Todeskandidat beantragt Umwandlung des Urteils
Hinrichtungskammer Florida
© Florida Department of Corrections
Der 45-jährige Michael Zack, der sich in Florida im Todestrakt befindet und seine Rechtsmittel vor ordentlichen Gerichten ausgeschöpft hat, stellt beim Begnadigungsausschuss ein Ersuchen auf Umwandlung seines Urteils in eine lebenslange Haftstrafe. In Florida wird ein Hinrichtungstermin festgelegt, sofern und sobald ein Gnadengesuch abgelehnt wird.
Amnesty fordert:
FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN (BITTE NENNEN SIE DIE HÄFTLINGSNUMMER # 999-032)
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Ich möchte weder den Mord an Ravonne Kennedy Smith entschuldigen noch das dadurch verursachte Leid verharmlosen.
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Jedoch möchte ich Sie eindringlich bitten, die Beweise für den schweren Missbrauch, den Michael Duane Zack als Kind erlebt hat, sowie dessen Einfluss auf ihn und seine Entwicklung zu bedenken.
- Ich möchte Sie daher inständig bitten, sich gegen die Hinrichtung von Michael Duane Zack auszusprechen und sich für die Umwandlung des Todesurteils in eine Haftstrafe einzusetzen.
APPELLE AN
GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES FLORIDA
Governor Rick Scott, Office of the Governor, The Capitol
400 S. Monroe St., Tallahassee, FL 32399-0001, USA
(Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
E-Mail: Rick.scott@eog.myflorida.com
BEGNADIGUNGSAUSSCHUSS VON FLORIDA
Florida Parole Commission
4070 Esplanade Way, Tallahassee, FL 32399-2450, USA
(Anrede: Dear Members of the Clemency Board / Sehr geehrte Mitglieder des Begnadigungsausschusses)
E-Mail: ClemencyWeb@fpc.state.fl.us
Fax: (00 1) 850 414-6031 oder (00 1) 850 488-0695
KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S. E. Herrn John Bonnell Emerson
Pariser Platz 2, 10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über
http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 8. Juli 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.
Sachlage
Michael Duane Zack, damals 27 Jahre alt, wurde am 16. Juni 1996 festgenommen und wegen Raubüberfalls, sexueller Misshandlung und Mordes an Ravonne Kennedy Smith angeklagt, die drei Tage zuvor in ihrem Haus in Pensacola, Florida, getötet worden war. Als Michael Zack 1997 vor Gericht gestellt wurde, erbrachte die Staatsanwaltschaft auch Beweise für seine Beteiligung an einem anderen Mord, an Laura Rosillo, der in etwa zur gleichen Zeit verübt worden war. Die Jury befand ihn des Mordes an Ravonne Kennedy Smith für schuldig. Die Verteidigung legte Beweise für Michael Zacks von schwerer Misshandlung geprägte Kindheit vor. Vier Expert_innen für psychische Krankheiten sagten aus, dass er ihrer Meinung nach an Posttraumatischer Belastungsstörung, chronischer Depression, Fetalem Alkoholsyndrom, Sucht und möglichem Hirnschaden leide. Zudem besitze er das geistige und emotionale Alter eines zehn- oder elfjährigen Kindes. Seine Fähigkeit, sich der Strafbarkeit seiner Taten bewusst zu sein, sei stark beeinträchtigt gewesen. Die Jury empfahl mit elf Stimmen bei einer Gegenstimme ein Todesurteil, welches der Richter annahm und am 24. November 1997 verhängte.
Laut seinem Gnadengesuch bereut Michael Zack sein kriminelles Verhalten in der Vergangenheit und hat im Todestrakt eine gute Führung vorzuweisen. Dort lernte er lesen und schreiben sowie "die traumatischen Ereignisse in seiner Jugend zu bewältigen". Dem Gnadengesuch zufolge kam Michael Zack zu früh zur Welt, nachdem seine Mutter einen Autounfall hatte. Während der Schwangerschaft hatte sie regelmäßig große Mengen Alkohol konsumiert. Sein Vater, ein Soldat, verließ sie kurz nach Michael Zacks Geburt und seine Mutter heiratete daraufhin einen anderen Soldaten. Sein Stiefvater misshandelte Michael Zack und seine Schwestern schwer. Wenn der Junge zum Beispiel das Bett nässte, wie er es im Alter von etwa acht bis mindestens zwölf Jahren jede Nacht tat, bestrafte ihn sein Stiefvater unter anderem, indem er ihn schlug, ihm mit einer Heizdecke Stromschläge versetzte, ihn zwang, sich das nasse Laken um den Hals zu legen, und einen Löffel erhitzte, bis dieser glühend heiß war, und ihn gegen den Penis des Jungen hielt. Unter anderem warf sein Stiefvater ihn zudem "gegen die Wand und trat mit Stiefeln, an denen Sporen befestigt waren, auf ihn ein", versuchte, "ihn zu ertränken", "ihn mit einem Auto zu überfahren" und "ihn zu vergiften". Als der Junge drei Jahre alt war, wurde er ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem er eine Flasche Wodka getrunken hatte; er "nahm eine Überdosis Drogen, die [sein Stiefvater] ihm gegeben hatte" und der Stiefvater "drohte, ihn zu erschießen und zu erstechen". Der Stiefvater soll Michael Zack zudem sexuell missbraucht und seine Schwestern vergewaltigt haben. Als Michael Zack elf Jahre alt war, wurde seine Mutter mit einer Axt getötet, offenbar von seiner 16-jährigen Schwester. Damals war Michael Zack in ein psychiatrisches Krankenhaus in Louisiana eingeliefert worden, wo er ein Jahr lang blieb. Später wurde er in einer Reihe von Kinder- und Jugendheimen untergebracht. In einigen soll er weiteren sexuellen Missbrauch erfahren haben.
