Unzureichender Schutz
Infolge der am 11. Mai von Amnesty International herausgegebenen Urgent Action wurden für Saleem Khursheed Khokhar und Pitamber Sewani, Parlamentsabgeordnete in der pakistanischen Provinz Sindh, zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen angeordnet. Sie hatten Drohungen erhalten, nachdem sie sich dagegen eingesetzt hatten, dass Angehörige der Minderheit der Hindu in der Provinz Sindh zur Annahme des islamischen Glaubens und zur Heirat gezwungen worden waren. Noch immer ist die Gemeinschaft der Hindu in Sindh Verfolgung und Übergriffen ausgesetzt. Die Behörden müssen sicherstellen, dass die für diese Übergriffe Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.
Appell an
MINISTERPRÄSIDENT
Syed Yusuf Raza Gilani
Prime Minister House
Islamabad
PAKISTAN
(korrekte Anrede: Dear Prime Minister / Sehr geehrter Herr Ministerpräsident)
E-Mail: secretary@cabinet.gov.pk
MINISTERPRÄSIDENT VON SINDH
Qaim Ali Shah
Interior Minister of Sindh
Dr. Zia du Din Ahmed Road
Karachi
Sindh
PAKISTAN
(korrekte Anrede: Dear Chief Minister Shah / Sehr geehrter Herr Ministerpräsident)
Fax: (00 92) 21 992 02000
GENERALINSPEKTEUR DER POLIZEI VON SINDH
Mushtaq Shah
Sindh Police
Head Office I. I. Chundrigar Road
Karachi
Sindh
PAKISTAN
(korrekte Anrede: Dear Mr. Shah / Sehr geehrter Herr Shah)
Fax: (00 92) 21 99 212 051
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK PAKISTAN
Herrn Mazhar Javed
Geschäftsträger a.i., Gesandter
Schaperstr. 29
10719 Berlin
Fax: 030-2124 4210
E-Mail: mail@pakemb.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Urdu, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 13. Juli 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Ich fordere Sie auf, für Saleem Khursheed Khokhar und Pitamber Sewani und ihre Familien zu jeder Zeit für angemessenen Schutz zu sorgen und sicherzustellen, dass das Wachpersonal auf seine Zuverlässigkeit überprüft wird.
-
Ich erwarte, dass die gegen Saleem Khursheed Khokhar und Pitamber Sewani wie auch gegen andere Personen wegen ihres Einsatzes gegen Zwangsehen und erzwungenen Religionswechsel gerichteten Drohungen unverzüglich untersucht werden.
- Ich fordere Sie weiterhin auf, die für Drohungen und andere Übergriffe gegen religiöse Minderheiten wie etwa Zwangsverheiratung und erzwungenen Religionswechsel Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
Sachlage
Amnesty International rief in der am 11. Mai herausgegebenen Urgent Action die pakistanischen Behörden dazu auf, Saleem Khursheed Khokhar ausreichend Schutz zu bieten. Der christliche Abgeordnete im Parlament der Provinz Sindh war bedroht worden, weil er die Rechte der hinduistischen Minderheit verteidigt hatte. Am 12. Mai ordnete der Ministerpräsident von Sindh, Qaim Ali Shah, zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für Saleem Khursheed Khokhar und Pitamber Sewani an. Pitamber Sewani ist Parlamentsabgeordneter hinduistischen Glaubens und hat wegen seines Einsatzes für die Menschenrechte von Minderheiten ebenfalls Drohungen erhalten.
Saleem Khursheed Khokhar und Pitamber Sewani haben die Schutzmaßnahmen begrüßt, aber auch betont, dass die Einzelheiten der von den Behörden der Provinz Sindh bereitgestellten Sicherheitsvorkehrungen nicht ausreichend überprüft worden sind, vor allem im Hinblick auf die jüngsten Morde an anderen Politikern, die sich für die Rechte von Minderheiten eingesetzt hatten, durch deren eigenen Leibwächter. Saleem Khursheed Khokhar und Pitamber Sewani erklären, dass die Behörden die Personen, welche die Drohungen gegen sie ausgesprochen haben, erst noch ermitteln müssen – trotz der detaillierten Beschwerden, die bei der Polizei eingehen, und trotz der Untersuchungsbefehle des Ministerpräsidenten Qaim Ali Shah an die Geheimdienstbehörden. Saleem Khursheed Khokhar und Pitamber Sewani fürchten, dass ohne erhöhten Druck der Öffentlichkeit keine Schritte gegen die Verantwortlichen eingeleitet werden.
