular aus, mit dem er die Rückgabe seines Reisepasses hätte beantragen können.
Die Demonstrationen für Reformen in Syrien begannen im Februar 2011 und entwickelten sich Mitte März, nachdem erstmals TeilnehmerInnen getötet worden waren, zu Massenprotesten. Obwohl die Demonstrationen weitgehend friedlich verliefen, reagierten die Behörden in ihrem Bestreben, die Proteste niederzuschlagen, mit großer Brutalität. Seitdem finden zwar auch weiterhin friedliche Demonstrationen statt, zunehmend nehmen die Proteste aber auch gewalttätige Züge an. Bewaffnete Oppositionsgruppen, von denen sich viele unter dem Namen "Freie Syrische Armee" in einem losen Verbund zusammen geschlossen haben, verüben Anschläge, die sich in erster Linie gegen die syrischen Sicherheitskräfte richten. Oppositionskräfte sollen auch Menschenrechtsverletzungen begangen haben; so sollen sie u. a. gefangen genommene Angehörige der Armee und anderer Sicherheitskräfte, wie etwa Angehörige der als "Shabiha" bekannten regierungstreuen Gruppierungen, und auch vermeintliche RegierungsanhängerInnen und mutmaßliche InformantInnen gefoltert oder getötet haben. Amnesty International verfügt über die Namen von mehr als 9.400 Menschen, die Berichten zufolge seit Mitte März 2011 im Zusammenhang mit den Demonstrationen und damit einhergehenden Unruhen gestorben sind oder getötet wurden.
Seit Ausbruch der Proteste sind tausende mutmaßliche GegnerInnen der syrischen Regierung festgenommen und viele von ihnen, vermutlich sogar die Mehrzahl, gefoltert und anderweitig misshandelt worden. Amnesty International liegen die Namen von mehr als 370 Menschen vor, die Berichten zufolge in dieser Zeit in Haft gestorben sind. Die Organisation hat außerdem zahlreiche Fälle dokumentiert, in denen Häftlinge gefoltert oder anderweitig misshandelt wurden.
Für weitere Informationen zu Fällen von Folter und anderen Misshandlungen von syrischen Häftlingen siehe den englischen Bericht: "I wanted to die": Syria’s torture survivors speak out, online unter: http://www.amnesty.org/en/library/info/MDE24/016/2012/en. Amnesty International liegen zudem zahlreiche Berichte über offensichtliche Fälle des Verschwindenlassen vor, in denen die syrische Regierung den Familienangehörigen keinerlei Informationen über den Verbleib der "verschwundenen" Personen zukommen ließ. In den meisten dieser Fälle sollen die Festnahmen von Sicherheitskräften ausgeführt worden sein.
Die syrische Regierung hat zwar am 27. März 2012 den von Kofi Annan, dem Sondergesandten der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga für Syrien, vorgelegten Sechs-Punkte-Plan wie auch das am 12. April vereinbarte Waffenstillstandsabkommen akzeptiert, gleichwohl gehen bei Amnesty International auch weiterhin Meldungen über Festnahmen und anhaltende Inhaftierungen ein. Die Bedingungen, unter denen Menschen in Syrien in Haft gehalten werden, kommen nicht selten dem Verschwindenlassen gleich.
Seit April 2011 hat Amnesty International in Syrien systematische und weit verbreitete Menschenrechtsverletzungen dokumentiert, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen. Die Organisation ruft seither dazu auf, die Situation in Syrien der Anklagebehörde des Internationalen Strafgerichtshofs zu unterbreiten, ein internationales Waffenembargo gegen das Land zu verhängen und die Vermögenswerte von Präsident al-Assad und seinen engsten Vertrauten einzufrieren.
Auf der interaktiven Site Eyes on Syria (www.eyesonsyria.org) finden Sie eine Karte von Syrien mit Angaben, wo in dem Land die Menschenrechte verletzt werden und mit welchen Aktionen Amnesty International weltweit für Gerechtigkeit eintritt.