Drohendes Verfahren

Thailand, Landkarte

Thailand

Vierzehn Studierende und junge Aktivist_innen, die nach ihrer Teilnahme an friedlichen Protesten inhaftiert worden waren, sind freigelassen worden. Ihnen und zwei weiteren Studierenden, die gegen Kaution aus der Haft entlassen wurden, droht jedoch weiterhin ein Verfahren vor einem Militärgericht.

Appell an

POLIZEIPRÄSIDENT
Somyot Pumpanmuang
Royal Thai Police
1 Building, Floor 7 Rama 1 Road
Pathumwan
Bangkok 10330
THAILAND
(Anrede: Dear General / Sehr geehrter Herr Polizeipräsident)
Fax: (00 66) 2 618 2538
E-Mail: prforeign@gmail.com

MINISTERPRÄSIDENT
Gen. Prayuth Chan-ocha
Government House, Pitsanulok Road, Dusit
Bangkok 10300
THAILAND
(Anrede: Dear Prime Minister / Sehr geehrter Herr Ministerpräsident)
Fax: (00 66) 2 282-5131

Sende eine Kopie an

STELLVERTRETENDER MINISTERPRÄSIDENT UND AUSSENMINISTER
Thanasak Patimapragorn
Ministry of Foreign Affairs
Sri Ayudhya Road
Bangkok 10400
THAILAND
Fax: (00 66) 2643 5320 oder (00 66) 2643 5314
E-Mail: minister@mfa.go.th

BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS THAILAND
I.E. Frau Nongnuth Phetcharatana
Lepsiusstr. 64-66
12163 Berlin
Fax: 030-7948 1511 oder
030-79481251
E-Mail: general@thaiembassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Thailändisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 21. August 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.

Sachlage

Eine Gruppe von vierzehn Studierenden und jungen Aktivist_innen ist am 8. Juli aus der Haft entlassen worden. Einen Tag zuvor hatte das Militärgericht in Bangkok einen polizeilichen Antrag abgelehnt, der ihre Inhaftierung für weitere zwölf Tage forderte. Das Gericht entschied, dass eine Haftverlängerung die Studierenden bei der Vorbereitung ihrer Verteidigung behindern könnte. Wegen ihrer Teilnahme an friedlichen Protesten droht der Gruppe und zwei weiteren Studierenden allerdings weiterhin ein Verfahren vor einem Militärgericht. Sollten sie zu einer Haftstrafe verurteilt werden, würde Amnesty International sie als gewaltlose politische Gefangene betrachten.

Am 22. Mai 2015, genau ein Jahr nach dem Militärputsch von 2014, hatten die Studierenden im Zentrum Bangkoks und in Khon Kaen im Nordosten Thailands an friedlichen Demonstrationen teilgenommen. Nachdem sie offiziell aufgefordert worden waren, sich bei der Polizei zu melden, führten die Studierenden am 24. und 25. Juni zwei weitere friedliche Proteste in Bangkok durch. Einer dieser Proteste fand am 24. Juni vor einer Polizeistation statt. Die Polizeibeamt_innen, die sich in der Station aufhielten, weigerten sich Berichten zufolge, eine Anzeige der thailändischen Studierenden aufzunehmen. Die Studierenden wollten Angriffe durch Angehörige der Behörden während der Proteste am 22. Mai zur Anzeige bringen.

Den 14 Studierenden drohen nun Anklagen wegen "Volksverhetzung" unter Paragraf 116 des thailändischen Strafgesetzbuches. Personen, die unter diesem Paragrafen wegen der Anstiftung zur "Unruhe und Unzufriedenheit […] oder zum Verstoß gegen nationale Gesetze" angeklagt werden, droht eine Gefängnisstrafe von bis zu sieben Jahren. Ihnen und zwei weiteren Studierenden wird ebenfalls vorgeworfen, gegen Verordnung Nr. 3/2015 des Nationalrats für Frieden und Ordnung (National Council for Peace and Order, NCPO) verstoßen zu haben. Diese Verordnung stellt friedliche politische Versammlungen mit einer Teilnehmerzahl von mehr als vier Personen unter Strafe.