Um MenschenrechtsverteidigerInnen vor unmittelbarem Schaden zu schützen, sind Sicherheitsmaßnahmen für deren körperliche Unversehrtheit bereitzustellen und die Verantwortlichen der gegen sie gerichteten Drohungen vor Gericht zu stellen. Dies ist außerdem ein erster entscheidender Schritt, um das breitere Thema "Angriffe auf Minderheiten" und andere Formen von Diskriminierung anzugehen.
[EMPFOHLENE AKTIONEN]
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Ich fordere Sie auf, für Saleem Khursheed Khokhar und Pitamber Sewani und ihre Familien zu jeder Zeit für angemessenen Schutz zu sorgen und sicherzustellen, dass das Wachpersonal auf seine Zuverlässigkeit überprüft wird.
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Ich erwarte, dass die gegen Saleem Khursheed Khokhar und Pitamber Sewani wie auch gegen andere Personen wegen ihres Einsatzes gegen Zwangsehen und erzwungenen Religionswechsel gerichteten Drohungen unverzüglich untersucht werden.
- Ich fordere Sie weiterhin auf, die für Drohungen und andere Übergriffe gegen religiöse Minderheiten wie etwa Zwangsverheiratung und erzwungenen Religionswechsel Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
[APPELLE AN]
MINISTERPRÄSIDENT
Syed Yusuf Raza Gilani
Prime Minister House
Islamabad
PAKISTAN
(korrekte Anrede: Dear Prime Minister / Sehr geehrter Herr Ministerpräsident)
E-Mail: secretary@cabinet.gov.pk
MINISTERPRÄSIDENT VON SINDH
Qaim Ali Shah
Interior Minister of Sindh
Dr. Zia du Din Ahmed Road
Karachi
Sindh
PAKISTAN
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Fax: (00 92) 21 992 02000
GENERALINSPEKTEUR DER POLIZEI VON SINDH
Mushtaq Shah
Sindh Police
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Sindh
PAKISTAN
(korrekte Anrede: Dear Mr. Shah / Sehr geehrter Herr Shah)
Fax: (00 92) 21 99 212 051
KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK PAKISTAN
Herrn Mazhar Javed
Geschäftsträger a.i., Gesandter
Schaperstr. 29
10719 Berlin
Fax: 030-2124 4210
E-Mail: mail@pakemb.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Urdu, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 13. Juli 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.
Hintergrundinformation
Saleem Khursheed Khokhar, ein Christ, und Pitamber Sewani, ein Hindu, sind Abgeordnete im Parlament der pakistanischen Provinz Sindh und Mitglieder der Zweigstelle der Menschenrechtsorganisation All Pakistan Minorities Alliance (AMPA) in Sindh. Saleem Khursheed Khokhar ist Präsident der AMPA-Zweigstelle in Sindh. Nachdem der Oberste Gerichtshof eine Anhörung zum Fall einer Hinduistin durchgeführt hatte, die möglicherweise zur Annahme des islamischen Glaubens und zur Heirat gezwungen worden war, kritisierte Saleem Khokhar gegenüber den Medien die Entführung von Frauen aus religiösen Minderheiten und ihren erzwungenen Übertritt zu einer anderen Religionsgemeinschaft. Pitamber Sewani berichtete Amnesty International, er habe über sein Handy Morddrohungen von unbekannten Personen erhalten. Zwei Tage später ging bei Saleem Khursheed Khokhar eine Drohnachricht ein. Darin hieß es, Pakistan sei ausschließlich für Muslime gegründet worden. Nur Muslime könnten in dem Land friedlich zusammen leben, anderen Menschen sei dies nicht gestattet. Die Nachricht reiht sich in eine Serie von Drohungen ein, mit denen Saleem Khokhar seit rund einem Jahr terrorisiert wird, weil er sich für die Rechte von Minderheiten einsetzt. Seit den im Jahr 2011 begangenen Morden an Salmaan Taseer, Gouverneur von Punjab, und dem auf Bundesebene für die Rechte von Minderheiten zuständigen Minister Shahbaz Bhatti sind mit Saleem Khursheed Khokhar und Pitamber Sewani erneut führende Politiker mit dem Tode bedroht worden.