Hintergrundinformation
Nachdem der Staatsanwalt während der Auswahl der Geschworenen für das Verfahren gegen Michael Zack zwei afroamerikanische Frauen als mögliche Geschworene ausschloss, wandte die Verteidigung ein, dass dies möglicherweise rassistisch motiviert sei. Der Staatsanwalt nannte für den Ausschluss Gründe, die nicht auf ethnischen Grundlagen basierten. Beide Frauen waren bei einer Institution in Pensacola angestellt, die, so der Staatsanwalt, "psychologische Unterstützung, Therapie, Beratung in einem weiten Spektrum - die ein weites Spektrum psychologischer Bedürfnisse in der Gemeinde abdeckt." Eine der Frauen verfüge laut dem Staatsanwalt über "Wissen über Posttraumatische Belastungsstörungen". Da "es viel psychologisches Beweismaterial während der Festlegung des Strafmaßes und eventuell während der Feststellung der Schuld oder Unschuld geben wird, ist mir nicht wohl dabei, [die betreffenden Frauen in der Jury sitzen zu haben].". Der Richter äußerte angesichts dieser Erklärung – "der alleinigen Tatsache, dass sie einer Arbeit nachgeht, bei der sie über ein gewisses Fachwissen verfügt, das die anderen Geschworenen nicht haben" – Besorgnis, doch er ließ den Ausschluss der beiden Frauen dennoch zu.
In einer eidesstattlichen Erklärung erinnerte sich Michael Zacks ältere Halbschwester 2011 daran, dass "Michael sehr unter [seinem Stiefvater] gelitten hat", der "Michael regelmäßig gegen die Wand warf und ihm auf den Kopf schlug und trat. Nach diesen Schlägen war Michael oft geschockt und benommen". Ihren Angaben zufolge gab der Stiefvater "Michael oft Tabletten und Alkohol, die ihn ohnmächtig werden ließen. Einmal sah ich, wie [der Stiefvater] Michael Drogen spritzte, die ihn in einen so starken Rausch versetzten, dass er gar nicht mehr wusste, wo er war." Sie fügte hinzu: "So lange ich denken kann, hat Michael sich vor- und zurückgewiegt. Das einzige Mal, als ich mit Michael im Erwachsenenalter gesprochen habe, war, als ich nach Florida kam, um für ihn als Zeugin auszusagen. Als ich ihn im Gefängnis sah, wiegte er sich hin und her und flehte mich an, nicht zuzulassen, dass 'sie', die Behörden, ihm wehtun. Da war mir bewusst, dass Michael es immer noch nicht verstand." In einer anderen, 2011 unterzeichneten Aussage erinnerte sich seine jüngere Halbschwester, dass er als Kind "sehr begriffsstutzig" gewesen sei, "immer Schwierigkeiten in der Schule gehabt" habe, "unfähig zu lernen" schien, ein "Mitläufer" gewesen sei und dass "Michael als Erwachsener sehr kindlich war; es war so, als sei er nie erwachsen geworden". Sie erinnerte sich daran, dass "Michael als Kind ständig Kopfverletzungen erlitt. Michaels Stiefvater schlug ihn viele Male bewusstlos. [Er] schlug Michael oft auf den Rücken und seitlich auf den Kopf, weil dies zu weniger Blutergüssen führte und nicht bemerkt werden würde. Einmal blutete Michael nach diesen Schlägen so stark, dass er genäht werden musste. Doch anstatt ihn ins Krankenhaus zu fahren, schloss [sein Stiefvater] die Wunde in Michaels Kopf selbst mit einem Klammergerät."
In einer sein Gnadengesuch begleitenden Aussage verlieh Michael Zack seiner Reue Ausdruck: "Ich möchte zunächst den Familien der Opfer, dem Begnadigungsausschuss und meiner Familie sagen, wie leid es mir tut, was ich getan habe und dass ich zwei Leben beendet habe, und dass ich ehrlich verstehe, wieso die Familien der Opfer wollen, dass ich hingerichtet werde. Ich verstehe auch all den Kummer und das Leid, das ich ihnen zugefügt habe."
Im Jahr 2012 wurde ein Viertel aller Todesurteile in den USA in Florida verhängt und 2013 entfielen beinah 20% aller Todesurteile in den USA in dem Jahr auf Florida. Im Jahr 2013 wurden in Florida mehr Menschen hingerichtet, als in irgendeinem anderen Jahr seit 1984. Seit 1976, als der Oberste Gerichtshof der USA neue Gesetze zur Todesstrafe billigte, darunter auch das von Florida, haben nur Texas, Virginia und Oklahoma mehr Todesurteile vollstreckt.
Seit 1976 hat es 1.379 Hinrichtungen in den USA gegeben, 86 davon in Florida. In diesem Jahr hat es 20 Hinrichtungen gegeben, fünf davon in Florida. Amnesty International richtet sich in allen Fällen bedingungslos gegen die Todesstrafe.
In Florida wird ein Hinrichtungstermin festgelegt, wenn die ordentlichen Rechtsmittel, die ein Gefangener vor Gericht einlegen kann, ausgeschöpft wurden und ein Gnadengesuch abgelehnt wurde. Michael Zacks Gnadengesuch wird derzeit vom Gouverneur und anderen Regierungsvertreter_innen, die dem Begnadigungsausschuss angehören, betrachtet. Es ist nicht bekannt, wann eine Entscheidung in diesem Fall getroffen wird.