[SCHREIBEN SIE BITTE ]

E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte lassen Sie alle Anklagen gegen die 16 oben genannten Studierenden fallen, die im Zusammenhang mit ihrer Teilnahme an friedlichen Protesten erhoben wurden.

  • Ich fordere Sie zudem auf, sicherzustellen, dass niemand wegen der Unterstützung derer, die ihre Menschenrechte friedlich wahrnehmen, drangsaliert, eingeschüchtert oder bestraft wird.

  • Ich bitte Sie, alle Gesetze und Verordnungen, die das Recht auf friedliche Versammlung willkürlich einschränken und die strafrechtliche Verfolgung von Zivilpersonen vor Militärgerichten ermöglichen, aufzuheben oder abzuändern.

[APPELLE AN]

POLIZEIPRÄSIDENT
Somyot Pumpanmuang
Royal Thai Police
1 Building, Floor 7 Rama 1 Road
Pathumwan
Bangkok 10330
THAILAND
(Anrede: Dear General / Sehr geehrter Herr Polizeipräsident)
Fax: (00 66) 2 618 2538
E-Mail: prforeign@gmail.com

MINISTERPRÄSIDENT
Gen. Prayuth Chan-ocha
Government House, Pitsanulok Road, Dusit
Bangkok 10300
THAILAND
(Anrede: Dear Prime Minister / Sehr geehrter Herr Ministerpräsident)
Fax: (00 66) 2 282-5131

KOPIEN AN
STELLVERTRETENDER MINISTERPRÄSIDENT UND AUSSENMINISTER
Thanasak Patimapragorn
Ministry of Foreign Affairs
Sri Ayudhya Road
Bangkok 10400
THAILAND
Fax: (00 66) 2643 5320 oder (00 66) 2643 5314
E-Mail: minister@mfa.go.th

BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS THAILAND
I.E. Frau Nongnuth Phetcharatana
Lepsiusstr. 64-66
12163 Berlin
Fax: 030-7948 1511 oder
030-79481251
E-Mail: general@thaiembassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Thailändisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 21. August 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Am 19. Juni 2015 hatten die Behörden bekanntgegeben, dass sie die Studierenden festnehmen würden, sollten sie sich nicht bei der Polizei melden, um sich im Zusammenhang mit den gegen sie erhobenen Vorwürfen zu stellen. Man warf den Studierenden vor, am 22. Mai das offizielle Verbot von politischen Aktivitäten missachtet und eine öffentliche Versammlung abgehalten zu haben, indem sie am ersten Jahrestag des Militärputsches von 2014 in Thailand demonstrierten.

Die sieben Studierenden der Universität Khon Kaen sind Mitglieder der Dao Din, einer Studierendengruppe der Universität, die als Diskussionsforum dient und sich für Menschenrechte einsetzt. Im Dezember 2014 zeichnete die Nationale Menschenrechtskommission von Thailand die Studierendengruppe wegen ihrer Arbeit im Bereich von Umwelt- und Sozialkampagnen mit einem Preis aus. Basisdemokratische Umweltgruppen, welche die sieben Studierenden seit deren Inhaftierung im Mai 2015 öffentlich unterstützen, wurden von den Behörden gewarnt, dass solche Aktivitäten verboten seien. Unter anderem richtete sich die Drohung gegen die Bewegung Neo-E-Saan und die Gruppe Khon Rak Ban Koed. Im November 2014 wurden Mitglieder der Studentengruppe Dao Din festgenommen, weil sie während einer Rede des Generals Prayuth Chan-Ocha in Khon Kaen den Dreifinger-Salut, ein Protestsymbol aus der Büchertrilogie "Tribute von Panem", gezeigt hatten.