Noch am Tag des Eingangs der Drohnachricht erstattete Saleem Khokhar bei der Polizeistation Clifton in Karatschi Anzeige, die dort auch registriert wurde. Ermittlungen hat die Polizei jedoch nicht aufgenommen, wie Saleem Khokhar Amnesty International und ranghohen Regierungsmitgliedern mitteilte. Der Parlamentsabgeordnete befürchtet, dass die wenigen ihm von den Behörden zugeteilten Sicherheitsleute nicht ausreichen, um ihn wirksam zu schützen. Außerdem, so seine Sorge, sei nicht hinreichend überprüft worden, ob sie ihm als Christen nicht womöglich feindlich gesonnen sind, da sie Muslime sind. Im Januar 2011 war Gouverneur Taseer von einem seiner eigenen Wachmänner ermordet worden, der den Gouverneur der Gotteslästerung bezichtigt hatte, weil dieser sich gegen Gesetze ausgesprochen hatte, die oftmals gegen religiöse Minderheiten angewandt werden. Im März 2011 war mit Minister Bhatti ein weiteres Regierungsmitglied, das sich in dieser Frage kritisch zu Wort gemeldet hatte, ermordet worden. Saleem Khokhar hatte im zurückliegenden Jahr wegen seiner Unterstützung von Taseer und Bhatti Morddrohungen erhalten.
Die pakistanische Regierung kommt wiederholt ihrer Verpflichtung nicht nach, die Menschenrechte sowohl religiöser Minderheiten als auch derjenigen Personen zu achten und zu schützen, die sich für Minderheitenrechte engagieren. Die Polizei nimmt Beschwerden häufig nicht mit der gebotenen Sorgfalt zu Protokoll und führt keine konsequenten Ermittlungen durch. Zudem ist bei den Justizbehörden gegenüber religiösen Minderheiten Voreingenommenheit festzustellen. Die derzeitige Regierung versprach 2009 nach einjähriger Amtszeit, sie werde "der religiösen Harmonie abträgliche Gesetze" überprüfen. Seit den Attentaten vom Januar beziehungsweise März 2011 auf Salmaan Taseer und Shahbaz Batti wegen der Kritik der beiden Männer an den religiöse Minderheiten diskriminierenden Blasphemiegesetzen scheint die Regierung ihr Vorhaben allerdings zurückgestellt zu haben.
In Artikel 18 und 19 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte, dem Pakistan als Vertragsstaat angehört, ist das Recht eines jeden Menschen auf Gedanken-, Gewissens und Religionsfreiheit wie auch das Recht auf freie Meinungsäußerung garantiert. Artikel 26 des Pakts betont, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind und ohne Diskriminierung Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz haben. In Artikel 27 heißt es: "In Staaten mit ethnischen, religiösen oder sprachlichen Minderheiten darf Angehörigen solcher Minderheiten nicht das Recht vorenthalten werden, gemeinsam mit anderen Angehörigen ihrer Gruppe ihr eigenes kulturelles Leben zu pflegen, ihre eigene Religion zu bekennen und auszuüben oder sich ihrer eigenen Sprache zu bedienen." Der genannte Artikel verlangt von den Vertragsstaaten positive Maßnahmen zum Schutz religiöser Minderheiten vor Übergriffen sowohl seitens staatlichen Stellen als auch nichtstaatlicher Akteure.