Während des Protests in Bangkok am 22. Mai nahm die Polizei mehr als 30 Studierende und Aktivist_innen im Kunst- und Kulturzentrum in Bangkok fest. Das Zentrum war einer der ersten Orte, an denen im Jahr 2014 die spontanen Proteste gegen den Militärputsch stattfanden. Augenzeug_innen berichteten, dass Studierende von Personen in Zivil und von Polizeibeamt_innen grundlos angriffen wurden. Auf YouTube veröffentlichte Videos scheinen diese Aussagen zu bestätigen. Die Studentin Chonthicha Jaengraew muss sich aufgrund von Verletzungen an der Wirbelsäule eventuell einer Operation unterziehen. Songtham Kaewpanpruk musste medizinisch notversorgt werden, nachdem er bewusstlos aufgefunden wurde. Die beiden Studenten Rattapol Supasupon und Rangsuman Rome wurden ebenfalls verletzt.

Seit der Machtergreifung des Militärs am 22. Mai 2014 sind politische Versammlungen mit einer Teilnehmerzahl von mehr als vier Personen verboten. Personen, die gegen dieses Verbot verstoßen, droht ein Verfahren vor einem Militärgericht. Studierende und Studierendengruppen, unter ihnen die Gruppe Dao Din, führen friedliche symbolische Aktionen durch. Hierzu gehören beispielsweise Proteste mit weniger als fünf Personen, die trotzdem unterdrückt werden. Einzelpersonen werden weiterhin von den thailändischen Behörden willkürlich festgenommen und inhaftiert. Die Behörden verhindern oder zensieren Treffen sowie öffentliche Veranstaltungen und unterdrücken auf andere Weise friedlichen Dissens.

Nach der Machtergreifung durch das Militär drohen Zivilpersonen, die gegen offizielle Verordnungen verstoßen oder denen Majestätsbeleidigung vorgeworfen wird, Verfahren vor einem Militärgericht. Als Majestätsbeleidigung gelten jedes Wort und jede Handlung, mit denen "der König, die Königin, der Thronfolger oder der Herrscher verleumdet, beleidigt oder bedroht werden". Auch Straftaten gegen die nationale Sicherheit nach dem Strafgesetzbuch werden vor Militärgerichten verhandelt. Bis zur Aufhebung des Kriegsrechts durch die Regierung am 1. April 2015 gab es bei diesen Verfahren keine Möglichkeit, Rechtsmittel einzulegen. Obwohl das Recht auf Einlegen von Rechtsmitteln wieder eingeführt wurde, finden Verfahren gegen Zivilpersonen wegen der genannten Straftaten weiterhin vor Militärgerichten statt. Diesen mangelt es in Thailand an Unabhängigkeit, weshalb das Recht auf ein faires Verfahren nicht gewährleistet ist. Internationale Standards verbieten den Einsatz von Militärgerichten für Gerichtsverfahren gegen Zivilpersonen.

Seit März 2015 haben Beamt_innen in Uniform und in Zivil die Häuser von mindestens 17 studentischen Aktivist_innen aufgesucht und ihre Räumlichkeiten durchsucht. Sie warnten die Studierenden und ihre Familien davor, sich politisch zu engagieren. Das Militär und das Bildungsministerium ordneten nach dem Putsch im Jahr 2014 an, dass studentische Aktivitäten, bei denen Kritik an den Militärbehörden geübt wird, durch die Angestellten der Universität überwacht werden müssen. Zudem sollen sie die aktive Beteiligung der Studierenden an politischen Aktivitäten verbieten oder maßgeblich einschränken. In ganz Thailand wurden Lehrende und Rektor_innen der Universitäten von bewaffneten Truppen "besucht" und angewiesen, sicherzustellen, dass keine politischen Veranstaltungen an ihren Universitäten stattfinden.